Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Als Lübeck im Großstadt-Fieber war
Lokales Lübeck Als Lübeck im Großstadt-Fieber war
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:21 03.11.2018
Blick über die Kreuzung Kohlmarkt / Breite Straße / Sandstraße auf das Haerder-Kaufhaus mit dem markanten Übergang zwischen den beiden Gebäuden über der Wahmstraße im Mai 1964. Quelle: Hans Kripgans
Innenstadt

Die Wörter „Großstadt“ und „großstädtisch“ kommen mehrmals vor in der Haerder-Eigenwerbung und auch in der LN-Berichterstattung über den Kaufhausneubau an der Kreuzung Wahmstraße/Breite Straße/Sandstraße. Das nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Flüchtlinge stark gewachsene Lübeck wollte nicht mehr Provinz sein.

Der Wiederaufbau der mittelalterlichen Kirchen war wichtig und wurde mit großer Energie vorangetrieben – aber genauso wichtig war es, Einwohnern und Besuchern großstädtisches Flair zu bieten. Großstädtisches Flair, das bedeutete nach damaligem Verständnis: „brausender“ oder „pulsierender“ Verkehr (gemeint war Autoverkehr) auf breiten Straßen, große Kaufhäuser und moderne Architektur – und zwar nicht in irgendwelchen Gewerbegebieten am Stadtrand, sondern in der Innenstadt.

Dreigeschossige Brücke

Alles das traf sich in der dreigeschossigen Brücke, die ab 1958 über die Wahmstraße führte. Sie verband die beiden Teile des Haerder-Kaufhauses, das auf 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche Textilien anbot. „Seine Ausmaße sind selbst im Großstadtvergleich imponierend“, schrieben die LN mit von Lokalstolz geschwellter Brust.

Weiterlesen

Klicken Sie hier, um alle Teile unserer Serie mit historischen Rückblicken aus Lübeck zu sehen!

Die Brücke war aus Stahl und Glas, eine kühne, in der ganzen Stadt einzigartige Konstruktion, und sie ließ den Verkehr ungehindert brausen und pulsieren. Entworfen hatte das gesamte Ensemble Heinz Bahr aus Lübeck, ein „erfahrener Großstadt-Architekt“ (LN).

Haerder-Kaufhaus schloss 1999

2006 war eine andere Zeit angebrochen. Die Begeisterung für den brausenden Verkehr in der Innenstadt war abgeklungen. Den Textilmarkt beherrschten nicht mehr einheimische Kaufhäuser wie Haerder, Rieckmann und Anny Friede, sondern große, überregionale oder internationale Ketten. Ein großer Teil dieses Geschäfts war außerdem aus der Innenstadt auf die grüne Wiese abgewandert. Das Haerder-Kaufhaus schloss 1999 und stand bis 2006 größtenteils leer.

Dann wurde es südlich der Wahmstraße abgerissen. Dabei fiel auch die Brücke. An gleicher Stelle entstand das Haerder-Center – kein Kaufhaus mehr, sondern ein Einkaufszentrum. In diesen Tagen feiert es sein zehnjähriges Jubliäum. Durch die Wahmstraße fahren nur noch Busse, Fahrräder, Taxis und Anwohner.

Klicken Sie sich in dieser Galerie durch Fotos von Lübecker Straßen, Gebäuden und Plätzen aus dem LN-Archiv, die wir mit aktuellen Aufnahmen vergleichen.

Hanno Kabel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!