Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Prügeleien aus Frust und Langeweile?
Lokales Lübeck Prügeleien aus Frust und Langeweile?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:34 22.06.2017
Die Polizei wird auch auf der Travemünder Woche (Foto) verstärkt Präsenz zeigen. Außerdem muss die Polizeidirektion über 100 Beamte für den G-20-Gipfel in Hamburg abstellen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Die Polizei eilt dann mit vielen Kräften an den Einsatzort, die Lage ist oft unübersichtlich und lässt sich auch im Nachhinein kaum aufklären. „Die Bereitschaft von Beteiligten und auch Zeugen, mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten, ist nicht besonders ausgeprägt“, sagt Oberstaatsanwältin Ulla Hingst.

 

„Es reicht nicht, Unterkünfte bereitzustellen.Lothar Möller, BfL-Vorsitzender

Bei der Suche nach den Motiven für die Auseinandersetzungen ist die Lübecker Polizei noch lange nicht am Ende. Der Leitende Polizeidirektor Norbert Trabs, der am Dienstag erstmalig den Sicherheitsausschuss der Bürgerschaft über dieses Phänomen in Kenntnis setzte, lässt sich von seinen Beamten fortlaufende, qualifizierte Lagebilder erstellen. Trabs: „Es ist ganz wichtig, differenziert und sensibel darauf zu schauen, wer in jedem Einzelfall die Agierenden sind.“

Klar ist bislang nur, dass an diesen körperlichen Auseinandersetzungen überwiegend Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Afghanistan und Nordafrika beteiligt sind. Oberstaatsanwältin Hingst, die die Massenschlägerei am 7. Mai am Zob untersucht, bestätigt, dass Flüchtlinge dabei waren, aber auch junge Menschen ohne Migrationshintergrund. Der Ausgangspunkt für diese Auseinandersetzung sei weiterhin unklar, sagt Hingst. „Es wird in alle Richtungen ermittelt.“

Die Polizei hat zwar noch kein fertiges Konzept, um mit dem Phänomen umzugehen, hat aber schon reagiert. In der Innenstadt und in St. Lorenz Süd und Nord wurde die Präsenz erhöht, um Schlägereien und auch eine Ausweitung der offenen Drogenszene zu verhindern. Neben dem uniformierten Streifendienst werden auch Beamte in Zivil eingesetzt.

Lübeck ist nicht die einzige Stadt mit solchen Problemen. In Rostock kam es in jüngster Zeit zu mehreren Schlägereien zwischen jungen Syrern. Auch dort entwickelten sich kleine Auseinandersetzungen in kürzester Zeit zu Massenschlägereien. Anders dagegen in Kiel. Ein Sprecher der dortigen Polizeidirektion kann sich nur an eine einzige Auseinandersetzung in den letzten Wochen erinnern.

Für eine Tourismusstadt seien solche Auseinandersetzungen ein absolutes No-Go, erklärt Bürgerschaftsmitglied Lars Rottloff (CDU), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Marketing-Gesellschaft LTM.

„Wir sind eine Stadt des Tourismus mit zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr, und die Kinderstuben unserer Stadt werden Schauplatz von Messerstechereien.“ Rottloff fordert von der künftigen Jamaika-Regierung in Kiel, ein neues Polizei- und Ordnungsrecht zu erlassen. „Ordnungskräfte müssen entsprechende Kompetenzen bekommen, um wirksame Maßnahmen vor Ort ergreifen zu können“, erklärt der CDU-Politiker, „es kann nicht angehen, dass sich 20 Leute vor einem touristischen Hotspot prügeln und wir nichts machen können.“ In keiner anderen namhaften Touristenstadt gebe es so etwas. „Auch Bahnhof und Zob müssen sichere Orte sein“, sagt Rottloff“, schließlich kommen immer mehr Menschen mit Zügen und Bussen.“

Der BfL-Vorsitzende Lothar Möller führt die Schlägereien auf Frust und Langeweile unter den Asylbewerbern zurück. Es reiche nicht aus, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Flüchtlinge müssten eine gemeinnützige Tätigkeit ausüben, während ihr Asylverfahren laufe. Möller schlägt Mitarbeit in Kleiderkammern oder bei der Essensausgabe vor sowie Unterstützung bei der Pflege von Grünanlagen.

Für die Polizei kommt diese neue Entwicklung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Für den bevorstehenden G-20-Gipfel muss die Polizeidirektion über 100 Kollegen abstellen, und für die Travemünder Woche werden auch verstärkt Beamte eingesetzt.

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige