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Lübeck Randale in Stadien: Vereine bitten um Hilfe der Politik
Lokales Lübeck Randale in Stadien: Vereine bitten um Hilfe der Politik
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22:37 15.08.2017
Rostocker Hooligans zünden Stadionsitze und einen Banner der Berliner an. Quelle: dpa
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Rostock/Lübeck

 Die Polizei fordert Meldeauflagen für auffällige Fußballanhänger am Wohnort.
„Der Strafkatalog der Fußballverbände bringt uns keinen Millimeter weiter. Geldstrafen gegen von Fanausschreitungen betroffene Vereine helfen herzlich wenig“, sagt Thomas Schikorra, Vorstand des VfB Lübeck. Die Klubs seien überfordert, wenn es um den Einsatz gefährlicher Pyrotechnik auf den Rängen gehe. Ein Patentrezept hat Schikorra nicht. Der VfB Lübeck setzt auf Kommunikation mit den betreffenden Fan-Kreisen, spricht im ärgsten Fall Stadionverbote aus, würde sich, so Schikorra, aber auch Gespräche zu dem Thema mit der Politik wünschen. „Da wird im Bereich der Kontrolle alles getan, was getan werden kann. So etwas kann man sicher nur gesamtgesellschaftlich lösen, nicht allein als Drittligist“, ruft Hansa Rostocks Vorstand Robert Marien um Hilfe.
Es gebe im Kampf gegen gewalttätige Stadionbesucher bereits eine enge Verzahnung von Polizei, Ordnungsämtern und Fanbetreuern, sagt Petra Nicolaisen (CDU). „Wenn alle Prävention aber nicht greift, brauchen wir härtere Strafen für die Täter.“ Mehr Polizeipräsenz innerhalb der Stadien komme nicht in Frage. Die gewaltbereite Hooliganszene habe in weiten Teilen enge Verbindungen ins rechtsextreme Milieu, sagt Rasmus Andresen (Grüne). „Deshalb sollten staatliche Präventionsprogramme gegen Rechtsextremismus auf die Hooliganszene erweitert werden.“
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert eine stärkere Nutzung von Meldeauflagen. Auffällige Fans könnten an Gewalt gehindert werden, wenn sie sich am Spieltag auf einer Polizeiwache melden müssten. „Notfalls dürfen diese bundesweit 3000 Problemfans an Spieltagen ihren Wohnort nicht mehr verlassen“, schlägt Schleswig-Holsteins GdP-Chef Torsten Jäger vor. Die SPD-Landtagsfraktion unterstützt die Forderung der Polizei nach Stadionverboten für bekannte Straftäter.
Hans-Ludwig Meyer, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands (SHFV), bleibt vorsichtig. „Mit Gewalt erzeugt man Gegengewalt.“ Das Entscheidende sei gute Präventionsarbeit. „Das zeigt der VfB Lübeck.“ Gesetzliche Regelungen für Stadionverbote seien nicht nötig, heißt es aus dem Kieler Innenministerium. Vereine und DFB sollten sich aber darüber einig sein, Stadionverbote „deutlich strikter als bisher auszusprechen – auch für ganze Fangruppen und über einen längeren Zeitraum“.

Von Curd Tönnemann

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