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Lübeck Richtig oder falsch? Hohe UKSH-Parkgebühren umstritten
Lokales Lübeck Richtig oder falsch? Hohe UKSH-Parkgebühren umstritten
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17:49 18.10.2016
Nach der Schranke kann es teuer werden: Wer auf den Campus des UKSH fährt, muss kräftig zahlen, wenn er länger als 20 Minuten bleibt. Schilder weisen Besucher darauf hin, dass sie das günstigere Parkhaus nutzen sollen, das allerdings einen kleinen Fußweg entfernt liegt. Quelle: Maxwitat

Contra: Unfreundlich, unpraktisch und unflexibel!

Die Wucher-Parkgebühren auf dem Gelände des UKSH sind nichts als eine dreiste Erziehungsmaßnahme. Die Patienten sollen gefälligst lernen, im neuen Parkhaus zu parken. Dabei ist es das UKSH, das lernen muss. Denn die neuen Parkregeln sind einfach patientenunfreundlich, unpraktikabel und unflexibel.

Sven Wehde argumentiert gegen die Parkgebühren.

Ein einfaches Beispiel: Eine Kollegin muss regelmäßig mit ihrer an Demenz erkrankten, 90 Jahre alten Mutter in die Klinik. Die Mutter ist nicht mehr in der Lage, den Weg vom Parkhaus zur Untersuchung zurückzulegen. Die Kollegin kann sie aber auch nicht einfach vor der Klinik absetzen. Und es gibt auch niemanden in der Klinik, der mal eben Zeit und Lust hat, die verwirrte Dame zu betreuen, bis die Kollegin das Auto ins Parkhaus gebracht hat.

Die Kollegin hat also überhaupt keine Chance, müsste eigentlich immer noch einen extra Betreuer mitnehmen. Zweites Beispiel: Das neunjährige Kind stürzt, hat einen Bänderriss. Kein Fall für den Rettungswagen, aber für eine Fahrt in die Notaufnahme. Auch das weinende Kind kann man nicht alleine in der Klinik stehen lassen und dann umparken. Also muss man die ganze Strecke vom Parkhaus zurücklegen, doch das Kind kann nicht laufen – und für den Buggy ist es zu groß, zum Tragen aber zu schwer. Was nun?

Dabei lassen sich mit gutem Willen auch einfache Lösungen finden: So ist es unsinnig auch nachts, wenn genug Parkraum auf dem Gelände zur Verfügung steht, Patienten ins Parkhaus zu zwingen. Also kann die Gebührenpflicht ab 22 Uhr aufgehoben werden. Tagsüber ist jeder Patient verpflichtet, das Parkhaus zu nutzen, wenn er dazu gesundheitlich in der Lage ist, Besucher sowieso. Für Notfälle oder Fälle wie eben beschrieben werden Parkplätze auf dem Gelände bereitgehalten.

Und wie verhindert man jetzt den Missbrauch? Ganz einfach: Wer als Notfall reingefahren ist und nun umsonst wieder rausfahren will, muss sich vom Klinikpersonal eine Ausfahrkarte für die Schranke aushändigen lassen. Und die gibt es eben nur in begründeten Fällen. Wer einfach nur die Oma besuchen wollte und zu faul war, ins Parkhaus zu fahren, kriegt keine – sondern wird zur Kasse gebeten, dann auch gern mit fünf Euro die Stunde. Als Abschreckung!

Pro: Ein Krankenhaus ist kein Parkplatz

Das Universitätsklinikum ist ein Krankenhaus und kein Parkplatz. Jahrelang herrschte akuter und heftiger Stellplatzmangel vor dem Klinikum – Bürgersteige, Ausfahrten und Grünstreifen wurden in Beschlag genommen. Nun gibt es ein Parkhaus mit 633 freien Plätzen und immernoch kann man es nicht jedem recht machen. Es ist eine unendliche Geschichte: Das UKSH möchte möglichst wenige Fahrzeuge auf dem Campus, auf dem sich Studenten, Kranke und Besucher aufhalten – der Lübecker möchte günstig und komfortabel parken und Angehörige besuchen. Und das Thema birgt emotionalen Zündstoff, denn im schlimmsten Fall geht es bei den Patienten um Schwerkranke oder Sterbende.

Tomma Petersen argumentiert für die Parkgebühren.

Grundsätzlich kann jeder Mensch, der zwei gesunde Beine hat, die Strecke vom Parkhaus zum Ziel laufen. Mit 1,50 Euro die Stunde liegt der Preis außerdem völlig im Rahmen. Wer also einen Verwandten oder lieben Menschen besuchen möchte, muss in dem dazu vorgesehenen Parkhaus parken. Ja, es ist unbequem die Strecke von der Ratzeburger Allee bis zum Ziel zu laufen, aber es handelt sich hier noch um eine Übergangsphase. Wenn der Klinikneubau samt Zentralaufnahme 2018 eröffnet wird, wandert auch der Haupteingang des UKSH an die Ratzeburger Allee – nur einen Steinwurf vom Parkhaus entfernt. Bis dahin kann es schwierig werden.

Auch das beliebte Notfall-Argument kann hier nicht gelten, denn ein Notfall gehört in den Rettungswagen. Ja, ein Notfallparkplatz direkt vor der Aufnahme oder dem Notdienst wäre zum Beispiel für Eltern mit kleinen Kindern schön, aber wer soll überprüfen, ob es sich wirklich um einen Notfall handelt – der Pförtner? Rollstühle im Parkhaus zur Verfügung zu stellen, könnte hier Erleichterung verschaffen. Wer im Besitz eines Schwerbehindertenausweises ist, darf umsonst auf dem Gelände parken – auch wenn derjenige gefahren wird. Und das Universitätsklinikum eröffnet im Januar eine Blutspendezentrale im Citti-Park, wo es kostenfreie Parkplätze gibt.

Am Ende des Tages steht nur eine begrenzte Fläche für Stellplätze zur Verfügung. Eine Ausnahme nach der nächsten ist kein praktikabler Ansatz.

Von Tomma Petersen

 

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