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Lübeck Schätze schätzen mit Christie’s
Lokales Lübeck Schätze schätzen mit Christie’s
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20:37 26.01.2017
Reinhard Wallath (73) kommt mit einer Schmuckschatulle aus Kupfer zu Frederik Schwarz. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Ein blitzender Ring, eine kupferne Schatulle, ein verstaubtes Gemälde oder ein silbernes Kännchen – gestern wurde alles geschätzt. Das bedeutende Kunstauktionshaus Christie’s war mit drei Experten zu Gast im Hansemuseum und hat von 10 bis 17 Uhr die Schätze der Bürger wortwörtlich unter die Lupe genommen.

Das bedeutende Kunstauktionshaus hat gestern im Hansemuseum private Schätze gesichtet.

Geld für Ausstellung

Der Bund fördert eine Ausstellung des Europäischen Hansemuseums Lübeck zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Reformation mit 145 000 Euro. Das teilte die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller- Ohm (SPD) gestern mit. Die Schau mit dem Titel „Geld. Macht. Glaube“ wird vom 8. September bis zum 26. November zu sehen sein.

Und der Andrang war enorm: „Wir sind ausgebucht“, freut sich Pressereferentin Sarah Niesel am Vormittag im Beichthaus, als Reinhard und Helga Wallath (73 und 68) gerade mit ihren Schätzen zur Tür reinkommen. Das Ehepaar ist extra aus Kiel zu Schmuck- und Silberexperte Frederik Schwarz gekommen. Eine Schmuckschatulle haben sie mitgebracht und eine Münze von 1691. „Die Schatulle habe ich vor 20 Jahren auf dem Flohmarkt erstanden. Für 20 Mark“, erinnert sich Reinhard Wallath. Die Münze mit dem Habsburger König Leopold hat er geerbt. Für die Einordnung der Schatulle braucht Schwarz nur einige Sekunden: „Über 100 Jahre alt und im Stil des Historismus.“ Ein Vermögen ist das gute Stück dann leider nicht wert, ein Liebhaber würde vielleicht 150 Euro zahlen, so Schwarz. Bei der Münze muss der Experte dann passen: „Da müsste ein Numismatiker, ein Münzenkenner, zu Rate gezogen werden.“

Zwei Tische weiter entfaltet Peter Lorenzen (68) aus Lübeck ein weißes Tuch und legt der Kunsthistorikerin Vered Bergman (26) ein kleines, in Leder gebundenes Buch auf den Tisch. Einige Seiten sind mit bunten Ornamenten verziert, die meisten aber in fremder Schrift beschrieben. „Ein alter Koran“, stellt Bergman fest. „Gefunden haben meine Frau und ich ihn vor zehn Jahren in einem Bücherschrank meiner Schwiegermutter“, erzählt Lorenzen. Der Vater seiner Frau sei lange im Im- und Export tätig gewesen, oft habe er ausländische Studenten beschäftigt, berichtet Lorenzen weiter. In dem Buch steckt auch ein Zettel von 1958: „Laut Auskunft eines persischen Studenten handelt es sich um einen Koran aus dem 9. oder 13. Jahrhundert.“ Bergman bietet an, dass die Fachabteilung von Christie’s das prüfen wird. Lorenzen nickt, vielleicht weiß er in einigen Wochen mehr.

So wird weiter geschätzt, etwa alle zehn Minuten geht die Tür zum Foyer des Beichthauses auf und ein neuer Schatz nähert sich seiner Bestimmung: Silberbecher, Gemälde und zwischendurch auch immer mal wieder Porzellan landen auf den Tischen der Experten. Ein Teller der Manufaktur Meissen von 1760 stößt auf Interesse beim Auktionshaus; allerdings würde er dem Besitzer wohl höchstens 1500 Euro einbringen, sagt Bergman. Das ist ziemlich genau der Preis, den der Mann, der anonym bleiben möchte, in den 80er-Jahren für den Teller gezahlt hat. „Die Nachfrage für Porzellan ist seither eher gesunken“, erklärt Bergman. Dennoch, am Schluss bleiben auch die Schätze ohne hohen finanziellen Wert wertvoll. So wird das Ehepaar Wallath aus Kiel seine Schatulle zwar nicht für Tausende Euro verkaufen, dafür bleibt sie aber ein ganz persönlicher Schatz.

Luisa Jacobsen

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