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Lübeck Feuerquallen-Alarm in Travemünde
Lokales Lübeck Feuerquallen-Alarm in Travemünde
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06:32 17.08.2018
In Travemünde gibt es ein Badeverbot wegen Feuerquallen. Quelle: Thomas Krohn
Lübeck

„Seit 12 Uhr haben sich die Vorfälle gehäuft, rund 30 Badende haben Verbrennungen erlitten, daher wird jetzt erstmal vor dem Baden am Priwallstrand abgeraten“, erklärte Heike Blankenburg vom Kurbetrieb Travemünde gestern Nachmittag. Bereits am Dienstag war die Wasserwacht am Priwall gewarnt worden, dass mit einem vermehrten Auftreten von Feuerquallen zu rechnen sei.

Am Donnerstagmittag hissten die Rettungsschwimmer zuerst die gelbe Flagge, eine Stunde später die rote. Badeverbot!

„Schon am frühen Vormittag kamen die ersten Badegäste zu uns und klagten über Juckreiz und kleine Pusteln. Innerhalb der ersten drei Stunden mussten wir über 20 Verletzte, die mit den Feuerquallen in Berührung gekommen waren, behandeln“, sagte Julia Riemann, stellvertretende Leiterin der Wachstation. Glücklicherweise war die Wache gestern gut besetzt: 13 Rettungsschwimmer waren im Einsatz.

Warnung der Strandbesucher per Megafon

Klicken Sie hier, um weitere aktuelle Bilder zu der Feuerquallen-Plage an den Ostsee-Stränden der Lübecker Bucht zu sehen.

Umgehend wurde eine große Aktion gestartet: Ein Trupp pendelte mit dem Quad über den Strand bis über die Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern, um die Strandbesucher zu warnen. Andere Helfer fuhren mit dem Rettungsboot auf das Wasser und holten Schwimmer, die sich weit entfernt vom Ufer im Wasser tummelten, heraus. Zudem ging eine Fußstreife über den Strand und warnte die Sonnenhungrigen über ein Megafon.

Eine schmerzhafte Erfahrung mit den Quallen machte Jürgen Frey aus Ludwigshafen. Der 75-Jährige urlaubt seit vielen Jahren in Lübeck und war gestern Nachmittag zum Sonnen und Baden auf den Priwall gefahren. „Ich bin weit hinausgeschwommen und spürte plötzlich einen brennenden Schmerz, als ob mich eine Wespe gestochen hätte. Als ich zurück am Strand war, sah ich eine Rötung am Bauch“, erzählte der Rentner. Schon eine halbe Stunde später ließ der Schmerz nach. „Ich wusste gar nicht, dass es in der Ostsee Feuerquallen gibt“, wunderte sich der Urlauber.

Hausmittel gegen die Verbrennungen

„Die meisten Badegäste sind einsichtig und gehen aus dem Wasser. Nur vereinzelt gibt es Unbelehrbare, die sich nicht darum kümmern und weiterplantschen“, so Rettungsschwimmerin Riemann. Die Helfer behandelten die Verbrennungen mit einem einfachen aber wirksamen Hausmittel: Die verletzten Körperstellen wurden mit Rasierschaum eingeschäumt und der Schaum nach kurzem Einwirken mit einem Küchenschaber abgezogen. „Das zieht die Nesseln aus der Haut“, erklärt Riemann. Keinesfalls sollte die Haut mit Süßwasser gespült werden.

Die Feuerqualle

Die Nesselung durch eine Qualle ist im Normalfall mit einem Brennnesselstich zu vergleichen und nicht lebensgefährlich.

Bei der Behandlung der Verletzung sollte die betroffene Körperstelle mit Salzwasser gesäubert werden. Anschließend Sand oder Rasierschaum auf die Verletzung reiben und trocknen lassen. Dann einfach abschaben.

Quallen werden von Schiffen zerhäckselt - verlieren aber nicht ihre Wirkung

In Travemünde wurde am Nachmittag ebenfalls die rote Flagge gehisst. „Wir empfehlen das Baden nicht“, sagt DLRG-Wachleiter Jan Cramer. „Die Flagge werde ich heute auch nicht mehr herunternehmen.“ Denn auch hier kommen viele Badegäste mit Nesselungen und Pusteln zu den Rettungsschwimmern und lassen sich mit Rasierschaum behandeln.

Strand und Meer sind aber trotz der Warnungen nicht leer. „Wir passen ein bisschen mehr auf“, erklärt Sarah Kießlich aus dem Kreis Pinneberg. „Es sind ja nicht so viele Quallen zu sehen.“ Das Problem dabei: Viele Quallen würden schon in der Travemündung von den Schiffen zerhäckselt – die Tentakeln mit den Nesseln können aber auch dann noch Verletzungen anrichten, sagt Cramer.

Hoffnung auf den Wind

Die Nesselungen seien besonders für Kleinkinder und Allergiker gefährlich und könnten im schlimmsten Fall zu einem allergischen Schock führen. „Wenn man aber nicht allergisch ist, sind Feuerquallen nichts Lebensgefährliches. Außerdem hoffen wir, dass sich das Problem durch den Wind schnell wieder erledigt“, so Heike Blankenburg. Denn sobald dieser dreht, werden die Quallen wieder zurück in die Ostsee gespült.

Im restlichen Bereich der Lübecker Bucht rund um Scharbeutz wird von der DLRG derzeit die gelbe Flagge (Baden und Schwimmen gefährlich) gehisst – ebenfalls wegen erhöhten Aufkommens von Nesselquallen, sagte DLRG-Abschnittsleiter Peter Franz.

Thomas Krohn und Saskia Hassink

Wussten Sie, dass man in der Ostsee einem der giftigsten Tiere Europas begegnen kann? Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um Gefahren der Ostsee kennenzulernen.
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