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Lübeck Protokoll des Decken-Schadens: Experten uneinig wegen MuK
Lokales Lübeck Protokoll des Decken-Schadens: Experten uneinig wegen MuK
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11:36 17.10.2015
Zwei Gutachter, ein Statiker und eine Materialprüfanstalt beschäftigten sich mit der Decke des Konzertsaals der MuK. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

In Kürze liegt das Gutachten vor, das endgültig sagt, was an der 21 Jahre alten Musik- und Kongresshalle (MuK) alles kaputt ist. Von diesem Schadensbild würden die weiteren Sanierungsschritte abhängen, sagt Dennis Bunk, Chef des städtischen Gebäudemanagements (GMHL). Wie es zu der am 30. September verkündeten Schließung des Konzertsaals kam, hat das GMHL minutiös für die Politiker aufgezeichnet. Das Protokoll zeigt, dass sich die Sachverständigen über Wochen nicht einig waren.

Alles begann im April mit einer routinemäßigen Begehung zum Thema Sicherheit. „Da hatten wir noch kein Problem mit der Decke des Konzertsaals“, erinnert sich GMHL-Chef Bunk. Allerdings stellten die Fachleute eine Durchbiegung der Decke über der Pförtnerloge fest. „Wir haben dann eine Firma beauftragt, flächendeckend die Decken der ganzen MuK zu öffnen, damit wir die Decken besser kontrollieren können“, sagt Bunk. Am 10. August lag dann das erste Gutachten zu den Decken vor. Fazit: Es gebe deutliche Mängel an den Aufhängungen, aber es sei keine Gefahr in Verzug.

Einen Tag später legten Sachverständige die zweite Schwachstelle offen. Der Brandschutz in der MuK ist nicht ausreichend. Bei einer Zusammenkunft waren sich Ingenieure, Feuerwehr und Bauordnung einig, dass im Fall eines Schwelbrandes Gefahr für Leib und Leben besteht. Die MuK muss während der Veranstaltungen Brandwachen stellen und Rauchmelder auf den Zwischendecken installieren. Am 14.

August kam es zu einer großen Runde beim Bürgermeister. Neben Bernd Saxe waren die Senatoren Kathrin Weiher und Bernd Möller mit am Tisch, außerdem Vertreter des Rechtsamtes, der Pressestelle, der Bauordnung, der Feuerwehr und des GMHL. Weitere Prüfaufträge wurden verteilt.

Am 17. August begann das Hin und Her der Experten zur Decke im Konzertsaal. Ein spontanes Versagen wurde als unwahrscheinlich bezeichnet. Nur drei Stunden später sagte ein Gutachter aus, dass ein spontanes Versagen nicht ausgeschlossen werden kann, aber keine Gefahr im Verzug sei. Am 18. August jagte ein MuK-Krisengespräch das nächste. Um 10 Uhr hieß es, dass die Decke nicht spontan herunterfällt. Um 12 Uhr meldete die Bauordnung Bedenken an. GMHL-Chef Bunk: „Die Bauordnung brauchte eine schriftliche Bestätigung, dass die Decke nicht herunterkommt.“ Um 14.30 Uhr stellten Fachleute nach einem Ortstermin fest: Die Decke werde halten, die Nutzung der MuK müsse nicht eingeschränkt werden. Um 16.30 Uhr genehmigte Saxe zwei Veranstaltungen in den kommenden Tagen.

In den folgenden Wochen wurde die Akustikdecke regelmäßig kontrolliert. Die Prüfer meldeten ebenso regelmäßig: keine Bedenken. Mitte September beauftragte das GMHL einen weiteren Gutachter. Der schrieb am 24. September in einer E-Mail: Die Stadt solle sich ernsthaft Gedanken über eine vorübergehende Stilllegung des Saales machen. Auf die Deckenaufhängungen würden viel zu große Lasten einwirken. Vom 25. bis 28. September untersagte der Bürgermeister die Nutzung des Konzertsaales. Am 28. September trafen sich Gutachter, Statiker, Brandschutzexperten, GMHL und Vertreter der MuK vor Ort. Ergebnis: Keine Freigabe mehr für den Konzertsaal auf unbestimmte Zeit. Die Öffentlichkeit wurde informiert.

Zwei Aufgaben würden jetzt anstehen, erklärt Dennis Bunk. „Erstens müssen die Decken im Konzertsaal ertüchtigt werden.“ Danach müsse die Gesamtsanierung der MuK in Angriff genommen werden.

Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) bestätigte im Hauptausschuss, dass ein wirtschaftlicher Schaden für den Betrieb entstanden sei. Eine Größenordnung konnte Weiher nicht nennen. Noch problematischer sei aber, dass die MuK-Geschäftsleitung aktuell keine Veranstaltungen für 2016 einwerben könne. Für den November erklärt die MuK: „Der Spielbetrieb geht weiter.“ Mehrere im Konzertsaal geplante Veranstaltungen werden in das bestuhlte Foyer verlegt — darunter die Schottische Musikparade, das NDR-Sinfoniekonzert, die Auftritte von Gregor Meyle und Hans Liberg.

Ständige Reparaturen
1,35 Millionen Euro flossen seit 2009 in diverse Sanierungsmaßnahmen der Musik- und Kongresshalle. Unter anderem wurden das Parkett erneuert, der Sonnenschutz verbessert, das Orchesterpodium repariert, die Kältemaschine erneuert und die Fassade saniert. Im Durchschnitt wurden jährlich 134991 Euro in Instandsetzungsarbeiten investiert.

Kai Dordowsky

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