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Sana wird vom Rettungsdienst boykottiert

Lübeck Sana wird vom Rettungsdienst boykottiert

Der Streit zwischen UKSH und Sana eskaliert: Weil eine Unterschrift fehlt, werden Patienten mit Schlaganfall weiter nur in die Uniklinik gebracht.

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2012 hat die Feuerwehr der Hansestadt rund 150 Patienten mit Schlaganfällen in die Sana eingeliefert. Jetzt gibt es eine Spezialstation, aber der Rettungsdienst macht einen Bogen um die Klinik.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Eigentlich sollte mit der neuen Neurologie der Sana-Klinik alles „in trockenen Tüchern“ sein. Schließlich hatte das Kieler Sozialministerium nach Monaten des Diskurses letztinstanzlich sowohl die Fachabteilung mit 22 Betten als auch die Schlaganfall-Spezialstation — auch Stroke Unit genannt — mit sechs Betten genehmigt (LN berichteten). Doch der Konflikt um das neue Angebot der Krankenversorgung in der Hansestadt schwelt munter weiter. So weigert sich nach wie vor der städtische Rettungsdienst, Patienten mit einem akuten Schlaganfall nicht nur in die Uniklinik, sondern jetzt auch zu Sana in die Kronsforder Allee zu bringen.

Begründung: Es fehle immer noch an einer unterschriftsreifen Kooperationsvereinbarung von Sana und Uniklinik für die sogenannten Sekundärtransporte, wie Innensenator Bernd Möller (Grüne) vorbringt.

Diese Transporte stellen sicher, dass Patienten mit einer diagnostizierten Hirnblutung zur weiteren Therapie in die Neurochirurgie der Uniklinik gebracht werden, da es bei Sana keine Neurochirurgen gibt. Dass aber deswegen die Spezialstation der Sana-Klinik seit Monaten „boykottiert“ werde, hält Marco König, erster Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst, „für einen bundesweit einmaligen Vorgang“. Das sei keine haltbare Argumentation mehr, betont er. Schließlich erfülle das Krankenhaus die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, weshalb auch das Ministerium in Kiel schließlich seine Zustimmung erteilt habe.

Der Vorsitzende der Stroke Unit Kommission der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Prof. Darius Günther Nabavi aus Berlin, zeigt sich ebenfalls höchst irritiert, als man ihn auf die „lübschen Verhältnisse“ anspricht: „Denn eine unverzügliche Weiterverlegung in eine Neurochirurgie ist nur bei etwa fünf Prozent der akuten Schlaganfall-Patienten nötig. Deshalb haben wir auch das Zweistufen-Modell mit überregionalen und regionalen Stroke Units entwickelt. Und einzig die überregionalen müssen alle Fachabteilungen vorhalten.“

In Berlin zum Beispiel gebe es insgesamt 14 Schlaganfall-Spezialstationen, aber nur fünf davon würden das komplette Therapiespektrum abdecken. „Erst kürzlich haben wir im Stadtgebiet eine neue Versorgungseinheit hinzubekommen. Selbstverständlich werden dort auch Akut-Patienten vom Rettungsdienst hingefahren“, berichtet der Neurologe. In Lübeck seien daher wohl keine fachlichen Gründe mehr im Spiel.

Dies weist Senator Möller allerdings zurück. So erklärt er: „Bis heute stehen ärztliche Bedenken im Raum, dass es sich bei dem von Sana angestrebten Verfahren um eine Umverteilung der Versorgung handelt.“ Kurzum: Für Möller sind die zusätzlichen Betten nicht notwendig. Zudem verweist er darauf, dass die Station noch nicht zertifiziert ist.

Beides ist für den Experten aus Berlin aber eher abwegig. Prof. Nabavi: „Wir halten die Formel „ein Spezialbett pro 10 000 Einwohner“ für sinnvoll. Für Lübeck wären das rund 20

Stroke-Unit-Betten als Richtgröße.“ Bisher wurden jedoch vom Uniklinikum nur zwölf vorgehalten. „Die zusätzlichen sechs Schlaganfall-Betten sind entsprechend durchaus angebracht“, so Nabavi. Und bezüglich Zertifizierung fragt er: „Wie soll die Klinik die nötige Zahl an Behandlungen pro Jahr für eine Zertifizierung zusammen bekommen, wenn sie vom Rettungsdienst umfahren wird?“

Für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe jedenfalls ist das weitere Angebot erfreulich. „Es freut uns für die Bürger, dass sie eine zweite Stroke Unit mit einem hochqualifizierten, interdisziplinären Ärzte- und Pflegeteam erhalten“, sagt deren Vorsitzende Dr. Brigitte Mohn. Doch wie geht es weiter? Möller verweist auf einen weiteren Beratungstermin mit dem Ministerium sowie den beiden Kliniken am 18. März. Ob es dort zu einer Einigung kommt, ist fraglich. Denn für Oliver Grieve vom Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) besteht die Lösung darin, fehlende Bettenkapazitäten an der Uniklinik zu erweitern — „dort, wo die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen erfüllt sind“, wie er bilanziert.

Die Spezialstationen
„Stroke Units“ sind Spezialstationen, auf denen Schlaganfall-Betroffene in den ersten Tagen nach ihrem Schlaganfall betreut werden. Auf den Stationen erfolgt die Diagnostik; die Patienten werden überwacht und behandelt. Der englische Begriff lässt sich mit „Schlag" übersetzen, „unit“ bedeutet „Einheit“. Das Konzept stammt aus den USA. In der Regel verlassen die Patienten nach drei bis fünf Tagen die Spezialstation. Von hier aus werden sie entweder auf eine neurologische beziehungsweise allgemeine Normalstation verlegt, oder sie werden direkt in eine Reha-Einrichtung überwiesen.

Michael Hollinde

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