Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Ratlosigkeit und Wut im Kleingarten
Lokales Lübeck Ratlosigkeit und Wut im Kleingarten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:31 13.07.2018
Er ist einer der wenigen Kleingärtner, die mit aufs Foto wollen: Volkmar Ballo (67) mit Sohn Rafael. Er hat keine Angst – wie viele der Nachbarn. Sie fürchten, dass ihr Garten verwüstet wird.

Die Kleingärtner: Sie sind wütend. Keine Frage. „Wir wollen unsere Gärten behalten“, sagt Bernd Ostrowski (68). Und für ihn ist klar: „Wir brauchen eine außerordentliche Mitgliederversammlung.“ Wenn der Vorstand nicht dazu einlädt, wollen er und andere Unterschriften dafür sammeln. Denn: „Mit einer kurzfristigen Pachterhöhung können wir die Gärten retten“, ist sich Herbert Meier (70) sicher. Er zweifelt die Zahlen des Vorstands und des Kreisverbandes an, die erklären, dass von gut 750 Gärten fast die Hälfte leersteht – 320 Parzellen. „Mir hat man gesagt, es sind 230“, erklärt indes Meier. Außerdem müsse der Vorstand Werbung machen, damit sich die Parzellen wieder füllen. Das findet auch Bianca Westphal-Leppin. Die 36-Jährige kennt das aus anderen Kleingartenvereinen. „Da wird man als Interessent durch die Gärten geführt“, berichtet sie. In Buntekuh indes würde der Bereich in der Nähe der Grapengießerstraße potenziellen Kleingärtnern gar nicht erst angeboten. „Da heißt es, der werde geschlossen.“ Dabei wollen die Laubenpieper das auf keinen Fall. „So werden Fakten geschaffen, die dem Vorstand und dem Kreisverband in die Hände spielen“, kritisiert Volkmar Ballo. Dann würden immer mehr Parzellen verwaisen. Einige seien schon weggezogen in den Teil des Kleingartens, der erhalten bleiben soll. „Zahlen diese Leute jetzt doppelt Pacht?“, will der 67-Jährige wissen. Denn eigentlich könne man seine Laube nicht einfach so verlassen. Er ärgert sich vor allem über den Umgang mit den Kleingärtnern. „Hier werden Leute mit verbaler und körperlicher Gewalt unter Druck gesetzt“, sagt er.

Krach unter Laubenpiepern im Verein Buntekuh – Etliche Parzellen stehen leer, der Vorstand will einen Teil des Areals an die Stadt zurückgeben – Dagegen protestieren die Pächter – Eine Gegenüberstellung.

Die Wut richtet sich gegen den Vorstand und den Kreisverband. „Wie können die über den Lebensinhalt anderer Leute entscheiden?“, ärgert sich Meier. Denn einige hätten über Jahrzehnte ihre Gärten aufgebaut – und die seien ihr Ein und Alles. „Bei so etwas werde ich stinkig“, meint er. „Es wird ohne Rücksicht auf die Pächter gehandelt“, stimmt Ballo zu. Er fordert: „Man muss doch korrekt mit den Leuten umgehen, die das betrifft.“ Das sei aber nicht der Fall. Die Pächter müssten doch informiert werden, bis wann ein Umzug geplant ist, wie viel Geld sie für ihre Lauben bekommen und und und.

Ballo: „Sonst kann man doch nicht wissen, worüber wir abstimmen sollen.“ Er ist sich sicher: „Die Mehrheit lehnt es ab, einen Teil des Areals an die Stadt abzugeben.“ Außerdem habe die Stadt gar kein „reges Interesse an dem Areal“.

Der Vorstand: Sie stehen vor einem Scherbenhaufen. Und wissen nicht weiter. Im Büro des Kleingartenvereins Buntekuh hat sich Ratlosigkeit breitgemacht. Um eine riesige Schreibtischfläche sitzen Monika Hinz (57) und Thorsten Wildner (49), die Schatzmeisterin des Vereins und der Vorsitzende. „Bevor das Ganze in die Insolvenz geht, müssen wir etwas tun“, sagt Hinz.

Doch sie und Wildner wissen nicht, was. Sie kriegen die jährliche Pacht von 70000 Euro nicht zusammen. Denn von 753 Parzellen stehen 320 leer. Es fehlt an Kleingärtnern. Vor allem „oben“, wie Wildner sagt. Das ist der Teil des Areals ab Kirschweg, der sich an die Grapengießerstraße anschließt. Er soll zurück an die Stadt gehen. Aber dagegen protestieren Laubenpieper, die dort ihre Gärten haben. „Ich kann die Pächter verstehen“, sagt Wildner. „Aber es hilft nichts.“ Eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags funktioniere nicht, so Hinz. Denn: 2019 steige er bereits von 50 auf 70 Euro pro Jahr. „Wir können keine 200 Euro nehmen, dann gehen die Kleingärtner zu anderen Vereinen“, sagt Hinz. Zudem blieben die leeren Gärten verwildert. Hinz: „In meinem Gang sind nur noch zwei, drei andere Parzellen belegt.“ Auch sie müsste umziehen in den anderen Teil des Areals.

Eigentlich sollte die Situation besprochen werden – auf einer Mitgliederversammlung am 22. Juni. Doch die Veranstaltung eskalierte, noch bevor sie begann. „Da hatten Leute ihre Saufkumpanen mitgebracht“, beschreibt Wildner seine Sicht der Dinge. „Wir hatten extra nur Mitglieder eingeladen“, so Hinz. Viele Pächter waren auch mit ihrem Ehepartner gekommen, Wildner wollte sie nicht reinlassen. „So ist es mir vom Kreisverband gesagt worden“, wehrt er sich. Weil die Ehepartner nicht gehen wollten, schloss er die Versammlung. Einer habe lautstark seinen Rücktritt gefordert, berichtet Wilder. Und jetzt? „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagen beide. Der Kreisverband verhandelt mit der Stadt. Denn er ist der Generalpächter aller 26 lübschen Kleingartenvereine. Und eine neue Versammlung? „Was soll ich den Pächtern sagen? Ich weiß ja nichts“, so Wildner.

Die Stimmung im Kleingartenverein ist auf Null. Vor ein paar Jahren hat der damalige Vorstand Geld behalten. Die Kleingärtner zahlen 45 Euro pro Jahr. Wenn sie sechs Stunden Gemeinschaftsarbeit leisten, kriegen sie es zurück. Damals aber nicht. Denn der Vorstand habe das Geld behalten – und so die Pacht bezahlt. Wildner: „Dadurch ist der Bruch zustandegekommen.“ jvz

jvz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige