Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Reden und gemeinsam Lösungen suchen
Lokales Lübeck Reden und gemeinsam Lösungen suchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:18 06.02.2018
Das Team: Regina Giese (76), Manuela Göbel (66), Karina Fox (68), Rainer Frank (65), Kurt Hämmerling (81), Margrit Malich (76), Brigitte Miehe (76) und Ursula Bockholdt (75, v. l.) Quelle: Foto: Cosima Künzel
Lübeck

Die zehn Männer und Frauen sitzen in einem Stuhlkreis zusammen und räumen gleich zu Beginn mit einem häufigen Missverständnis auf. „Viele denken, unsere Beratung heißt, dass man hier sofort Ratschläge oder Lösungen bekommt“, sagt Rainer Frank (65). „Es heißt aber, dass wir uns mit den Menschen beraten und gemeinsam versuchen, die Probleme zu verstehen und Lösungen zu finden.“ Das gelte sowohl für Einzelpersonen als auch für die Paarberatung.

Wenn Frank auf seine jahrzehntelange Beratungstätigkeit zurückschaut, sieht er zunehmende Herausforderungen. „Gerade die Paarbeziehungen sind viel komplizierter geworden in den vergangenen Jahrzehnten.“ Das sieht auch Ursula Bockholdt. „In der Generation meiner Eltern hatten Frauen selten die Möglichkeit, sich zu trennen“, erzählt die 75-Jährige. „Heute sind Frauen viel selbstständiger, und die Paare müssen sich ganz anders auseinandersetzen.“ Gleichzeitig gebe es auch ein anderes Anspruchsdenken von beiden Seiten. Jeder suche die große Liebe, und der Partner soll der Glücksbringer sein. Das könne auf Dauer nicht funktionieren, so Bockholdt.

Wie eine Partnerschaft gelingen kann, darauf gebe es keine einfachen Antworten, betont die Gruppe. So wie jeder Mensch anders und jede Lebensgeschichte verschieden sei, so sei jedes Beziehungsgeflecht individuell.

Das betont auch Kurt Hämmerling (81), der über 40 Jahre dabei ist und – wie seine Kollegen – auf einen Schatz an Lebenserfahrungen zurückblicken kann. „Hilfreich kann sein, dass Paare gemeinsam etwas schaffen, Ziele haben, Rituale pflegen.“ Verändert habe sich im Laufe der Zeit auch die Klientel, sagt er. Noch in den 1980er Jahren seien etwa 30 Prozent Paare und 70 Prozent Einzelpersonen in die Beratungsstelle gekommen „Inzwischen sind es 80 Prozent Paare und 20 Prozent Einzelpersonen“, berichtet Hämmerling. Gewandelt habe sich in diesem Zusammenhang ebenso das Engagement der Männer. Früher hätten mehr Frauen die Initiative für ein Beratungsgespräch ergriffen. Heute werden auch Männer aktiv. „Und Männer können heutzutage auch sehr intensiv über ihre Gefühle reden.“

Auch wenn die Ehrenamtlichen keine Ratschläge und erst recht keine allgemeingültigen geben können und wollen, so gibt es doch Anregungen, die sich jeder in sein Notizbuch des Ehelebens schreiben kann. Brigitte Miehe beispielsweise hat drei Punkte. „Erstens: Zuhören. Zweitens: Zuhören. Drittens: Zuhören“, sagt sie lachend. Denn oft kämen Paare und beklagten, dass sie nicht mehr miteinander reden könnten. Aber beim Termin redeten beide die ganze Zeit. Mal der eine, mal der andere. Alle in der Gruppe nicken. „Was sie aber verlernt haben, ist das Zuhören“, ergänzt Frank.

Doch die Beratungsstelle hilft nicht nur Paaren. Es geht auch um Verlust, Trauer, Ängste oder Krisen an Bruchstellen des Lebens. Um Hilfe leisten zu können, haben alle im Team eine Ausbildung als Ehe- und Lebensberater absolviert. Außerdem nehmen die Ehrenamtlichen regelmäßig an Fortbildungen und Teamtreffen teil. Wichtig ist der Gruppe, dass es nicht darum geht, um jeden Preis die Beziehungen zu retten. Manchmal kommen die Paare auch zu der Erkenntnis, dass es besser ist, sich scheiden zu lassen.

Lösungen suchen

Die Ehrenamtlichen der Beratungsstelle an St. Aegidien (www.bpelf.de) bieten Gespräche an und suchen gemeinsam mit den Besuchern nach Lösungen. Die Treffen finden in der Regel einmal wöchentlich statt und dauern 50 bis 60 Minuten. Die Anzahl der Stunden ist abhängig von der Art der Probleme. Das Konzept basiert auf Spendenbasis, und der Kostenbeitrag kann nach persönlichen Möglichkeiten geleistet werden. Die Berater sind an ihre Schweigepflicht gebunden. Anmeldung unter Telefon 0451/705622.

Cosima Künzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In einer Kooperationsvereinbarung haben sich die Schule an der Wakenitz und die Firmengruppe Persohn auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt. Dadurch sollen die Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung der Schüler gestärkt und Nachwuchskräfte gefördert werden.

06.02.2018

Berufsbildende Schulen wie die Dorothea-Schlözer-Schule müssen gravierende Einschnitte in ihre Ausbildung vornehmen. Nur dann können Schüler eine finanzielle Förderung des Staates in Anspruch nehmen. Das hat Konsequenzen für die Schule, die Kitas und die Stadt.

06.02.2018

Die Nordkirche lädt am 24. Februar unter dem Motto „Himmelsblicker“ zu einer Konferenz für eine kinderfreundliche Kirche in den Dom ein.

06.02.2018
Anzeige