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Lübeck Raubmord: Das Schweigen auf der Anklagebank
Lokales Lübeck Raubmord: Das Schweigen auf der Anklagebank
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21:10 15.06.2017
St. Jürgen

/Buntekuh. Spuren, Vermutungen, Prognosen: Im Prozess um die Tötung einer 85-Jährigen im August 2016 ringen Anwälte, Gutachter, Sachverständige und Richter am gestrigen Verhandlungstag weiter um die Wahrheit. Denn Rainer P. (Name geändert), der die 85-jährige Frau in ihrer Wohnung im Galeonenweg erstickt und Wertgegenstände entwendet haben soll, schweigt seit Prozessbeginn; gegenüber dem Gericht und auch dem psychiatrischen Gutachter Wolf-Rüdiger Jonas.

Hinweise auf das Geschehen zwischen dem 23. und 24. August hätten von der Spurensicherung aufgenommene Schuhabdrücke im Garten des Opfers sein können. Doch nach Aussage von Holger Schönenberg, Sachverständiger des Landeskriminalamts Niedersachsen, konnten die aufgefundenen und mit Gipsabdrücken gesicherten Spuren nicht zugeordnet werden. „Wir haben in Niedersachsen die bundesweit größte Referenzmustersammlung von Schuhen“, erklärte Schönenberg gestern. Rund 25000 Sohlenprofile befänden sich in einer laufend aktualisierten Datenbank. „Deswegen gibt es oft Anfragen aus anderen Bundesländern, ob an Tatorten aufgefundene Schuhabdrücke zugeordnet werden können“, so Schönenberg.

Im Fall der Spuren im Galeonenweg in Buntekuh hatte Schönenberg den ermittelnden Beamten aber eine Absage erteilen müssen. „Das Muster befindet sich nicht in unserer Datenbank“, erklärte er dem Gericht. Auch zu der Schuhgröße könne er keine Angaben machen. „Ein Abdruck sagt nicht zwangsläufig etwas über die Länge eines Schuhs aus“, erklärte Schönenberg. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Christian Singelmann bestätigte er: Die Art des Auftretens und die Beschaffenheit des Bodens beeinflusse den Abdruck.

Mit einiger Sicherheit konnte Schönenberg nur sagen, dass an verschiedenen Stellen aufgefundene Abdrücke wahrscheinlich zu demselben Schuh gehörten – und, dass die bei P. vorgefundenen vier Schuhpaare nicht zu den Abdrücken passen.

In einer anschließenden Anhörung des Gutachters Wolf-Rüdiger Jonas ging es dann um die prognostizierte Entwicklung von Rainer P. hinsichtlich der möglichen Haft und der Unterbringung im Maßregelvollzug. Da P. eine psychiatrische Untersuchung aber verweigert, stehen dem Gutachter kaum Informationen über die Persönlichkeit des 47-Jährigen zur Verfügung. Nächsten Mittwoch sollen die Plädoyers gehalten werden.

lj

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