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Lübeck Richtige Jobs für Langzeitarbeitslose
Lokales Lübeck Richtige Jobs für Langzeitarbeitslose
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09:18 17.02.2016
Quelle: dpa

Zurück in die Zukunft: Die Stadt soll wieder eine kommunale Beschäftigungsgesellschaft betreiben. Das fordert die SPD in einem Antrag für die nächste Bürgerschaft Ende Februar. Vor zwölf Jahren wurde die damalige Beschäftigungsgesellschaft „Gab“ abgewickelt. Hartz IV machte der kommunalen Gesellschaft, die 82 feste Mitarbeiter und 1000 Langzeitarbeitslose beschäftigte, den Garaus.

„In Teilen wollen wir die Rückkehr der ,Gab‘“, bestätigt SPD- Fraktionschef Jan Lindenau. Allerdings soll dazu keine neue Gesellschaft gegründet, sondern die bestehende Berufsausbildungs- und Qualifizierungsgesellschaft BQL erweitert werden. Lindenau: „Wir brauchen neben der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen auch Arbeitsplätze für diese Menschen.“ Die in den letzten Jahren aufgelegten Förderprogramme würden keine dauerhaften Erfolge erzielen.

Das bestätigt Sozialsenator Sven Schindler (SPD). „Projekte wie die Bürgerarbeit sind ein Tropfen auf den heißen Stein“, weiß der Senator, „eine kommunale Beschäftigungsgesellschaft macht Sinn.“

Schindler geht es neben den Langzeitarbeitslosen auch um Flüchtlinge. Der SPD-Politiker: „Die Asylsuchenden können nach drei Monaten Arbeit aufnehmen und wir sollten dann Angebote machen können.

Nichts ist schlimmer, als dass Menschen sich langweilen.“ Schindler weist allerdings darauf hin, dass die Stadt für eine Beschäftigungsgesellschaft Geld in die Hand nehmen muss. Zur Bürgerarbeit schoss die Hansestadt 1,3 Millionen Euro zu.

Die BQL-Spitze hat schon vor zwei Jahren einen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt für Lübeck gefordert. „Der Anteil von Langzeitarbeitslosen ist seit Jahren konstant hoch“, erklärt Michael Mühleis, einer der beiden Geschäftsführer. Im Oktober 2014 legte die BQL der Politik ein Konzept vor. Anders als die „Gab“ sollte die neue Beschäftigungsgesellschaft schlanker sein — keine großen Büroflächen und Werkstätten, sondern Vermittlung von Dauererwerbslosen dorthin, wo die Arbeit anfällt. Mühleis: „Das kam gut an. Aber die Beschäftigung kostet mehr Geld als die Arbeitslosigkeit von Menschen.“

Damit war das Thema erledigt.

4233 Langzeitarbeitslose zählten Arbeitsagentur und Jobcenter im Januar. Joachim Tag, Geschäftsführer des Jobcenters: „Das sind 38 Prozent aller Arbeitslosen in Lübeck.“ Ende 2015 hat das Jobcenter ein neues Programm für die Betroffenen gestartet — finanziert vom Bund und der Europäischen Union. 3,2 Millionen Euro erhält die Behörde, um damit 100 Dauererwerbslose wieder in Lohn und Brot zu bringen. „Es ist richtig, Arbeitsplätze auf dem zweiten Arbeitsmarkt vorzuhalten“, sagt Joachim Tag.

Die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck (IHK) ist dagegen skeptisch. „Den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit mit einer Beschäftigungsgesellschaft halten wir in Zeiten sinkender Arbeitslosenquoten für nicht erforderlich“, erklärt Martin Krause, der IHK-Arbeitsmarktexperte. Die IHK sieht keine entscheidenden Vorteile. Im Gegenteil. Krause: „Wir befürchten Gefahren für den ersten Arbeitsmarkt:

Langzeitarbeitslose werden häufig in Bereichen aktiv, die schon durch bestehende Unternehmen abgedeckt werden.“ Dadurch würden Aufträge der Kommunen an Gewerbebetrieb ausbleiben.

„Gab“ und BQL

1992 bis 2004 gab es die Gemeinnützige Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (Gab). Sie zählte zuletzt 82 feste Mitarbeiter und rund 1000 Teilnehmer in Büros und Werkstätten.

2004 wurde die Berufsausbildungs- und Qualifizierungsagentur (BQL) gegründet, die gemeinsam von der Vorwerker Diakonie und der Stadt getragen wird. Das Stammpersonal zählt 55 Beschäftigte, die Zahl der Teilnehmer schwankt stark.

Kai Dordowsky

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