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Lübeck Sana-Klinik: Krankenkassen lehnen die neue Station ab
Lokales Lübeck Sana-Klinik: Krankenkassen lehnen die neue Station ab
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22:15 23.09.2013
Chefarzt Dr. Jürgen Eggers und Stationsleiterin Janina Stein arbeiten vorerst in einer stark verkleinerten Neurologie der Sana-Klinik. Quelle: Foto: Maxwitat

Die Fronten sind weiter verhärtet bei allen Beteiligten im Streit um die neue Schlaganfall-Station der Sana-Klinik. Das ehemalige Krankenhaus Süd wartet immer noch darauf, dass die sogenannte Stroke Unit (siehe unten) die benötigte Genehmigung durch das Kieler Gesundheitsministerium erhält. Doch dort stehen die Zeichen weiterhin auf Ablehnung, auch die Krankenkassen sehen keinen zusätzlichen Bedarf in der Hansestadt. Bis endlich Klarheit herrscht, fährt der Rettungsdienst wie bisher alle Schlaganfall-Patienten zur Uniklinik.

Wegen der fehlenden Freigabe war die Sana-Klinik Mitte August bloß mit einer abgespeckten Neurologie als Untergruppe der Station für Innere Medizin gestartet — sechs statt 32 Betten (die LN berichteten). Diese Variante ist im Gegensatz zur kompletten Neurologie nicht genehmigungspflichtig. Um letztlich aber doch die volle Stärke nutzen zu können, hat es gestern Nachmittag Gespräche gegeben. Am Tisch: Sana-Klinik, Krankenkassen, Gesundheitsministerium, Rettungsdienst und Innensenator Bernd Möller (Grüne). So sollte der für Sana unbefriedigende Zustand abgestellt werden.

Aber eine Einigung scheint auch trotz des Treffens nicht in Sicht. „Wir sehen es sehr kritisch, was die Sana-Klinik da macht“, sagt Florian Unger vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Schleswig-Holstein. Das Vorgehen sei „formal und inhaltlich fragwürdig“. Es gebe für Lübeck keinen Bedarf an einer weiteren Neurologie neben der Uniklinik. „Sana will hier Fakten schaffen“, sagt Unger. „Das hebelt die Krankenhausplanung in Schleswig-Holstein aus.“ Nach derzeitiger Sachlage lehnt es der VDEK daher ab, neurologische Fälle bei Sana abzurechnen.

Diese Meinung vertritt auch weiterhin das Gesundheitsministerium. „Nach jetzigem Stand der Prüfungen sehen wir keinen Bedarf für eine weitere eigenständige Neurologie in Lübeck“, sagt Ministeriumssprecher Christian Kohl. Das Versorgungsangebot sei innerhalb der Hansestadt durch die Uniklinik abgedeckt, in der Region verfügen zudem Bad Segeberg und Neustadt über Neurologie-Stationen.

Oliver Grieve, Sprecher des konkurrierenden Universitätsklinikums: „Bei einem Schlaganfall ist es für den Patienten am besten, in ein spezialisiertes Zentrum gebracht zu werden.“ Daher sei es nicht nachvollziehbar, die Sana-Neurologie anzufahren, wenn nur 800 Meter weiter eine universitätsmedizinische Neurologie vorhanden sei. Sana-Geschäftsführer Klaus Abel votiert verständlicherweise für seine Neurologie und sieht „sehr wohl einen Bedarf für Lübeck“. Zur aktuellen Situation wollte er gestern gegenüber den LN aber keine Stellungnahme abgeben.

Vor dem Dilemma des unzertifizierten Schwebezustands an der Kronsforder Allee steht derzeit neben Sana vor allem der Rettungsdienst. „Wir fahren vorerst weiter alle Schlaganfall-Patienten in die Uniklinik“, sagt Feuerwehrchef Oliver Bäth. Hintergrund ist, dass nicht jeder wie ein Schlaganfall anmutende neurologische Notfall auch tatsächlich einer ist — doch die Sana-Neurologie könne momentan nur Schlaganfälle versorgen. Bäth: „Alle anderen Fälle müssen dann mit einem zweiten Transport weiter zur Uniklinik.“ Das sei gefährlich und koste wertvolle Zeit.

Die Stroke Unit

32 Patientenbetten soll die neue Neurologie der Sana-Klinik am Ende haben, sechs davon in der sogenannten Stroke Unit für Schlaganfall- Patienten. Die entsprechende Abteilung wurde für etwa 500 000 Euro umgebaut. Acht Ärzte und rund 20 Pflegekräfte sollen auf der Station arbeiten, der neue Chefarzt wechselte von der Uniklinik zu Sana.
Die Eröffnung der neuen Sana-Neurologie war ursprünglich für den 5. August vorgesehen. Durch die plötzliche Absage des Kieler Gesundheitsministeriums eröffnete die Station aber erst am 15. August übergangsweise und eingeschränkt mit nur sechs Schlaganfall-Betten. Sie wurde als „Sektion Neurologie“ der Fachabteilung Innere Medizin angegliedert.

Peer Hellerling

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