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Lübeck Saxes Idee: Gasometer soll zum Aktenlager werden
Lokales Lübeck Saxes Idee: Gasometer soll zum Aktenlager werden
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13:14 18.08.2017
Die Stadt braucht dringend ein Lager für altes Papier. Der Koloss der Stadtwerke in Genin könnte die Lösung sein. Quelle: Lutz Roessler
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Lübeck

„Die Idee ist, den Gasometer für die Aktenlagerung herzurichten“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Er will im September eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Das hat er bereits mit Stadtwerke-Chef Jürgen Schäffner abgesprochen. „Wir wollen wissen, was geht und was nicht geht – und was es kostet“, erklärt Saxe.Wenn es funktioniert, hat der Bürgermeister zwei Themen vom Tisch.

„Wir wollen wissen, was geht – und was nicht geht", Bürgermeister Bernd Saxe (SPD).

Das Problem Nummer eins: Die Stadt hat unvorstellbare 27,7 Kilometer Akten – und weiß nicht, wohin damit. Sie muss das alte Papier lagern, darf es nicht vernichten – so will es das Gesetz. Und es werden naturgemäß immer mehr Akten. Hinzukommen zwei Millionen Bücher – teils historische aus der Stadtbibliothek. Wohin damit? Die Stadt sucht schon länger nach einer Lösung. Das Thema wird bereits im Projekt Wissensspeicher seit 2009 diskutiert. Ein Neubau sollte knapp 9000 Quadratmeter Fläche haben und satte elf Millionen Euro kosten. Im Gespräch waren die Bundesbank am Holstentor, ein Gebäuderigel des ehemaligen Krankenhauses auf dem Priwall und zuletzt der ehemalige Praktiker- Markt in Genin. Das Koordinierungsbüro Wirtschaft Lübeck (KWL) sollte es für die Stadt bei einer Zwangsversteigerung erwerben. Doch daraus wurde nichts.

Ein weiterer Knackpunkt: Die Akten sind derzeit über die gesamte Stadt verteilt – und schlecht untergebracht. Beispiel: Im Bunker in der Schildstraße lagern Unterlagen der Bauordnung. Aber die Papiere schimmeln dort, Besucher dürfen nur einmal im Monat die Unterlagen studieren. Die Bauverwaltung will den Keller des ehemaligen C&A-Gebäudes mieten, doch die Politiker sind unentschieden.

Problem Nummer zwei: der Gasometer. Die Stadtwerke haben keine Lust auf das riesige Bauwerk von 1954. Denn der Energieversorger braucht es nicht mehr. Es ist 70 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 35 Metern und fasst ein Volumen von 80000 Kubikmeter Gas. Die Stadtwerke wollten den Gasometer abreißen. Doch die Denkmalpflege legte ihr Veto ein und stellte das Bauwerk unter Schutz. Jetzt haben die Stadtwerke einen denkmalgeschützten Gasometer und wissen nicht, was sie damit machen sollen. Außerdem belastet er die Bilanz des Unternehmens jedes Jahr mit rund 50 000 Euro.

Die Lösung: Der Gasometer wird so ausgebaut, dass dort 27,7 Kilometer Akten untergebracht werden können. Immerhin: Der Gasbehälter ist naturgemäß völlig dicht, so dass dort keine Feuchtigkeit eintritt. Allerdings brauchen die Akten ein ganz bestimmtes Klima. Wie teuer eine Klimatisierung wird, wie man an die Akten herankommt und was das Ganze kostet, soll jetzt die Studie ergeben.

Die Politiker reagieren verhalten. „Das könnte eine teure Tasse Tee werden“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Denn in den Gasometer müsste wahrscheinlich ein eigenes Haus hineingebaut werden. Es soll geprüft werden, wie viele Akten wie lange aufbewahrt werden müssen. Lindenau sagt: „Wir brauchen eine Lösung. Der Gasometer wäre eine Option“ Ähnlich sieht es Thorsten Fürter (Grüne): „Ich kann mir das vorstellen.“ Für ihn ist vor allem wichtig, dass dabei „der denkmalgeschützte Gasometer erhalten bleibt“.

Wissensspeicher

Die Debatte um den Wissensspeicher gibt es seit 2009. Ein Neubau kostet fast elf Millionen Euro und soll knapp 9000 Quadratmeter Platz bieten. Dort soll das Wissen der Stadt gespeichert werden. Dabei geht es um Akten der Stadtverwaltung, um historische Unterlagen des Archivs, um Bücher der Stadtbibliothek und um Gemälde der Museen.

 Josephine von Zastrow

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