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Lübeck Ratlose Erbpächter: Neue Regeln helfen kaum
Lokales Lübeck Ratlose Erbpächter: Neue Regeln helfen kaum
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00:28 03.06.2017
Erbpächter in der Siedlung Gärtnergasse (v. l.): Margrit Griehl, Marion Timme, Thomas Willam, Christian Nevermann, Peter Mross und Peter Stobiecki sind nicht zufrieden. Sie hoffen auf eine Sonderverkaufsaktion. Quelle: Foto: Sergio Di Fusco
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Lübeck

Hart gekämpft – und halb verloren. Die neuen Regeln für die Erbpächter kommen nicht gut an. Die meisten der 860 Betroffenen sind ratlos. Ihre Erbpachtverträge laufen bis 2045 aus. Zwar hat die Bürgerschaft Mitte Mai neue Regeln beschlossen und ihre erste Entscheidung von April 2016 abgemildert. Jetzt soll die Erbpacht nicht so schnell und nicht so drastisch steigen. Doch davon profitieren vor allem ältere Pächter.

Deshalb hoffen viele auf eine Sonderverkaufsaktion mit Rabatten. Das will die CDU – hat aber keine Mehrheit dafür und ist mit dem Antrag gescheitert. Doch die Christdemokraten wollen es im Herbst in der Bürgerschaft wieder versuchen. „Vielleicht bewegt sich die SPD im Vorfeld der Bürgermeisterwahl im November noch“, sagt Ulrich Krause (CDU). Spätestens nach der Kommunalwahl im Mai 2018 will die CDU es erneut versuchen. Aber: Da ist die Frist für die Erbpächter abgelaufen. Sie müssen sich bis Ende 2017 entscheiden, ob sie pachten oder kaufen.

Daher sitzen viele Erbpächter jetzt zwischen Baum und Borke – vor allem die jüngeren. „Für mich ist es ein Tanz, ob ich das Grundstück halten kann“, sagt Christian Nevermann. Er ist 45 Jahre alt – und könnte 20 Jahre den leicht gestiegenen Erbbauzins von zwei beziehungsweise drei Prozent zahlen. Dann geht er mit 65 Jahren in Rente und muss die vollen vier Prozent zahlen. Das ist zu viel für Nevermann. Aktuell kostet ihn das 1000 Quadratmeter große Grundstück 100 Euro Pacht pro Monat. Und kaufen? „Das würde ein heißer Ritt“, sagt er. Denn selbst mit dem Wegfall des Zehn-Prozent- Aufschlags würde das Grundstück 263000 Euro kosten. Das kann sich Nevermann nicht leisten, er zahlt noch am Kredit für das Haus. Würde die Stadt zwischen Garten- und Bauland unterscheiden, läge der Kaufpreis bei 200 000 Euro. „Ich bin ratlos.“ Er hofft auf eine Sonderverkaufsaktion.

Darauf setzt auch Marion Timme. Die 64-Jährige lebt seit 25 Jahre auf einem Erbpachtgrundstück in der Gärtnergasse. Für 300000 Mark hat sie das Häuschen mit ihrem Mann gekauft – und alles Geld hineingesteckt, um es auf Vordermann zu bringen. Das waren umgerechnet 800 Euro pro Monat. „Jetzt soll ich noch einmal bezahlen?“, fragt sie. Außerdem: „Wenn ich für das Grundstück einen Baulandpreis bezahle, dann muss es auch Bauland sein.“ Es ist aber zum großen Teil Gartenland. Ihr Mann Thomas Willam (71) sagt: „Das sind alte Arbeiterhäuser.“ Es gehe auch darum, diese Kultur zu erhalten. „Wir haben beide immer gearbeitet, niemanden auf der Tasche gelegen – und jetzt das“, ärgert Timme sich. Sie will abwarten, ob die Politiker einen neuen Beschluss fassen.

Ähnlich sieht es Margrit Griehl (63). Nur bei einer Sonderverkaufsaktion würde sie das Grundstück kaufen. Ansonsten will sie pachten. „Für uns Ältere sind die 20 Jahre geringe Pacht gut“, sagt sie.

Dann ist sie 83 Jahre alt. „Dafür hat sich das Kämpfen gelohnt – es ist ein toller Sieg.“ Ihr Nachbar Peter Stobiecki (67) meint: „Man muss aber sehen, in welcher körperlichen Verfassung man dann ist.“

Für den Sprecher der Erbbau-Initiative Peter Mross ist klar: „Für die Jüngeren ist der Beschluss der Bürgerschaft schwierig.“ Er meint: „Eine Sonderverkaufsaktion würde vielen helfen.“ Bei den Erbpächtern in Karlshof zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: „Für die Kaufinteressierten ist der Beschluss nicht befriedigend“, sagt Elke Kondziella. „Wir warten ab, ob es noch eine Sonderverkaufsaktion gibt.“

Infoveranstaltung der Stadt

Am 6. Juli lädt die Stadt alle Erbpächter ein, deren Verträge bis 2045 auslaufen. Start ist um 18 Uhr in den Media Docks. Sie informiert über die neuen Regeln: Der Erbbauzins beträgt vier Prozent des Bodenwerts von 2014. In den ersten zehn Jahren werden 50 Prozent erlassen, dann weitere zehn Jahre 25 Prozent. Bei der Pacht wird zwischen Garten- und Bauland unterschieden, das reduziert die Pacht. Beim Kauf nicht. Da gilt der Bodenwert des Baulands.

Josephine von Zastrow

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