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Lübeck Reifeprüfung in Lübecks Kleingärten
Lokales Lübeck Reifeprüfung in Lübecks Kleingärten
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12:44 09.09.2013
Der fünfjährige David mag am liebsten Äpfel. Aber Pflaumen, Kürbis und Tomaten sind jetzt auch schön anzusehen. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Johann Eppienger (52) geht in seinen Garten und eine kleine Erinnerung an die russische Heimat blüht in seinem Herzen auf. Denn auf seinem Gemüsebeet wächst Rote Bete. „Über hundert Stück“, sagt der Mann, der im Südural an der Grenze zu Kasachstan geboren ist und die Suppe Borschtsch so liebt.

Neben dem roten Gemüse gehören für ihn ein großes Stück Eisbein, Kartoffeln, Weißkohl und Gewürze hinein. „In Russland ist es kalt, da muss man herzhaft essen“, sagt er, lacht rau und herzlich, und zieht eine Rote Bete aus der Erde. Doch selbst bei größter Leidenschaft für das Heimatessen können Johann und Gattin Galina (50) nicht die ganze Ernte alleine verspeisen. „Wir verschenken viele Knollen an die Nachbarn“, sagt der Lübecker, „die freuen sich sehr.“

Während der 52-Jährige erzählt und erntet, sammelt seine Frau kleine gelbe Blütenblätter von den Ringelblumen in einen Plastikbecher. „Die trockne ich, das wird Tee“, verrät sie. „Gut für die Leber.“

Die Blüten lässt sie auf der Fensterbank in der Sonne trocknen und gießt einen Teelöffel pro Tasse mit heißem Wasser auf. „Fünf Minuten ziehen lassen, lecker und alles Bio.“ Neben Tee und Suppenzutaten haben die Eppiengers auch noch anderes Gemüse und Obst im Kleingarten Am Bertramshof. Knoblauch liegt bereits im Korb, Himbeeren hängen noch vereinzelt und die Äpfel reifen noch.

Im Garten von Gert Gläsener haben Kohlrabi, Tomaten und Pflaumen gerade die Reifeprüfung bestanden. Jetzt kommen die Äpfel dran. Dank mehrerer Bäume kommt der 73-Jährige damit gut durch Herbst und Winter. „Die ersten Äpfel kommen bald in den Saft, im Oktober lagern wir den Boskop ein und zuletzt freuen wir uns auf den kleinen roten Winterapfel da drüben.“ Wie die Sorten alle heißen, das weiß

er nicht. „Ich bin ja kein Pomologe“, scherzt er, „aber sie schmecken. Ich knabber im Garten alles weg.“

Ebenso wie die kleinen Pfirsiche, deren Fruchtfleisch er flink mit einem Messer von dem Kern trennt. „Ein paar Tage müssen sie noch liegen, dann sind sie perfekt“, sagt der Mann, der gerne erntet und immer nette Leute zum Backen findet. „Ich gebe das Obst und bekomme dafür den Kuchen“, lacht Gläsener und wickelt Hefeteig mit Pflaumen aus der Alufolie. „Vielleicht kommen die Kleinen ja auch noch“, fügt der Vater von zwei erwachsenen Kindern und vierfache Großpapa noch hinzu. Seit über 100 Jahren ist der Kleingarten schon im Familienbesitz und wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Marcus Mesch (37) hat seinen Kleingarten erst seit zwei Wochen. „Wir konnten noch nicht so viel ernten“, sagt der dreifache Familienvater und freut sich daher über Tomaten, Pflaumen und Äpfel aus der Nachbarschaft. Einen kleinen Kürbis haben sie aber selber und bald auch ein paar Weintrauben. „Die müssen noch blau werden“, erklärt Tochter Karla und dreht die kleinen Früchte vorsichtig in den Händen. Wie sie schmecken, kann die Familie noch nicht sagen. „Wir haben uns aber sagen lassen, sie sollen sehr sauer sein“, sagt der Vater und wird wohl Saft daraus machen. Doch auch wenn es nicht viel zum Ernten gibt, hat die Familie genug zu tun. Auf dem Programm steht Papas Geburtstagsfeier mit Grillen, vielen Freunden, Wurst und den Tomaten vom netten Nachbarn.

Pflücken und Sammeln
Spätsommer ist die Zeit der Ernte: Jetzt sind Tomaten, Gurken, Zucchini, Äpfel, Pflaumen und vieles mehr in Hülle und Fülle vorhanden. Ein schönes Gefühl nach der Gartenarbeit und dem vielen Gießkannenschleppen in diesem Sommer. Manchen Äpfeln sieht man die Trockenheit jedoch an, sie sind klein und knubbelig. Und auch der Rasen hat arg gelitten. Trotzdem sind die letzten warmen Tage schön und eignen sich auch gut, um Zwiebeln und Knoblauch nach dem Herausziehen aus der Erde ein paar Tage auf dem Beet liegen zu lassen. Dann bekommen sie eine festere Schale.

Cosima Künzel

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