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Lübeck SPD will Radweg durch die Finkenstraße
Lokales Lübeck SPD will Radweg durch die Finkenstraße
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13:37 17.01.2017
Dirk Rewohl (50) darf nicht durch die Finkenstraße radeln, muss wieder umdrehen und zurück zur Lachswehrallee. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, Andreas Meyer
St. Lorenz Süd

„Damit könnten wir die Probleme zwischen Fußgängern und Radfahrern in der Meierstraße beseitigen“, erklärt SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell. „Wir hören zum ersten Mal von diesem Vorschlag“, sagt Melanie Kamann, Sprecherin von Dräger.

Politiker schlagen Öffnung vor, um Meierstraße zu entlasten – Strecke führt über Dräger-Gelände.

„Vor einigen Jahren fuhren die meisten Radfahrer noch von der Hansestraße über den Töpferweg und die Finkenstraße zur Lachswehrallee und dann weiter“, erinnert sich Dirk Rewohl, Vorsitzender des Ortsvereins Holstentor Süd. Als die Finkenstraße geschlossen wurde, fiel diese Verbindung weg. Der Radverkehr verlagerte sich vom Töpferweg in die Meierstraße. „Die Meierstraße wurde zur Ausweichstrecke für Radler“, bestätigt Pluschkell. Das habe viele Jahre keine Probleme bereitet. Aber weil Räder immer schneller würden, hätten sich in den vergangenen Jahren die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern verschärft. Vor allem Eltern kleiner Kinder, die in der Meierstraße die Kita oder die Grundschule besuchen, machen sich zunehmend Sorgen (die LN berichteten). Die Bauverwaltung tüftelt an einer Lösung für die Meierstraße, doch die SPD will einen größeren Wurf.

„Wir schlagen vor, dass der Bausenator mit der Firma Dräger darüber spricht, diese Verbindung wieder für Fußgänger und Radfahrer zu öffnen“, sagt Rewohl, „zumindest tagsüber.“ Eine Öffnung rund um die Uhr hält die SPD derzeit auch für unwahrscheinlich. Der Vorstoß kommt jetzt, weil der Weltkonzern seine Produktion aus der Moislinger Allee in die Revalstraße in Genin-Süd verlagert. Aus Sicht der SPD-Politiker entfällt die damalige Begründung für die Sperrung der Finkenstraße. 20 Jahre lang hatte der Konzern darauf gedrängt, weil die Straße das Werksgelände zerschnitt und alle Waren und Produktionsteile über die Finkenstraße transportiert werden mussten. „Das ist nicht mehr gegeben“, sagt Dirk Rewohl, „und die Parkplätze, die Dräger auf der ehemaligen Straße gebaut hat, würden nicht beeinträchtigt.“

Der Fahrrad-Club ADFC unterstützt den Vorstoß. „Die Finkenstraße war eine gute Radwegeverbindung“, bestätigt Vorsitzender Rolf Hagen. Auch ein nur zeitweilig geöffneter Radweg „wäre eine schöne Sache“. Hagen besteht aber darauf, dass die Meierstraße weiterhin für Radfahrer zur Verfügung steht. „Man darf die Radfahrer nicht zwingen, dann wieder durch den Töpferweg fahren“, fordert der ADFC-Vorsitzende. Auch der Fahrradbeauftragte Nils Weiland hält eine Radwegeverbindung durch die Finkenstraße für sinnvoll: „Das wäre für die Bürger in St. Lorenz Süd und Buntekuh eine gute Ergänzung.“ Gleichwohl wäre die Finkenstraße „keine gleichwertige Alternative zur Meierstraße“, sagt Weiland, „die ist der direktere Weg.“ Thomas Misch von den Freien Wählern, die sich seit Jahren um eine Regelung in der Meierstraße kümmern, will den SPD-Vorstoß unterstützen. „Wenn wir insgesamt mehr Radverkehr wollen, ist das ein guter Vorschlag.“

Skeptisch reagieren die Grünen. Kai Freudenreich, der im Arbeitskreis Radverkehr sitzt, sagt: „Die Öffnung der Finkenstraße halten wir für unrealistisch, weil sie nur während der Arbeitszeiten der Firma Dräger für eine schnelle Verbindung sorgen könnte.“ Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der die Finkenstraße damals zur Chefsache gemacht hat, sieht keine Veranlassung, alte Entscheidungen infrage zu stellen: „Mein Eindruck ist, dass die Bevölkerung sich nach einer Gewöhnungsphase mit der Situation arrangiert hat.“ Ähnlich reagiert Dräger-Sprecherin Kamann: „Damals wie heute sind wir davon überzeugt, dass es für Lübeck und Dräger die richtige Entscheidung war, den Standort zu stärken. Die Schließung der Finkenstraße hat sich für beide Seiten ausgezahlt.“

Die Finkenstraße

16000 Kraftfahrzeuge fuhren täglich durch die Finkenstraße, bis diese Anfang Januar 2006 für den Durchgangsverkehr geschlossen wurde.

650 Radfahrer nutzten die Querverbindung jeden Tag, ergab eine Zählung aus dem Jahr 2004.

137 Jahre lang bestand die Verbindung zwischen Moislinger Allee und Lachswehrallee.

20 Jahre lang bemühte sich Dräger um die Schließung der Finkenstraße, die das Werk durchschnitt.

11,7 Millionen Euro kostete die Umlenkung des Verkehrs, 7,5 Millionen kamen vom Land.

 Kai Dordowsky

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