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Lübeck Rot und rätselhaft: Ganz Lübeck staunte über den Feuerball
Lokales Lübeck Rot und rätselhaft: Ganz Lübeck staunte über den Feuerball
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09:50 18.10.2017
An diesem Tag hatte die Sonne keine Strahlen und auch kein Lächelgesicht. Luise (5, l.) und Pia (5) aus der Kindertagesstätte St. Gertrud haben den Himmelskörper als Feuerball gemalt. Quelle: Fotos: Künzel, S. Risch (2), Vögele, Maxwitat
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Lübeck

Als die Kinder der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte St. Gertrud gegen 9.30 Uhr aus dem Gemeindesaal kommen, bleiben sie staunend stehen. Sie zeigen zum Himmel, rufen laut, manche werden ganz still. „Alle waren total aufgeregt“, erzählt Erzieherin Lisa Garske später. Die 32-Jährige war mit den Kleinen im Rahmen der Bibelwoche unterwegs und wunderte sich selbst, als sie ins Freie kam.

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„Ich fand es mystisch und unheimlich, wie die Sonne so über den Bäumen stand“, verrät sie. Mittags beim Essen spricht sie das Schauspiel am Himmel nochmal an, und fragt die Gruppe, wie sie es erlebt hat.

„Die Sonne war orangerot“, erzählt Luise (5), „gar nicht so wie die andere Sonne.“ Außerdem habe die Glutsonne nicht in den Augen gebrannt. „Man konnte sie richtig anschauen“, meint das Mädchen und hat bei dem Anblick an einen Vulkan gedacht. Hella (5) ist aufgefallen, dass die rote Sonne gar keine Strahlen hat. „Es sah unheimlich aus, wie bei einem Erdbeben.“ Pia (5) dachte zuerst, „die Sonne brennt“ und ist ein bisschen froh, als die liebe Sonne am Mittag „fast wieder normal“ aussieht. Gruppenleiterin Garske freut sich, dass die Kinder so aufmerksame Beobachter sind und lässt sie später noch ein Erinnerungsbild malen.

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Auch die dreijährige Liva wunderte sich gestern Morgen, dass der Mond noch nicht untergegangen war. „Und der ist auch noch ganz rot.“ Und bei Josefina (11) und ihren Geschwistern Carline (6) und Mats (3) sorgte die Blutsonne für Aufregung. Bereits am frühen Morgen drückten sie sich ihre Nasen am Fenster der Terrassentür platt. „Mama, Papa, guckt euch mal die Sonne an, die ist ganz rot“, ruft Josefina. Carline wundert sich: „Das verstehe ich nicht!“

Grund für das Phänomen sind der Staub aus der Sahara und Rußpartikel der Waldbrände in Portugal. Laut Wetterexperten der Wetter Welt GmbH tragen die südwestlichen Windströmungen, die auch für die derzeit milden Temperaturen verantwortlich sind, die Partikel in unsere Atmosphäre. Der Staub verbindet sich mit dem Wasserdampf – und blutrote Sonnenaufgänge sowie -untergänge sind zu sehen.

Irritiert sind auch viele Erwachsene. „Ich habe gerade mit meiner Nachbarin diskutiert, ob die Sonne jetzt wohl vom Himmel fällt“, sagt Bettina Elter (50), die das Geschäft „Leinen & Lavendel“ in der Wahmstraße betreibt. Ein bisschen unheimlich findet sie das Phänomen schon. „Nennt sich das jetzt Wolfssonne? Beim Mond heißt das so, wenn er so leuchtet.“ Für Elter ist es „auf alle Fälle etwas Besonderes, wenn die Sonne wie ein Feuerball am Himmel steht.“

Thomas Landorn ist über die Burgtorbrücke in die Innenstadt gelaufen. „Das war ein außergewöhnlicher Anblick: die Kräne auf der anderen Kanalseite und dann diese pinkfarbene Sonne!“ Hebamme Margrit Küpker (61) hat, auf dem Rückweg von einem Wochenbett-Besuch, „so lange auf die Sonne geguckt, bis der junge Mann neben mir auch den Blick gen Himmel gerichtet hat – ein toller Anblick!“ Die 20-jährige Carolyn Stoß war mit dem Auto unterwegs in Richtung Innenstadt. „Da konnte ich nur kurz auf die Sonne schauen – ich fand’s schön!“

Zeit zum Staunen könnte es laut Wetterexperten heute auch noch geben. So lange bis ein Tiefdruckgebiet die Wetterlage ändert.

 kü/sr/ste/swe

Hier sehen Sie den Sonnenuntergang am Dienstagabend über dem LN-Parkplatz:

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