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Lübeck Schlachthof: Gegenwind für Investor
Lokales Lübeck Schlachthof: Gegenwind für Investor
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09:46 13.04.2016
Quelle: Wolfgang Maxwitat

In einer dreiseitigen Stellungnahme listet Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements, die Kritik an den Plänen von Investor Thorsten Schulze auf. Die angestrebten 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Nahversorger auf dem Gelände des früheren Schlachthofs seien überdimensioniert, würden gegen die stadtplanerischen Vorgaben der Hansestadt verstoßen und zu erheblichen Verkehrsproblemen im Bereich Schwartauer Allee, Karlstraße, Bei der Lohmühle führen. „Der Standort ist für einen Nahversorger in dieser Dimension nicht geeignet“, schreibt Kempke in der Stellungnahme.

Lübeck Management lehnt großes Warenhaus auf der Industriebrache ab und unterstützt die Stadtplanung.

Der nordfriesische Projektentwickler Schulze hat das Gelände des früheren Schlachthofs gekauft und will dort 130 Wohnungen errichten. Um die Investition von 25 bis 26 Millionen Euro zu finanzieren, muss Schulze ein Warenhaus auf dem Gelände ansiedeln. Schulze: „Ich brauche diese Quersubventionierung, um diese zu 100 Prozent versiegelte Industriebrache überhaupt bebaubar zu machen.“ Nach seinen Angaben wird das Warenhaus, an dem Kaufland interessiert ist, 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, dazu kommen ein Getränkemarkt sowie Apotheke, Friseur und Bäcker. Schulze plant zudem Sozialwohnungen und Betreutes Wohnen auf dem 31000 Quadratmeter großen Areal. 250000 Euro hat der Investor in mehrere Gutachten gesteckt, die bestätigen, dass die Verkehrsprobleme zu bewältigen sind und der umliegende Einzelhandel nicht über Gebühr leiden wird.

Die Stadtplanung bezweifelt die von ihr zusammen mit Schulze in Auftrag gegebenen Gutachten. Und das Lübeck Management schließt sich an. „Es muss der Stadtplanung gestattet sein, gutachterliche Betrachtungen in Frage zu stellen“, sagt Olivia Kempke. Die Nahversorgung in dem Bereich sei gut, „eine Versorgungsunterdeckung scheint uns nicht gegeben“. Es gebe viele Geschäfte in einem Kilometer Entfernung, rechnete der CDU- Politiker Willi Meier jetzt im Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft vor, zudem sei der Wochenmarkt auf dem Brolingplatz nur 500 Meter entfernt. Meier: „Wir brauchen hier keinen Kaufland, sondern mehr Wohnungen.“

Der „größte Knackpunkt“ der Schlachthof-Pläne sei die Verkehrsproblematik, sagt Arne-Matz Ramcke (Grüne). CDU-Politiker Meier prophezeit 10 000 Fahrzeuge zusätzlich auf der Schwartauer Allee. Die von der CDU selbst geforderte und vom Investor zugesagte Regelung Rechts-rein-rechts-raus für die Kaufland-Zufahrt werde nicht funktionieren. Das sieht auch das Lübeck Management so. Geschäftsführerin Kempke: „Diese Variante greift zu kurz.“ Jörg Hundertmark (SPD) sagt ebenfalls viele Staus auf der Schwartauer Allee voraus.

Nur ein Politiker ergriff im Wirtschaftsausschuss für Investor Schulze das Wort. Günter Scholz (BfL): „Alle Gutachten besagen, dass es diese Probleme nicht gibt.“ Auch Stadtplaner Karsten Schröder musste eingestehen, dass die Verkehrsprobleme lösbar seien. Trotzdem befürwortet die Stadtplanung den Ausbau des nahegelegenen Sky-Marktes auf 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche und den Bau von 300 bis 400 Wohnungen. „Gibt es dafür Investoren oder ist das ein frommer Wunsch?“, wollte Christian Haider (Partei-Piraten) wissen. Schröder: „Wohnungsunternehmen haben Interesse gezeigt.“

Investor Schulze setzt auf die Bürgerschaft Ende April. Dort liegt ein Antrag mehrerer Fraktionen vor, dass endlich das Bebauungsplanverfahren gestartet werden soll.

Von Kai Dordowsky

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