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Ramas Traum vom Studium

Lübeck Ramas Traum vom Studium

Junge Asylbewerber suchen Perspektiven. Die Gemeindediakonie unterstützt sie mit dem Projekt „Jmd2start“.

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Abdulla Mehmud berät die junge Syrerin Rama Safieh.

Quelle: Gemeindediakonie

Lübeck. Rama Safieh (19) aus Syrien lebt seit zehn Monaten in Deutschland. Gut acht Monate hat sie auf ihren Anhörungstermin zum Asylverfahren in Neumünster gewartet.

Beratungsangebot

238 junge Asylsuchende betreuen die Migrationsberater Abdulla Mehmud, Sarah Bröker und Cornelia Bauke zur Zeit im Rahmen von jmd2start. Schwierig und langwierig seien Familienzusammenführungen und die Wohnungsfindung, sagt Mehmud. Der Schlüssel zu allem anderen sei der Aufenthaltstitel.

Weitere Informationen gibt es unter www.gemeindediakonie-luebeck.de und www.jmd-portal.de

Dabei möchte die Abiturientin nichts sehnlicher, als weiter zu lernen. Ihr Ziel ist ein Studium im medizinischen Bereich, sie ist voller Hoffnungen und Pläne. Der 25-jährige Ali Reza (Name geändert) aus Afghanistan dagegen hat die Hoffnung fast aufgegeben. Bereits seit 2009 lebt er nach seiner mehrjährigen Flucht in Deutschland – als Geduldeter. Ohne Schulausbildung, ohne Job, ohne Perspektive.

Rama und Ali sind nur zwei von vielen Fällen, mit denen sich die Mitarbeiter des Projekts „Jmd2start“ seit September 2015 intensiv beschäftigen. Die Gemeindediakonie Lübeck ist eine von zwei Trägern in Schleswig-Holstein, die für das zweijährige bundesweite Programm der Jugendmigrationsdienste (JMD) ausgewählt wurden. „Jmd2start“, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, erlaubt es den Jugendmigrationsdiensten erstmals an 24 Modellstandorten, junge Geflüchtete von zwölf bis 27 Jahren ohne gesicherten Aufenthaltsstatus zu beraten.

„Ziel des Projekts ist die Stärkung eines Zugangs zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe“, erklärt Projektleiterin Cornelia Bauke von der Gemeindediakonie. Viele der jungen Ratsuchenden leben in den Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende, die die Gemeindediakonie im Auftrag der Stadt betreut. Die Mitarbeiter können so Hand in Hand arbeiten und ihre Bewohner direkt an die Kollegen in der Beratungsstelle verweisen.

So war es auch bei Rama Safieh. Im Oktober 2015 kam sie mit ihrer Mutter und dem achtjährigen Bruder nach Deutschland, nach mehrmonatiger Flucht über das Mittelmeer. Zu dritt teilt sich die kleine Familie jetzt ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft. Ein 14-jähriger Bruder und eine 24-jährige Schwester sind noch in Syrien. „Wir haben Angst um sie“, sagt Rama auf Arabisch – ihr Berater Abdulla Mehmud übersetzt.

In Syrien hatte man der guten Schülerin empfohlen, Tierärztin zu werden. Doch bislang ist nicht einmal sicher, ob Ramas Abiturzeugnis anerkannt wird. Immerhin durfte Rama schon einen Deutschkurs besuchen und durchläuft zur Zeit eine sechsmonatige Maßnahme des Jobcenters. Aber Rama ist ungeduldig, fühlt sich unterfordert. „Als junges Mädchen habe ich immer den Traum gehabt, zur Uni zu gehen“, sagt Rama. „In Syrien ist alles zerbombt, deswegen haben wir das Land verlassen. In Deutschland gibt es Gerechtigkeit und Menschenrechte. Ich hoffe, dass Deutschland mir diesen Weg ermöglicht.“

„Arbeiten, egal was“: Das ist dagegen Ali Rezas Traum. Bereits 2009 kam der Afghane als Analphabet ohne Schul- und Berufsausbildung nach Deutschland. In seiner Heimat hatte er als Schweißer gearbeitet. Als er noch ein Kind war, haben die Taliban seinen Vater ermordet. Seine Mutter starb durch Komplikationen bei der Geburt eines anderen Kindes. Bis heute leidet der 25-Jährige, der sich im Alter von 17 Jahren allein auf die Flucht begab, an einer posttraumatischen Belastungsstörung. „Ich habe mehr als zwei Jahre für meine Flucht gebraucht“, erzählt er in gebrochenem Deutsch, „habe teilweise auf der Straße geschlafen.“ In Hamburg saß er drei Monate in Abschiebehaft, bis er dann doch in Deutschland bleiben durfte. Seine Beraterin Sarah Bröker versucht nun, seine endgültige Abschiebung abzuwenden, denn der Asylantrag ist nach sieben Jahren abgelehnt worden. „Notfalls versuche ich, eine Härtefallregelung zu erwirken“, sagt sie. Die Chancen stünden „fünfzig zu fünfzig“, schätzt die Diplom-Pädagogin.

Am Zentrum für Integrative Psychiatrie macht Ali Reza eine Therapie. Manchmal vergisst er etwas. Er hat verschiedene Deutsch- und Alphabetisierungskurse gemacht – zur Zeit besucht er die Volkshochschule – und macht ein Praktikum in einer Tischlerei. Es gibt einen guten Kontakt zur Lübecker Handwerkskammer, dort versucht man ebenfalls, ihm zu helfen. „Jahrelang zu Hause, ohne Arbeit, das ist schwer“, sagt Ali. „Manchmal denke ich, ich habe hier keine Chance.“

Ali, der heute von 354 Euro Sozialhilfe lebt, habe am Anfang wenig Unterstützung bekommen, sagt Sarah Bröker. „Die Gesetzeslage war damals noch anders.“ Viele der heutigen Integrationsmaßnahmen habe es bis vor Kurzem noch nicht gegeben. Ihr Klient sei „nicht als politisch Verfolgter“ anerkannt, das sei das Dilemma. Das mit den Taliban sei in den Augen der Behörden zu lange her gewesen. „Seine Erkrankung und seine vielen Versuche der Integration werde ich als Argumente für sein Bleiberecht anbringen“, so Bröker. Sie bleibt dran, ebenso wie ihr Kollege Abdulla Mehmud. Dieser, selbst vor vielen Jahren als irakischer Kurde nach Deutschland geflüchtet, ist inzwischen deutscher Staatsbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes.

LN

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