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Lübeck Rettet die Possehl-Stiftung das Kopfsteinpflaster am Koberg?
Lokales Lübeck Rettet die Possehl-Stiftung das Kopfsteinpflaster am Koberg?
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21:52 25.04.2016
Asphalt oder Kopfsteinpflaster? Seit 1860 ist der Koberg gepflastert, in den 50er Jahren wurde er zum asphaltierten Verkehrsplatz. 1994 hat die Possehl-Stiftung die Umgestaltung des Platzes bezahlt — und seither ist der Koberg wieder mit Kopfsteinpflaster versehen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Behält der Koberg sein Kopfsteinpflaster doch noch? Die Possehl-Stiftung hat der Stadt ihre Hilfe angeboten — und würde die Mehrkosten für eine Pflasterung der Straße entlang des Kobergs bezahlen. „Wir würden einen Antrag der Stadt wohlwollend prüfen“, erklärt Stiftungschef Max Schön auf LN-Anfrage. Die Possehl-Stiftung würde der Stadt damit aus der Patsche helfen. Denn die Debatte über Asphalt oder Kopfsteinpflaster auf dem Koberg erhitzt die Gemüter in der Hansestadt.

„Ich freue mich über dieses Angebot“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Die Stadt werde in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie einen Antrag auf Förderung bei der Stiftung stellt. „Dabei sind die Vor- und Nachteile beider Lösungen abzuwägen“, sagt Saxe. Heute will er den Hauptausschuss informieren. Die Zeit drängt: Die Bauverwaltung will die Straße am Koberg in diesem Sommer asphaltieren.

Das Ganze ist so gut wie beschlossen. Der Bauausschuss hat dem vor einer Woche zugestimmt. Jetzt soll die Bürgerschaft am Donnerstag endgültig entscheiden.

Der Hintergrund: Die Stadt will Flüsterasphalt am Koberg verbauen. Das soll den Lärm reduzieren und die Erschütterungen für die angrenzenden Gebäude. Allerdings: Es gibt Widerstand. Das Architekturforum, die Bürgerinitiative Rettet Lübeck und auch Politiker plädieren für Kopfsteinpflaster auf dem Koberg. „Die Gestaltung mit Asphalt ist nicht so befriedigend — aber aus wirtschaftlichen Gründen ist Pflaster nicht zu empfehlen“, sagt selbst Stefan Klotz, Bereichsleiter Verkehr.

Die Zahlen: Geschnittenes Pflaster kostet 700000 Euro, Asphalt 510000 Euro. Doch da hat die Possehl-Stiftung Hilfe angeboten und würde die 200 000 Euro extra bezahlen. Aber: Die Liste der Nachteile von geschnittenem Pflaster, die die Bauverwaltung präsentiert, ist lang. Das Verlegen dauere 93 Tage und bedeute 60 Tage Vollsperrung, im Gegensatz zu Asphalt mit 40 Tagen und 28 Tagen Vollsperrung. Die Haltbarkeit sei miserabel: Die Lebensdauer betrage zehn Jahre, die Kosten auf den Lebenszyklus berechnet lägen bei mehr als 1,1 Millionen Euro. Dagegen habe Asphalt eine Lebensdauer von 15 Jahren, die Kosten auf den Lebenszyklus bezogen betragen 347000 Euro.

Widerspruch kommt indes von Fachleuten. „Bei richtiger Ausführung haben Pflasterbeläge eine Lebensdauer von 50 Jahren“, erklärt Reiner Krug, Geschäftsführer des Deutschen Naturstein-Verbandes. „Der Stein ist nicht schuld“, sagt auch Steinmetz Stefan Wolf, Geschäftsleitung vom Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf.

Das Argument der Stadt ziehe nicht. „Es kommt auf den richtigen Untergrund an — das ist das Entscheidende.“ Der sei aber beim Koberg nicht ordentlich gemacht worden. Seine Firma hat 2002 die Fleischhauerstraße gepflastert — das ist nun 14 Jahre her. Dafür wurden die alten Kopfsteinpflastersteine der Straße verwendet, abgeschnitten und wieder verlegt. Geschnittenes Pflaster würde zudem zu weniger Lärm, Erschütterungen und Staub führen, so Wolf.

„Ein Stück Authentizität der Altstadt soll verloren gehen“, beklagt Pirat Detlev Stolzenberg. Er kritisiert: „Der einmalige mittelalterliche Koberg bekommt eine schwerlasttaugliche Asphaltpiste.“

Dabei sei es ein Leichtes, den Schwerlastverkehr aus der Altstadt zu verbannen, so Stolzenberg. Damit übernimmt er die Forderung des Architekturforums. „Das ist alles halbherzig“, argumentiert Bruno Böhm, Freie Wähler. Er fordert: „Platz und Fahrbahn müssen ein Bild ergeben und dürfen nicht — wie es jetzt geplant ist — künftig wie ein Flickwerk aussehen.“

Unterschriften-Sammlung

25. Juli bis 13. August — in dieser Zeit wird der Abschnitt Engelsgrube bis zur Königstraße erneuert, vom 14. August bis 10. September die Königstraße bis Penny. Zeitweise wird die Straße voll gesperrt. Am 10./11. September wird der Abschnitt Große Burgstraße asphaltiert, am 17./18.September Breite Straße bis Beckergrube.

Alarm schlagen die Frauen- und Sozialverbände, die den Senioren-Treff am Koberg 11 betreiben. Monatlich kommen 800 bis 900 Senioren. „Wir fordern, dass der Platz Koberg provisorisch Ersatzstraße wird und die Busse nicht umgeleitet werden.“ Dafür sammeln sie Unterschriften im Senioren- Treff und in den Geschäften in der Großen Burgstraße.

Von Josephine von Zastrow

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