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Lübeck Richtfest im Papageienviertel
Lokales Lübeck Richtfest im Papageienviertel
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17:45 22.06.2017
Der Polier Michael Kruse (M.) bringt den Richtspruch aus, flankiert von Torsten Rohwedder (l.) und Mighel Kuhn. Für den Rohbau ist die Schütt-Gruppe verantwortlich. Die Häuser werden voraussichtlich Anfang 2018 bezugsfertig sein. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

Vor mehr als 60 Jahren schuf die „Neue Heimat“ die Papageiensiedlung mit Wohnungen für Tausende von Menschen. Jetzt führt die Wohnungsbaugesellschaft „Trave“ die Tradition fort. Eines ihrer größten aktuellen Projekte hat gestern an der Stettiner Straße Richtfest gefeiert. Es entstehen drei Häuser mit zusammen 94 Wohnungen, davon 36 Sozialwohnungen. Die „Trave investiert dafür 14,5 Millionen Euro. Ein Projekt derselben Größenordnung hatte vor drei Wochen in Moisling Richtfest.

Die Siedlung

Der Architekt Ernst May plante in den 50er Jahren ein neues Stadtviertel mit 776 Wohnungen und 150 Eigenheimen in St. Lorenz Süd.

Den Namen „Papageiensiedlung“ bekam es wegen der bunten Fassaden. Eine Papageienskulptur, die jahrelang eingelagert war, wird jetzt bei den Neubauten wieder aufgestellt.

Ein Sozialwohnungsanteil von 40 Prozent, wie er in diesem Projekt verwirklicht ist, sei ideal, sagte Matthias Rasch, Geschäftsführer der „Trave“. Es gebe schon jetzt eine rege Nachfrage für die Neubauten, vor allem für die seniorengerechten Wohnungen. Viele der Interessenten seien Bewohner der älteren „Trave“-Häuser im Viertel. „Der Standort hat in den letzten Jahren eine erfreuliche Aufwertung erfahren.“ Er lobte das städtebauliche Konzept aus den 50er Jahren: „Es ist ein lebendiges, baulich, ökonomisch und sozial gemischtes Quartier, wie Stadtplaner es sich nicht besser ausdenken können.“

Dort, wo jetzt die Neubauten entstehen, standen bis 2011, fächerförmig zur Straße ausgerichtet, sieben Häuser mit 168 Wohnungen – auf einer geringeren Gesamtfläche als die 94 Wohnungen, die jetzt gebaut werden. Viele davon waren nur 20 Quadratmeter groß. 2011 wurden die Häuser abgerissen, um Platz für Wohnungen zu machen, die dem heutigen Bedarf entsprechen. Für den Architekten Uwe Ellinghaus, der mit seinem Partner Klaus Mai die Häuser entworfen hat, sind die Neubauten eine Art Heilung für das Viertel: „Der Charakter der Siedlung war im Kern gestört“, sagte er mit Bezug auf den Abriss. Die neuen Häuser haben die Form von Bumerangs: Ein Teil steht jeweils schräg zur Straße wie die Häuser aus den 50er Jahren auf der anderen Straßenseite, ein Teil folgt dem Verlauf der Straße.

Die Arbeiten führt die Schütt-Gruppe aus. Die Wohnungen werden zwischen 42 und 85 Quadratmeter groß sein und anderthalb bis vier Zimmer haben. Die Miete für die Sozialwohnungen wird 5,80 Euro pro Quadratmeter betragen, für die frei finanzierten Wohnungen um die neun Euro.

Dass es so lange gedauert hat, neue Häuser zu bauen, erklärte „Trave“-Chef Rasch unter anderem mit der langen Planungszeit und Erschließungsarbeiten.

Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der seit 2000 im Amt ist, klagte in seiner Ansprache über das aus seiner Sicht zu komplizierte Baurecht. „Als ich anfing, dauerte ein Bebauungsplan neun bis zwölf Monate. Jetzt dauert er 18 bis 24 Monate.“ Ursache seien die verlängerten Fristen und die Vielzahl der erforderlichen Gutachten. Er forderte die neue Landesregierung auf, die Planungsverfahren für den Wohnungsbau zu verschlanken – und nicht nur, wie es geplant sei, für Gewerbebauten. „Das finde ich, gelinde gesagt, ziemlich unsinnig.“

 Hanno Kabel

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