Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck „Ritter Giftmolch“ wohnt jetzt in der Sonnenburg
Lokales Lübeck „Ritter Giftmolch“ wohnt jetzt in der Sonnenburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:27 11.11.2014
Kurt-Henning Marten (v. l.), Dr. Karlheinz de Buhr und Bernd Wachsen sind die Oberschlaraffen. Quelle: Fotos: Jacob
St. Gertrud

Sie begrüßen sich mit einem herzlichen „Lulu“, pflegen Freundschaft und Kunst, vor allem aber den Humor. 55 gestandene Lübecker Herren bilden die „Schlaraffia Lubeca“, ein munterer Männerbund, der sich jeden Freitag zur gemeinsamen „Sippung“ trifft. Getagt wird in der „Burg“, dem Vereinsheim der Schlaraffen. Und das ist seit wenigen Wochen die ehemalige neuapostolische Kirche im Diamantweg 1 in der Edelsteinsiedlung in St. Gertrud, die jetzt den Namen „Sonnenburg“ trägt.

„Wir haben lange gesucht, das passende Haus zu finden“, sagt Bernd Wachsen. Wobei das nur sein profaner Name im gewöhnlichen Leben ist. Bei den Schlaraffen ist Wachsen der „Ritter Giftmolch der geheime Barbiturrat“, der zusammen mit dem Lübecker Arzt Karlheinz de Buhr, genannt „Ritter Ten-Ass, der Schnellstichler“, und „Posivit, das Stehaufmännchen“ alias Kurt-Henning Marten die Oberschlaraffen bildet. Sie leiteten jetzt die 3315. Sippung in dem entweihten Gotteshaus. Nur die Beleuchtung ist den Herren noch zu grell. Die Schlaraffen lieben Gemütlichkeit, deshalb sind Kerzen angezündet. Eine davon brennt zu Ehren verstorbener Schlaraffen.

Im Januar wollen die Männer, die das jahrhundertealte, weltweite schlaraffische Spiel spielen, bei einem Tag der offenen Tür die Nachbarn einladen. „Wir sind keine Sekte“, sagt Oberschlaraffe Wachsen, „wir möchten den Anwohnern zeigen, was wir hier so alles machen.“ Und das ist wahrlich amüsant: Nachdem schlaraffische Ritter aus anderen „Reychen“ einmarschieren, genauer „einreiten“, wird erstmal kräftig gesungen, erklingt die Fanfare, und dann wird ausgiebig gegessen („geatzt“) und getrunken („gelabt“). Die eigentliche Zeremonie beginnt. Die Regeln erkärt der Zeremonienmeister. Hält einer der schlaraffischen Würdenträger den hölzernen Uhu — das Wappentier der Schlaraffen — in der Hand, dann ist der Oberschlaraffe unfehlbar. Ihm zu widersprechen verheißt nichts Gutes. Auch ein Käfig steht für Ungehorsam bereit. Nacheinander bieten die Ritter ihre Beiträge auf. Während einer mit der von Sidney Bechet komponierten „Petit fleur“ auf dem Saxophon brilliert, greifen andere Schlaraffen in die Trickkiste der Gedichte.

Helmut Hiltrop, einer der Ehrenritter der Lübecker Schlaraffen, ist aus einem benachbarten Reich angereist. Als „Ritter Wollte-nich“ erklärt er den Pilgern und Knappen die Regeln des Abends. Seinen schlaraffischen Namen trägt Hiltrop deshalb, weil er erst zögerte, sich der Vereinigung anzuschließen. „Ich habe das aber nie bereut“, beschwört der Schlaraffe, dessen Rittermantel kaum noch eine freien Stelle für Erinnerungs- und Auszeichnungsplaketten frei hat. „Es ist so schön, das profane Leben für ein paar vergnügliche Stunden abzulegen, schöne Freundschaften zu pflegen — und so oft es geht „auszureiten“.

Berühmte Schlaraffen

1859 wurde die Männergilde zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor in Prag gegründet.


Berühmte Schlaraffen waren der Begründer der gleichnamigen Lübecker Werke, Heinrich Dräger, Schauspieler Henry Vahl, Goethe, Schiller, Heinz Erhardt und Franz Lehár. Ehrenschlaraffen waren Thomas Mann und Emanuel Geibel. Weltweit wird in deutscher Sprache „gefechst“, heißt: getagt.

Rüdiger Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit einer Gedenktafel soll zwei französischen Widerstandskämpferinnen gedacht werden.

11.11.2014

Der Verein Landwege bietet auf dem Ringstedtenhof Unterricht für Schulklassen an.

11.11.2014

Die Justiz hat ihr Ermittlungsverfahren gegen sechs Salafisten zum Abschluss gebracht, die sich wegen Hausfriedensbruch verantworten mussten.

11.11.2014