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Lübeck Punkrock mit politischer Note
Lokales Lübeck Punkrock mit politischer Note
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09:46 18.10.2012
ie Lübecker Phlegmatix hatten bereits über 150 Auftritte im In- und Ausland (v.l.): Basti (31, Gesang), Klebo (36, Bass), Woomi (27, Schlagzeug) und Czassi (28, Gitarre).
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Lübeck

„Wir singen nicht nur vom Partymachen, sondern von den Geschehnissen, die uns umgeben“, sagt Sänger Basti. Auf dem Cover des dritten Albums der Phlegmatix „We won’t Follow“ ist eine Familie abgebildet, die mit ihrem Fernseher verkabelt ist. Die Abneigung gegen einen starken Staat sowie Kapitalismus-Schelte waren schon in den 1980er Jahren Themen im Punkrock. Im Song „Promises“ rechnen die vier Phlegmatix mit US-Präsident Barack Obama ab, der in ihren Augen nur leere Versprechungen gemacht, weder den Krieg beendet noch die amerikanische Politik grundlegend reformiert hat. „Ich bin Amerikaner. Deshalb befasse ich mich mit der US-Politik und der Reaktion der Bevölkerung darauf“, sagt Basti, der die Texte schreibt. Seiner Meinung nach lässt sich der Inhalt der Stücke auch auf Deutschland beziehen. „Obdachlose gibt es hierzulande genauso“, sagt der 31-jährige Sänger. Stilistisch sind die Phlegmatix am ehesten im Bereich des Streetpunk anzusiedeln: „Politischer Punk mit Hardcore-Attitüde“, nennt Gitarrist Czassi das Genre. Seine verzerrten Riffs klingen nach breitem amerikanischem Punksound. Die Aufnahmen sind ausgewogen, die Verzerrung der Gitarre klingt druckvoll, aber nicht dreckig. Das rasende Schlagzeug von Drummer Woomi auf dem Album haben die amerikanischen Kollegen von Agnostic Front kaum anders gespielt. Mit den US-Kollegen haben die Phlegmatix sogar schon auf der Bühne gestanden. „Das war schon ein tolles Gefühl. Schließlich waren sie prägend für das ganze Genre“, sagt der 28-jährige Czassi. Manchmal weicht die Combo allerdings vom treibenden Beat ab und wechselt in die Hardcore-Richtung. Auch die kraftvolle Stimme des 31-jährigen Basti würde problemlos in die HardcoreEcke passen. Ergänzt wird sie vom altbewährten Punk-Chor, der im Hintergrund die Refrains mitbrüllt oder in die Pausen skandiert.Mit dieser Mischung sind die Phlegmatix gern gesehene Gäste in zahlreichen Clubs in Deutschland. Einmal im Jahr gehen sie für zwei Wochen auf Tour. In Österreich, Belgien, Dänemark, Schweden und Tschechien sind sie aufgetreten. Die Konzerte organisiert die Band in Eigenregie. „Immer häufiger schlafen wir auf der Tour in vernünftige Betten“, sagt Czassi und grinst. Er ist es gewohnt, den Schlafsack im verrauchten Backstageraum auszurollen. Zumindest nimmt sich das Quartett auf den Touren dabei stets vor, die gesunde Mitte zwischen „Spaß und Professionalität“ zu wahren. Wirklich Geld verdienen die Punkrocker nicht mit ihrer Musik. Getränke, eine Mahlzeit und nach dem Auftritt Benzingeld sind aber drin. Diese Genügsamkeit sei ein Teil der Punk-Philosophie – ein Nehmen und Geben. Die Punk-Veranstalter geben den Bands des Genres die Möglichkeit, im ganzen Land und sogar im Ausland zu spielen. „Und mit unseren Auftritten geben wir etwas an das Szene-Publikum zurück“, sagt Bassist Klebo (36). Nebenbei schreibt die Combo in ihrem Probenraum in Herrenwyk an neuen Stücken. Weil es in Lübeck einen chronischen Mangel an Übungsräumen gibt, haben die Jungs ihr Domizil selbst saniert. Bis auf vier Wände ohne Dach gab es anfangs nichts. Ein Dachstuhl wurde selbst gebaut. Inzwischen schreibt die Band im Trockenen an ihrem dritten Tonträger – einer EP mit sechs Stücken, die im nächsten Jahr herauskommen soll. Das Konzert im Treibsand, Willy-Brandt-Allee 9, beginnt am morgigen Freitag um 21 Uhr. Auch die Bands Starry und Affenmesserkampf treten auf. www.phlegmatix.com

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