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Lübeck Rückkehr in die Burgstraße
Lokales Lübeck Rückkehr in die Burgstraße
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22:18 28.09.2017
Scarlett Bluhm (30) ist in der Großen Burgstraße aufgewachsen. Sie schätzt die kleinen Ateliers, Bars und Cafés, die sich dort angesiedelt haben. Quelle: Foto: Ulf–kersten Neelsen
Innenstadt

„Ein komisches Gefühl ist das“, sagt Scarlett Bluhm, während sie langsam durch die Wohnung im ersten Obergeschoss der Großen Burgstraße 7 streift. Seit etwa 16 Jahren hat Lübecks neunte Welterbe-Botschafterin die Räume, in denen sie vom siebten bis zum vierzehnten Lebensjahr gewohnt hat, nicht mehr gesehen.

Scarlett Bluhm ist in der Straße aufgewachsen – In ihrer Erinnerung war sie früher belebter – Im Mittelalter war sie sogar eine Wirtshausmeile.

Heute lebt dort Jörg Sellerbeck von der Bürgerinitiative Rettet Lübeck (BIRL) zusammen mit seiner Familie. 1909 wurde das Haus erbaut, es steht auf historischem Fundament. Sellerbeck hat die junge Frau eingeladen, noch einmal in die Räume ihrer Kindheit und Jugend zurückzukehren. „Genau dort hat auch das Etagenbett meiner Schwester und mir gestanden“, sagt Bluhm überrascht und deutet auf ein Etagenbett, in dem jetzt Sellerbecks kleine Töchter schlafen. Das Zimmer mit dem warmen Dielenboden liegt zur Kaiserstraße hin, der kleinen Querstraße direkt vor dem Burgtor. „Die Aussicht ist genau dieselbe geblieben“, sagt Bluhm lächelnd. Kein Wunder: Die äußere Form des heutigen Burgtors (das innere von ehemals drei Toren) hat sich seit dem letzten Umbau im Jahr 1685 kaum verändert. Nach dem Bau 1224 wurde es 1444 erhöht, 1685 ersetzte man ein ehemaliges Spitzdach durch die heute noch bestehende barocke Haube. Hinzugekommen sind seit dem 19. Jahrhundert nur noch die Durchgänge, ursprünglich besaß das Burgtor lediglich eine Durchfahrt.

Eines aber hat sich nach Scarlett Bluhms Ansicht doch geändert: „In meiner Erinnerung war die Straße früher belebter“, sagt die 30-Jährige. „Ich erinnere mich noch an ein Fischgeschäft, an einen Metzger, auch an mehr Kneipen und Cafés.“ Zum Beispiel an das „Prian’s“ in der Hausnummer 13. Doch auch lange, lange vor Scarlett Bluhms Jugend war die Große Burgstraße um ein vielfaches betriebsamer als sie es heute ist: Im ehemaligen „Prian’s“ hat es einmal das Wirtshaus „Im roten Pferde“ gegeben, in der Nummer 17 „Das adelige Haus“ und die Gastwirtschaft „Zum Großherzog von Mecklenburg“ in der Nummer 11 – ein bedeutsames Haus, das zusehends verfällt. Der Grund für das einstmals so lebendige Treiben: Die Große Burgstraße diente im Mittelalter als Haupteingangsstraße für Reisende aus Richtung Mecklenburg.

Und auch in jüngerer Vergangenheit war sie noch ein Anziehungspunkt: Eine stichprobenartige Durchsicht der im Stadtarchiv lagernden Adressbücher von 1951 zeigt, dass es damals zum Beispiel noch einen Kupferschmied, ein Fahrradgeschäft, einen Lebensmittelmarkt und eine Schlachterei gegeben hat. In der Nachkriegszeit versorgte die Große Burgstraße nicht nur Altstadtbewohner, sondern auch Bürger aus dem angrenzenden St. Gertrud mit Waren des täglichen Bedarfs.

Heute ist das anders, es gibt viel Fluktuation, dennoch entdeckt Scarlett Bluhm einige Geschäfte, die die Jahre überdauert haben. „Den Kubat Market im Haus Nummer 23 gab es schon, als ich Kind war“, erinnert sich Bluhm. Genau wie den Friseursalon Klasen, der seit 29 Jahren von Inhaberin Sabine Klasen geführt wird. Als die heute 56-Jährige damals im Haus Nummer 19 ihren Salon eröffnete, waren Scarlett Bluhm und der Unesco-Welterbetitel gerade ein Jahr alt. „Bevor wir in das Haus an der Ecke Kaiserstraße zogen, wohnten wir in der Nummer 25“, erzählt Bluhm. Ihre Erinnerungen an diese Zeit sind verschwommener, doch sie weiß noch: „Als Kinder sind wir oft auf dem Spielplatz am Burgkloster gewesen“, sagt sie. Lange bevor er dem Gelände des Hansemuseums wich, sei der aber immer mehr zum Jugendtreff geworden. Dennoch: „In Teilen hat sich die Straße auch gemacht“, findet die 30-Jährige. Es gibt das Kulturcafé Tonfink, eine Eisdiele, dazu besondere kleine Ateliers, Geschäfte und Galerien. Sie sagt: „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass diese Entwicklung weitergeht.“

Steckbrief

Über mich:

Geboren bin ich in Lübeck.

Ich wohne noch immer hier und möchte auch nie wegziehen.

Ich bin spontan, ehrlich und großzügig.

Über meine Stadt:

Einzigartig machen Lübeck die Erinnerungen an alles, was ich hier erlebt habe.

Wäre Lübeck eine Person, wäre sie stilecht, interessant und ziemlich charmant.

In 30 Jahren soll mein Lieblingsort wieder etwas belebter und ein Ort sein, an dem sich Kinder richtig wohlfühlen.

Eine Serie, zwölf Botschafter

Einmal im Monat zeigt ein Welterbe-Botschafter in den LN seinen Lieblingsort in der Altstadt. Hintergrund kann eine persönliche Geschichte sein oder einfach ein ausgeprägtes Interesse für ein bestimmtes Bauwerk oder einen Platz.

Jeder Welterbe-Botschafter wird in diesem Jahr 30 Jahre alt, genauso wie der Titel Unesco Welterbe. 1987 wurde mit der Altstadtinsel erstmals in Nordeuropa fast eine ganze Altstadt unter den Schutz der Unesco gestellt.

www.plötzlich30.de zeigt ausführliche Informationen zu aktuellen oder künftigen Veranstaltungen und Aktionen.

Luisa Jacobsen

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