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Lübeck Das Hotelschiff mit britischem Glanz
Lokales Lübeck Das Hotelschiff mit britischem Glanz
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22:25 07.08.2018
Auf dem Außendeck findet sich eine Poollandschaft. Deckchairs laden zum Entspannen ein. FOTOS (7): ULF-K. NEELSEN
Travemünde

Sie wirkt ein wenig deplatziert an diesem Ort, in der unmittelbaren Nähe von unzähligen Lkw und neuen Traktoren, die auf ihre Skandinavienüberfahrt warten. Die „QE“ mit der klassischen Linienführung und dem dunklen Rumpf. Während die Kreuzfahrtpassagiere – 2081 an der Zahl aus 31 Nationen – überwiegend von Bord gehen und in die bereitgestellten Busse „Sightseeing Lübeck“ steigen, geht es über eine Gangway in den Schiffsbauch.

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Natürlich nicht ohne den obligatorischen Sicherheitscheck mit Schleuse zu absolvieren. Der Zugang, das funktionale Deck A, das Medical Centre, ist nicht unbedingt ein Aushängeschild. Also schnell zum Fahrstuhl und rauf ins Herzstück der „Queen Elizabeth“, in das dreistöckige Atrium. Dies findet man übrigens genauso bei der baugleichen „Queen Victoria“, die zusammen mit der „Queen Mary 2“ das Kreuzfahrt-Königinnen- Trio von Cunard vervollständigt.

Was sofort auffällt: Man befindet sich in einem sehr eleganten Schiff, mit aufwendigen Mosaiken, Marmor und prächtigen Kronleuchtern. Fast überall flaniert man über weiche Teppiche. Dass an die klassische Zeit der Ozeanriesen am Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert werden soll, drängt sich sympathisch auf. Holzvertäfelungen sorgen für Gemütlichkeit; und ausgewählte, teils üppige Gemälde- und Objektkunst schmückt fast jeden Gang und Flur der zwölf zugänglichen Decks.

Essen wird hier groß geschrieben, keine Frage. Dabei ist das „Britannia“ wohl das königlichste der vier offiziellen Restaurants. Vom Eingang über die geschwungene Treppe bis hin zum reservierten Platz – ein goldiger Schimmer liegt über allem. Und mit der Wahl der Kabine legt man sich gleich auf „sein“ Restaurant fest. Man kann aber auch beispielsweise auf einen klassischen Pub, den „Golden lions club“, oder das 24-Stunden-Büfett-Restaurant ausweichen. Wie auch das „Britannia“ geht die stilvolle Bibliothek ebenfalls über zwei Etagen, Deck 2 und 3.

An einer kleinen Shopping-Meile mit exklusivem Juweliershop und einer Kunst-Galerie vorbei geht es auf Deck 3 zum Ballsaal. Hier herrscht gerade rege Betriebsamkeit, wird doch für die klassische „Tea time“ um 15.30 Uhr eingedeckt. Überraschend, wie wenig sichtbar ansonsten die 1000-köpfige Crew aus 50 verschiedenen Ländern ist; alles wirkt ein wenig ausgestorben, wenn die Passagiere von Bord sind.

Ein absolutes visuelles Highlight stellt dann das große „Royal Court Theatre“ mit Platz für 830 Gäste inklusive Balkonlogen dar. Beste Aussicht genießt man schließlich von Deck 10 im „Commodore Club“ mit Bar und Lounge-Sesseln vor großen Fenstern. Und wie wohltemperiert das ganze Schiff mit rund 20 Grad Celsius ist, fällt erst wieder auf, als man das Außendeck mit seiner Poollandschaft betritt.

Die Hitze hat einen wieder. Wie auch schon bald der feste Boden unter den Füßen. Die ersten Gäste kommen aus Lübeck zurück; und dann sollen Tagesbesucher das Feld geräumt haben.

Tausende grüßen die „Queen“

Bei diesem Anblick von See kommend muss man sich einfach willkommen fühlen – Kurstrand, Nordermole und Travepromenade wirken wie ein Spalier aus Menschen. Tausende erwarten die „Königin der Meere“, die „Queen Elizabeth“. Die Nachricht vom Vortag, dass sie sich um geschätzte vier Stunden verspäten wird, hat nicht jeden erreicht. „Wir stehen hier schon seit acht Uhr“, sagt Michael Bodenburg. Zusammen mit Ehefrau Katharina und den fünf Kindern wartet die Familie aus Braunschweig auf der Nordermole. Inzwischen sind am Horizont die Umrisse des Ozeanriesens auszumachen. „Wir haben einfach Glück, dass wir dies in unserem Urlaub in Travemünde erleben dürfen“, sagt der Vater. Nachher ginge es noch an den Strand – „zum Abkühlen nach der ganzen Warterei“.

Einen Premiumplatz haben sich Bettina und Alexander Brüning mit ihren Söhnen Nino und Levi gesichert. Mit den Füßen im Wasser sitzen sie an der kleinen Sandbucht an der Molen-Innenseite. „Wir wohnen in Pöppendorf und waren schon beim ersten Besuch der ,Queen’ 2011 hier. Dieses Event wollten wir uns also nicht entgehen lassen“, merkt Bettina Brüning an. Hinterher wolle man noch dem „Queens Village“ vor dem Maritim einen Besuch abstatten.

Um 11.23 Uhr ist es schließlich soweit. Die „QE“ passiert die Nordermole und lässt das Signalhorn erklingen. Langsam gleitet sie Richtung Skandinavienkai, um dort festzumachen. Die Verspätung erklärt Kapitän Aseem Hashmi mit den Worten: „Ich kann sehr viel kontrollieren, aber nicht das Wetter. Sturm auf der Passage und zum Teil Niedrigwasser haben dazu geführt, dass wir aus Sicherheitsgründen erheblich unser Tempo reduzieren mussten.“

Gegen 18 Uhr schließlich ist die Stippvisite wieder vorbei; die „Queen“ verabschiedet sich Richtung Göteborg.

NACHGEFRAGT

Eine tolle Atmosphäre

Sie sind 2013 zum Kapitän der „Queen Elizabeth“ befördert worden. Sie sind also das erste Mal in Travemünde, oder?

Kapitän Aseem Hashmi: Ja, genau. Und die Atmosphäre mit den vielen Menschen am Strand und am Ufer, die uns begrüßt haben, war toll. Dies wissen auch unsere Passagiere ganz besonders zu schätzen und macht unsere Ankünfte in deutschen Häfen so besonders.

Ist das Einlaufen in der Trave schwierig für Sie gewesen?

Nein, man bereitet sich vor, und unser Schiff lässt sich hervorragend manövrieren. Das Ufer ist allerdings schon sehr nah.

Haben Sie einen Lieblingshafen auf der Welt?

Aus der Sicht eines Kapitäns immer der ohne Wind, aus der Sicht eines Touristen wohl New York, und aus meiner ganz persönlichen Sicht unser Heimathafen Southampton, wenn ich nach Hause gehen kann.

Interview: Michael Hollinde

Michael Hollinde Michael Hollinde

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