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Lübeck Runde Sache: Lübecker Boule Club in der Bundesliga
Lokales Lübeck Runde Sache: Lübecker Boule Club in der Bundesliga
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20:43 06.12.2017
Frank Repenning und Reinhard Schwertfeger (r.) besprechen eine Spielsituation. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Die Lagerhalle ist 300 Quadratmeter groß und von Neonlampen hell erleuchtet. Auf dem Boden liegt ein Kies-Splitt-Gemisch und auf einer Bahn eine Boule-Kugel. In neun Metern Entfernung nimmt Tarek Iben Lahoul (47) das Eisenrund ins Visier. Reglos hält er eine zweite Kugel in der Hand. Stille. Dann macht er eine Wurfbewegung, die Kugel fliegt, ein Knall, Funken schlagen. Als wäre nichts gewesen, liegt die zweite Kugel am Platz der ersten. Iben Lahoul lächelt.

Die erste Mannschaft des Lübecker Boule Clubs hat den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Fünf Jahre nach Vereinsgründung dürfen sich die Profis nun mit den besten Teams im Land messen. Wer dabei aber an lauschige Schattenplätze in der Provence, Rotwein und Gemütlichkeit denkt, der irrt.

Vereinsvorsitzender Reinhard Schwertfeger (65) und Frank Repenning (58) haben zugeschaut und nicken anerkennend. „Carreau sur Place“, sagt der 65-Jährige und erklärt, dass bei dieser Technik im Idealfall die Schusskugel exakt den Platz der Gegnerkugel einnimmt. Doch Können ist nicht alles. „Auch Konzentration und Nervenstärke sind wichtig. Das Mentale zählt bestimmt 50 Prozent“, ergänzt Petra Repenning (56). Auch sie gehört zur Top-Mannschaft, ebenso wie ihr Mann Frank, „Eddi“ Röske-Weber (62), Dawid Gietkowski (25), Oscar Hodonou (21), Tonio Trüper (44) und Samy Belkhamsa (44).

Tarek Iben Lahoul hat derweil noch einen Carreau sur Place geschafft und gesellt sich zum Team. Er hat den Sport als Junge in Tunesien kennengelernt und als Zwölfjähriger im Verein gespielt. Vor 21 Jahren ist er „der Liebe wegen“ nach Deutschland gekommen und spielt nun seit Jahren beim LBC mit. „Boule ist die einzige Sportart, die Menschen verschiedensten Alters gemeinsam spielen können“, erklärt er seine Leidenschaft. Außerdem liebt der Profi die Geselligkeit und das Miteinander. „Es ist egal, ob jemand Akademiker oder Arbeitsloser ist, alle sind per Du. Hauptsache, sie lieben das Spiel.“

Das klingt nun wieder so lässig, wie es in Frankreich auf den Schattenplätzen an einem Sonntagnachmittag aussieht. Doch Boule ist Sport. „An einem langen Ligawettkampftag mit sechs Spielen ist man im Schnitt 14 Kilometer gegangen, hat drei Tonnen Eisen bewegt und bis zu 3000 Kniebeugen gemacht“, erklärt Iben Lahoul.

Und in diesem Sinne ist das regelmäßige Training für die künftige Bundesligamannschaft wichtig. Die Gruppe trifft sich dafür einmal pro Woche für ein paar Stunden: Im Sommer auf ihrem Bouleplatz an der Wallstraße und im Winter in der Privathalle an der Posener Straße. Diese stellt Firmenchef Repenning von Bergemann/Gräper auch anderen Vereinen zur Verfügung. „Natürlich spielen wir auch lieber draußen auf unserem Platz“, sagt Schwertfeger. „Aber irgendwann ist dort wetterbedingt Schluss – und es ist klasse, dass wir die Halle haben.“

Inzwischen ist die Spielfläche voller geworden. Das Stimmengewirr mischt sich mit dem „Plopp“-Geräusch der Kugeln, die auf dem Boden landen. Oder Eisen knallt auf Eisen. In der ersten halben Stunde üben die Profis individuelle Wurftechniken für Lege- und Schießübungen. Dann machen sie Spiele. In Worte fassen können sie die Leidenschaft für den Sport nur schwer. „Ich glaube, ich kann es ganz gut“, meint Iben Lahoul und überlegt weiter. „Und irgendwie ist es wie eine Droge. Du probierst es mal aus, und entweder Boule ist was für dich oder nicht“, sagt er und blickt in die Runde. „Und wir hier sind alle hängengeblieben.“

Der Verein

2012 wurde der Lübecker Boule Club (LBC) von zwölf Spielern gegründet, heute hat der Verein 62 Mitglieder. Die erste Mannschaft des LBC hat sich bei den Aufstiegsspielen im Oktober in Düsseldorf für die Bundesliga qualifiziert.

Dem LBC liegt nicht nur das Sportliche am Herzen, sondern auch das Miteinander, kultureller Austausch und Solidarität.

Beim Boule-Spiel treten zwei Mannschaften gegeneinander an, die aus ein bis drei Spielern bestehen. Ziel ist, mit den eigenen Kugeln möglichst nah an eine Zielkugel zu gelangen.

Kugeln können dabei auch herausgeschoben oder weggeschossen werden.

Cosima Künzel

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