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Schilderposse: Stadt verbietet Radfahren auf dem Radweg

Travemünde Schilderposse: Stadt verbietet Radfahren auf dem Radweg

Um den Unfallschwerpunkt Vogteistraße/Gneversdorfer Weg zu entschärfen, sollen Radfahrer neuerdings schieben – Die Travemünder können darüber nur schmunzeln.

Quelle: Lutz Roeßler

Travemünde. Das Auto rollt, der leicht ergraute Fahrer schaut nach links und passiert langsam die rot markierte Fläche des Radwegs. Dann schreckt er hoch, direkt vor der Motorhaube steht eine Frau mit ihrem Fahrrad. Nur wenige Zentimeter trennen den Fahrradreifen von der Stoßstange des grünen Honda. Die Frau macht einen kleinen Bogen und passiert die Einmündung der Vogteistraße. Wer im Gneversdorfer Weg mit dem Rad fährt, braucht starke Nerven. „An dieser Stelle steige ich fast immer ab oder suche zumindest Augenkontakt mit dem Fahrer“, erzählt Regine Braun (69). Zu oft achten die Autofahrer nur auf die Radfahrer, die von links kommen. Obwohl der Radweg auch in die Gegenrichtung erlaubt war.

LN-Bild

Um den Unfallschwerpunkt Vogteistraße/Gneversdorfer Weg zu entschärfen, sollen Radfahrer neuerdings schieben – Die Travemünder können darüber nur schmunzeln.

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Maike Wegner (28) über das Radwege-Verbot für Fahrradfahrer in Travemünde

Wie gefährlich die Situation gerade an der Einmündung der Vogteistraße ist, wissen auch Polizei und Stadt. Im vergangenen Jahr gab es an genau dieser Stelle acht Unfälle, allein in diesem Jahr waren es bereits drei. Die Stadt hat deshalb Handlungsbedarf gesehen und zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen. Der Radweg, der seit jeher in beide Fahrtrichtungen befahrbar ist, ist seit einigen Tagen einseitig gesperrt. Vor der Einmündung Mühlenberg bis zur Torstraße müssen Radfahrer jetzt absteigen und ihren Drahtesel gut 250 Meter schieben, um den Autofahrern nicht unvermittelt von rechts vor den Wagen zu radeln. Das soll für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Doch die Realität sieht ganz anders aus: In beide Richtungen fließt der Rad-Verkehr weiterhin – und zwar fahrend. „Das ist doch kompletter Schwachsinn“, sagt Claudia-Susann Berg, „so einen Nonsense habe ich lange nicht gesehen.“ Die 60-Jährige ist gesundheitlich angeschlagen, auf dem Rad kann sie sich ohne Weiteres fortbewegen, doch zu Fuß wird es schwer. „Ich kann gar nicht immer absteigen. Und so wird es vielen gehen“, mutmaßt sie.

Das neue Schild, das an der Einmündung zum Mühlenberg steht, sorgt höchstens für ein Schmunzeln. Zumal etwa 100 Meter weiter das nächste Schild auf den Radweg hinweist. Und auch auf dem Weg selbst sind die weißen Markierungen für den beidseitigen Radweg nur schwach erkennbar. „Für die Autofahrer ist das natürlich eine gute Sache“, findet Wolfgang Wolter, „aber das Schild wird nichts ändern.

Ich habe noch niemanden schieben sehen.“ Bei der Stadt ist man dagegen guter Dinge. Von der Sofortmaßnahme erhofft man sich weniger Unfälle. „Die Situation wird weiterhin beobachtet, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Entschärfung der Unfallhäufungsstelle zu ergreifen“, verspricht Sprecherin Nicole Dorel. Wer nicht schieben will, kann natürlich auch die Fahrbahn nutzen. „Aber das ist ja noch viel gefährlicher. Ich finde die Regelung total bescheuert“, sagt Regine Braun. Trotzdem wechseln vereinzelt Radler bei Hochbetrieb die Straßenseite. „Für die Stadt ist das eine einfache Regelung, aber dann soll sie auch die sonstigen Beschriftungen ändern und das Ganze deutlicher machen“, sagt Wolter.

Doch das könnte dauern. „Nun ist ja gerade erst die Änderung in Betrieb. Wir werden schauen, ob wir den Unfallschwerpunkt damit in den Griff bekommen können“, sagt Polizeisprecher Dierk Dürbrook.

„Und sonst müssen wir weitersehen.“

Der Wille war da

Das Gegenteil von gut ist ja bekanntlich gut gemeint. So ist es auch mit dem neuen Verbotsschild. Niemand in Travemünde wird sich daran halten. Und das ist nur verständlich, denn die Stadt hat es sich zu leicht gemacht. Ein einsames rotes Verbotsschild unter vielen blauen Radwegschildern findet kaum Beachtung und sorgt allenfalls für Kopfschütteln.

Die Stadt spielt mit den Ängsten der Bürger. Denn der Ansatz, den Unfallschwerpunkt Vogteistraße zu entschärfen, ist längst überfällig. Minütlich kommt es dort zu brenzligen Situationen, die oft gefährlich enden. Doch statt einer konsequenten Lösung werfen die Verantwortlichen den Bürgern nur ein Schild hin. Als wären sie Enten, die sich schon über ein paar Brotkrumen freuen und dankbar ihren Drahtesel schieben. Eine Ampel, die den Verkehr regelt, wäre nur konsequent. Dann wäre die Sorge der Stadt um die Gesundheit ihrer Bewohner auch glaubhaft. Und wenn die Ampel rot leuchtet, steigen die Radler sicher gern ab. Denn das ist ein deutliches Signal.

 Maike Wegner

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