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Lübeck Raubmord an Rentnerin: Lebenslange Haft für Täter
Lokales Lübeck Raubmord an Rentnerin: Lebenslange Haft für Täter
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19:21 28.06.2017
Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Wegen Mordes aus Habgier in Tateinheit mit schwerem Raub muss der 48-jährige Rainer P. (Name geändert) lebenslang ins Gefängnis. Das verkündete der Vorsitzende Richter Christian Singelmann gestern Morgen am Landgericht Lübeck. Die Verteidigung kündigte Revision gegen das Urteil an.
„In der Gesamtschau“, begründete Singelmann, „hat sich für das Gericht ein schlüssiges Bild ergeben. Der Angeklagte hat die Tat begangen.“ Ihm wurde vorgeworfen im August 2016 eine 85-jährige Frau in ihrem Bungalow in Buntekuh erstickt zu haben, nachdem er in ihr Haus eingebrochen war, um Wertgegenstände zu stehlen. Ins Visier der Ermittler war P. geraten, als klar wurde, dass er mit einem Kollegen mehrfach Reinigungsarbeiten in der Einfahrt und später auf der Terrasse des Opfers ausgeführt hatte.

Das gestrige Urteil kam zwar nicht überraschend, war aber auch nicht unbedingt vorhersehbar, denn der Angeklagte hatte seit Prozessbeginn geschwiegen und so (...) „hatten wir es mit einem klassischen Indizienprozess zu tun“, sagte Singelmann in der Urteilsbegründung. Ein Prozess, „in dem zahlreiche Zeugen und nicht weniger als fünf Sachverständige gehört wurden.“ Grund dafür war vor allem eine vieldeutige Spurenlage am Tatort. Mit einem Pflasterstein der Terrasse soll P. in den frühen Morgenstunden des 24. August die Terrassentür des Bungalows eingeschlagen und in die Wohnräume der verwitweten Rentnerin eingedrungen sein. Dort, so Singelmann in seinen Ausführungen, traf er auf die 85-Jährige, drängte sie ins Schlafzimmer und erstickte sie mit „einer weichen Bedeckung“.

Hinterher allerdings habe P. sich Mühe gegeben, seine Spuren zu beseitigen. „Er hat aus anderen Taten gelernt“, so Singelmann. Rainer P. ist eine beachtliche kriminelle Vergangenheit nachzuweisen und er sei bereits früher aufgrund seiner DNA überführt worden. Aus diesem Grund habe er das Opfer entkleidet, mit Zucker bedeckt und einer unbekannten Flüssigkeit übergossen. Auch das Bettlaken habe er abgezogen und die Splitter der eingeschlagenen Terrassentür mitgenommen. „Hinter diesem Vorgehen steckte nichts Rituelles, nichts Sexuelles“, stellte Singelmann klar. Doch P.s DNA fand sich dennoch an der Leiche, an mehreren Stellen der Wohnung und an einem Schmuckkästchen. Weitere, nicht zuzuordnende DNA, erklärte das Gericht mit einer möglichen Fremdübertragung.

Die genetischen Spuren und zahlreiche andere Indizien überzeugten die Große Strafkammer letztlich von der Schuld des Angeklagten. Diese Indizien, so Singelmann, wurden nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrer Gesamtschau bewertet. „Nur so konnte sich der Kreis schließen.“ Oliver Dedow, Anwalt der Nebenkläger, bewertet das Urteil als zufriedenstellend: „Die Mordmerkmale waren vorhanden, er wurde wie erwartet verurteilt.“ Einzig auf die von der Staatsanwaltschaft geforderte Sicherheitsverwahrung verzichtete das Gericht. P. hatte sich der Untersuchung durch einen Gutachter verweigert. Ein Hang zur Begehung gefährlicher Straftaten sei am Ende nicht mit der genügenden Sicherheit erkennbar gewesen. Für die Angehörigen des Opfers ist das Urteil dennoch eine Erleichterung. „Weniger wäre schlimm gewesen“, sagte einer der beiden Brüder. „Wir hoffen nur, dass es keine Revision gibt. Dann geht das Ganze von vorne los.“ Genau das hatte die Verteidigerin von Rainer P. im Falle einer Verurteilung aber im Vorfeld angekündigt. Luisa Jacobsen

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