Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Roeckstraße: Radfahrer auf die Straße
Lokales Lübeck Roeckstraße: Radfahrer auf die Straße
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 29.10.2018
Zu schmal, zu kaputt, zu gefährlich: Der Radweg an der Roeckstraße in Richtung Marli müsste gesperrt werden. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Seit Jahren beißen sich Stadt- und Verkehrsplaner an der 800 Meter langen und knapp 24 Meter breiten Straße, die vom Gustav-Radbruch-Platz abgeht, die Zähne aus. Die Radwege sind zu schmal, Baumwurzeln haben sie geschädigt, sie verlaufen zum Teil auf einem Hochbord. Der Bereich Straßenbau und Verkehr hat jetzt auf einer Sitzung des Runden Tisches Radverkehr erklärt, „dass der Radweg auf der Südseite stadtauswärts nicht mehr sicher sei und umgehend gesperrt werden müsste“.

Stadt- und Verkehrsplaner haben zahlreiche Varianten zur Sanierung oder Verlagerung der Radwege geprüft und immer wieder verworfen. Verkehrsplaner Nils Weiland legte beim jüngsten Anlauf 19 Varianten vor. Schulen, Polizei, Stadtverkehr, Fahrradclub ADFC und städtische Behörden schauten darauf. Fünf Vorschläge kamen in den Runden Tisch Radverkehr. Der empfiehlt mehrheitlich, die Radfahrer künftig auf die Fahrbahn zu schicken und Tempo 30 anzuordnen. Betroffen sind täglich 4000 Radfahrer.

Das wurde 2016 schon einmal diskutiert, stieß aber im Bauausschuss auf breite Ablehnung. Die Politiker fürchteten um die Sicherheit der Radfahrer. Auch der Stadtverkehr, der mit sechs Linien Schlutup, Marli und St. Gertrud an die Innenstadt anbindet, ist dagegen. Carolin Höhnke, Leiterin der Verkehrsplanung: „Die Einführung von Tempo 30 in der Roeckstraße würde für viele Fahrgäste eine Verlängerung der Reisezeit bedeuten und damit den ÖPNV unattraktiver machen.“ Zudem sei das Radfahren auf der Hauptverkehrsstraße wegen vieler Autos und Busse gefährlich. Höhnke: „Gerade in den Stoßzeiten sind viele Schülerinnen und Schüler unterwegs, so dass das Überholen aufgrund der Verkehrsmenge nur schwer möglich sein wird.“

SPD und GAL haben die Verlagerung der Radler auf die Straße als Verkehrsversuch beantragt. Am 5. November tagt der Bauausschuss wieder, befasst sich mit einem Verwaltungsbericht „Fahrradfreundliches Lübeck“ und Anträgen von fünf Fraktionen.

Der Runde Tisch Radverkehr empfiehlt Schutzstreifen für Radfahrer auf der Puppenbrücke in Richtung Lindenteller. Quelle: Tim Jelonnek

Der Runde Tisch Radweg, an dem auch die Verkehrspolitiker der Rathausfraktionen sitzen, will auch die Sicherheit für Radler auf der Puppenbrücke erhöhen. Stadtauswärts Richtung Lindenteller soll es Schutzstreifen geben. Am rechten Fahrbahnrand für die Fahrradfahrer, die zur Fackenburger Allee wollen. Und auf der mittleren Fahrbahn für die, die über den Teller wollen. Konsequenz: Eine Fahrbahn für Autos würde wegfallen. In der Verwaltung wird darüber intern noch debattiert.

Mindestens zwei Millionen Euro im Jahr

SPD, CDU, Grüne, Unabhängige, Linke und GAL wollen mit diversen Anträgen Lübeck endlich zu einer Fahrradstadt machen. 25 Prozent aller Wege sollen künftig mit dem Rad zurückgelegt werden – derzeit sind es 20 Prozent. Die Zahl der Radverkehrsunfälle (2017 in Lübeck: 553, nur Pinneberg hatte mehr) soll halbiert werden. An Baustellen soll es für Radfahrer eigene Umleitungen und an Kreuzungen eigene Ampeln geben. Für die Instandhaltung, Sanierung und den Neubau von Radwegen soll die Verwaltung mehr Personal und ein verbindliches jährliches Budget von mindestens zwei Millionen Euro erhalten. Der Runde Tisch Radverkehr fordert sogar drei Millionen Euro jährlich. 2018 standen knapp 1,3 Millionen zur Verfügung, 2019 sind bislang knapp 1,2 Millionen Euro geplant.

Unterdessen hat die Metropolregion Hamburg die Machbarkeitsstudien für Radschnellwege in Auftrag gegeben. Die Planungsbüros Urbanus (Lübeck) und PGV (Hannover) planen den Weg von Bad Schwartau über Innenstadt nach Groß Grönau. Zwischenergebnisse liegen in der zweiten Hälfte 2019 vor, Baubeginn wird frühestens Ende 2021 sein.

Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lübeck Historische Verkehrsregeln - Als die Radfahrer zahlen mussten

Hell tönende Glocke, hell brennende Laterne und zwei Nummernschilder – so mussten Fahrräder 1899 in Lübeck ausgestattet sein. Zur Unterhaltung der Radwege mussten die Radler sechs Mark pro Jahr zahlen.

29.10.2018

Frische Brötchen sind an Feiertagen oft rar. Diese Bäcker in Lübeck haben trotzdem geöffnet und verkaufen ihr Backwerk auch am Mittwoch, am Reformationstag.

29.10.2018

Eine Fußgängerin hatte am Sonntag eine Leiche bei den Lübecker Mediadocks gefunden. Bis jetzt war die Identität des Toten unklar.

29.10.2018