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Lübeck Riesiges Riesenrad: Höhenflug am Meer
Lokales Lübeck Riesiges Riesenrad: Höhenflug am Meer
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16:35 15.04.2017
Quelle: Olaf Malzahn
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Riesiges Riesenrad: Höhenflug in Travemünde

Die Haare wehen, der Wind bläst um die Ohren, der Blick schweift bis zum Horizont. Schweben in einer Gondel, 60 Meter über der Trave – für sechs Euro ist dieser Höhenflug zu haben. An der Travepromenade im lübschen Seebad. Fünf, sechs Mal geht es hoch und runter – sieben Minuten lang. Dann endet jäh das Freiheitsgefühl in luftiger Höhe und die Füße stehen auf festem Grund.

 

Dazwischen: Ausblick, Ausblick, Ausblick. Auf das Meer – bis es Blau in Blau mit dem Himmel verschmilzt. Auf den Priwall, der von oben als Halbinsel zu erkennen ist. Auf das Maritim in Timmendorfer Strand, das in der nächsten Bucht liegt. Auf den Kirchturm in der Altstadt Travemündes. Und auf den Skandinavienkai, an dem ein dicker Pott festgemacht hat.

„Es ist schon super“, sagt Michael Reich aus Bielefeld, der mit seiner Familie Osterurlaub in Pötenitz macht. Er hält seine kleine Tochter Julia fest, während sie auf seinen Knien steht. So kann sie hinaus spähen über die Gondel. Das rechteckige Luftbötchen ist weiß angemalt und mit zwei roten Bänken versehen. Das Riesenrad macht eher den Eindruck einer stilvollen Attraktion, als den eines Überbleibsels einer bunten Rummel-Glitzerwelt. Eine Attraktion ist es auch: Denn das riesige Riesenrad ist eines der weltweit größten seiner Art. Es ist exakt 59,76 Meter hoch. Wenn alle 42 Gondeln mit zehn Leuten besetzt sind, dann können 420 Menschen im Rund des Rades transportiert werden. „Theoretisch können bis zu 3000 Menschen in einer Stunde damit fahren“, sagt Theo Rosenzweig. Ihm gehört das Riesenrad, benannt ist es nach seinem Großvater, der Steiger hieß. 1980 wurde es in Bremen gebaut – und wiegt 420 Tonnen. Transportiert wird es mit 32 Lastwagen. Sechs Mann bauen es mehrere Tage lang auf. Dann kommt der Tüv, Abteilung Fliegende Bauten. Ist alles korrekt aufgebaut, alles sicher montiert, stimmt die Statik? Jedes Mal wird kontrolliert, wenn Rosenzweig das Riesenrad aufbaut. Außerdem ist alle zwei Jahre sowieso Tüv. Das Rad hat ein Baubuch – ein Scheckheft wie beim Auto. Umfallen kann das Riesenrad nicht. Doch spätestens ab Windstärke acht schließt Rosenzweig sein Fahrgeschäft. Nur ein einziges mal hat er vorsichtshalbte die Gondeln entfernt – das war vor mehr als zehn Jahren auf dem Bremen. Damals wurde der komplett Fischmarkt geschlossen, weil der Wind nicht nachlassen wollte.

Zwölf Elektromotoren bewegen das Gerät – mit je zehn Kilowatt. Es zieht langsam seine immer gleiche Bahn. Im Mittelpunkt ist ein riesiger roter Punkt, von dort gehen die Streben nach außen. Daran sind 250 00 LED-Birnen befestigt. Aber sie leuchten nicht. Nicht am Tag und auch nicht in der Nacht. „Wegen der Schifffahrt“, erklärt Rosenzweig. Damit die Kapitäne nicht irritiert werden, wurde das Leuchten des Riesenrads in Travemünde untersagt.

Das ist in Bremen, Oldenburg Hamburg, Berlin anders. Das sind die Städte, in denen Rosenzweig das Rad aufbaut. Früher ist er durch die Republik gereist. „Aber die Transportkosten sind zu hoch“, sagt er. Daher hat er den Radius des Riesenrades auf den Norden begrenzt. Und wieso Travemünde? „Wir wollten schon vor zehn Jahren kommen“, sagt Rosenzweig. Damals fand er aber nicht den richtigen Ansprechpartner. Das war dieses Mal anders. Jetzt ist er hier – ein Test. Bevor es auf den Dom nach Hamburg geht. Aber Rosenzweig würde gerne wiederkommen. „Wenn es für alle Seiten gut läuft.“

Bis einschließlich 22. Juni bleibt das Riesenrad in Travemünde. Geöffnet ist von 11 bis 21 Uhr. Eine Fahrt kostet sechs Euro für Erwachsene und 3,50 Euro für Kinder bis zehn Jahre.

Von Josephine von Zastrow

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