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Lübeck 15 000 Euro Schmerzensgeld für Ex-Mann
Lokales Lübeck 15 000 Euro Schmerzensgeld für Ex-Mann
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11:07 19.02.2018
Das Gift mischte die Frau ins Chili con Carne. Quelle: fotolia
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Lübeck/Dahme

Nachdem die Angeklagte sich an einem früheren Verhandlungstag bereits offiziell bei ihrem Ex-Mann entschuldigt hat (die LN berichteten), wurde gestern nun auch ein Scheck übergeben. Er akzeptiere das Schmerzensgeld „als Form der Wiedergutmachung“, sagte der 57-Jährige, der im Prozess als Nebenkläger auftritt.

Verteidiger Christian Schumacher erklärte, die finanziellen Mittel seiner Mandantin seien damit nun erschöpft. Auch bezeichnete er den Betrag als vergleichsweise hoch. Die Angeklagte zahle jedoch freiwillig eine höhere Summe – man könne „durchaus die Auffassung vertreten, dass man mehr bezahlen muss als die ,angemessene’ Summe, wenn man etwas wirklich wiedergutmachen will“.

Hauptsächlich wurde gestern am fünften Verhandlungstag das Gutachten einer forensischen Toxikologin gehört. Die geschilderten Symptome des Ex-Mannes – wie Übelkeit, Erbrechen und eine Beeinträchtigung des Sehvermögens – und das Ergebnis einer Laboruntersuchung ließen sich mit einer Überdosis des pflanzlichen Giftes vereinbaren, bestätigte die Expertin. Wie hoch die verabreichte Dosis tatsächlich war, habe sich im Nachhinein nicht mehr feststellen lassen. Blut und Urin des Vergifteten wurden erst Tage nach der Tat untersucht; anders als beispielsweise bei Alkohol lasse sich der ursprüngliche Wert nicht berechnen. Jeder Mensch reagiere anders auf das pflanzliche Gift, erklärte die Fachfrau, und es gebe keine Faustformel dafür, wie schnell der Stoff im Körper abgebaut werde.

Sie gehe allerdings davon aus, dass die von der Angeklagten genannten „zwei, drei Krümel, so groß wie Leinsamen“ nicht ausgereicht hätten, um die geschilderten Symptome hervorzurufen, sagte die Gutachterin. Zwar könne die Wirkung unterschiedlich stark ausfallen und auch der Anteil giftiger Stoffe von Pflanze zu Pflanze variieren. Dennoch „hätte es vermutlich eine weitaus höhere Dosis gebraucht“.

Das verabreichte Gift des Zerberusbaums stamme aus der Reihe der Herzglykoside und sei insofern – obwohl selbst nicht für Arzneistoffe verwendet – vergleichbar mit Mitteln zur medizinischen Behandlung von Herzkrankheiten. Die Toxikologin rechnete vor, dass die angegebene Menge ganze 2000-mal so hoch hätte sein müssen, um allein einer „therapeutischen Dosis“ zu entsprechen – geschweige denn einer Überdosis. Zwar ließen sich auch hier keine exakten Angaben machen („Vielleicht hätte auch eine 400-mal so hohe Dosis gereicht“), dass tatsächlich nur zwei Pflanzen-Krümel ins Mittagessen gemischt wurden, halte sie mit Blick auf die Folgen jedoch „für ausgesprochen unwahrscheinlich“.

Die Angeklagte selbst sagt, sie habe nicht gewusst, wie gefährlich das Gift sei. Sie habe lediglich gewollt, dass es ihrem Mann einmal so schlecht gehe wie ihr selbst in der Ehe. Ernsthaft schaden habe sie ihm nie gewollt.

Der Prozess am Lübecker Landgericht wird fortgesetzt am kommenden Mittwoch, 21. Februar, um 9 Uhr. Dann sollen auch die Plädoyers gehalten werden.

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