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Lübeck Rekordrabatte im Norden: Handel kämpft um die Kunden
Lokales Lübeck Rekordrabatte im Norden: Handel kämpft um die Kunden
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00:00 08.01.2013
Lübeck

Billig, billig, billig! In den Geschäften in Schleswig-Holstein tobt eine bisher so nie da gewesene Rabattschlacht. Kaufleute unterbieten sich gegenseitig mit Niedrigpreisen, Möbelhäuser locken mit Sonder-Aktionen oder Jubiläums-Angeboten, die Kunden Preisnachlässe von 1000 Euro und mehr versprechen, oder sogar der Chance auf ein neues Auto. Verkaufsoffene Sonntage sollen das Geschäft zu Jahresbeginn ankurbeln. Im Textilbereich wird Winterware lange vor Beginn des – inzwischen inoffiziellen – Winterschlussverkaufs verramscht. „So viel Ausverkauf gab’s nie“, sagt Monika Dürrer, Geschäftsführerin beim Einzelhandelsverband Nord in Kiel.

Was Schnäppchen-Jäger glücklich macht, nimmt für Händler teilweise ruinöse Formen an. „Es geht bei einigen an die Schmerzgrenze. Bei 50 Prozent Rabatt auf Ware ist zwar Umsatz zu machen, aber nichts mehr zu gewinnen“, sagt Dürrer. Sie spricht von einer „Kannibalisierung“ einzelner Branchen. „Wer zuerst zuckt, hat verloren.“ Wer mit kleinen Rabatten „tapfer dagegenhält“, nehme geringere Umsätze in Kauf.

Kommentar: Gut für die Kunden

Nach Einschätzung des Verbands kommen für die Dimension der diesjährigen Rabattschlacht mehrere Faktoren zusammen. Das Weihnachtsgeschäft sei schleppender gelaufen als angesichts der deutschen Konsumlust erwartet. Deshalb gehe man von einem Nachholbedarf der Konsumenten aus. Gleichzeitig seien die Läger angesichts des bisher ausgebliebenen Winters gerade bei warmer Bekleidung gefüllter als gewünscht, müssten für neue Ware aber dringend geräumt werden. Obendrein sei der Kunde seit Fall des Rabattgesetzes immer weiter verwöhnt worden. Er warte nur darauf, im Januar preiswert shoppen zu können. „Mit 10 Prozent Nachlass können wir keinem Kunden mehr imponieren“, bedauert Dürrer. Die Rabatt-Spirale drehe sich von Jahr zu Jahr schneller. Ob Kiel oder Lübeck: „Man sieht vor lauter Sale die Ware nicht.“

Der Kampf um den Kunden werde immer härter, bestätigt Gunnar George. Der Geschäftsführer von Möbel Kraft in Bad Segeberg nennt das Geschäft „brutal“. Er zählt derzeit täglich zwischen 10 000 und 15 000 Kunden in seinem Haus. Als zusätzliches Lockmittel dient die Verlosung einer A-Klasse von Mercedes in allen Kraft-Häusern. Höffner in Barsbüttel (Kreis Stormarn) hält mit der Verlosung eines Mercedes SLK „im Wert von über 50 000 Euro“ dagegen.

Andreas Joslyn, Sprecher für den Einzelhandel im Lübeck-Management, erwartet für die kommenden Wochen noch stärkere Preisnachlässe, „obwohl der Rotstift diesmal von einigen Geschäftsleuten schon sehr früh im Dezember gezückt wurde“. Die größten Schnäppchen sind laut Joslyn derzeit beim Kauf von Schuhen sowie Damen- und Herrenoberbekleidung zu machen. Die Ware gehe bis auf den halben Preis reduziert über die Ladentheken.

Curd Tönnemann

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