Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Schlachthof-Gelände: Investor und Kaufland haben langen Atem
Lokales Lübeck Schlachthof-Gelände: Investor und Kaufland haben langen Atem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 10.09.2016
Der frühere Schlachthof hat sich in den vergangenen elf Jahren in ein Trümmerfeld verwandelt. Quelle: Lutz Roeßler
Anzeige
Lübeck

Zäh und ausdauernd verfolgen der nordfriesische Investor Thorsten Schulze und das Einzelhandelsunternehmen Kaufland ihre Baupläne auf dem ehemaligen Schlachthof-Gelände an der Schwartauer Allee. Schulze und Jörg Brauer, bei Kaufland für die Immobilienexpansion zuständig, versicherten bei einer von der BfL-Fraktion organisierten Begehung: „Wir verfolgen das Projekt über die Kommunalwahl im Jahr 2018 hinaus.“

 

„Vollsortimenter brauchen eine bestimmte Größe. Wir können nicht kleiner werden.“Jörg Brauer (Kaufland)
„Vielleicht ändern sich die politischen Verhältnisse in der Bürgerschaft.“Thorsten Schulze (Investor)

Schulze bemüht sich seit sieben Jahren, auf dem 31000 Quadratmeter großen Areal 130 Wohnungen zu bauen. Um die Investition von 25 Millionen Euro zu finanzieren, braucht Schulze den Einzelhandel mit mindestens 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Außerdem will er die Wohnungsbaugesellschaft Semmelhaack als Partner mit ins Boot nehmen. Die Elmshorner Gesellschaft hat in Lübeck bereits 800 Wohnungen.

Schulze hat das Gelände vom Vion-Konzern gekauft, der seinen Schlachthof vor elf Jahren einstellte. „Die Zahlung des Kaufpreises fällt an, wenn ich die Baugenehmigung habe“, erklärte der Investor bei der Begehung zwischen zerbrochenen Scheiben, zertretenen Türen und zugewachsenem Freigelände. Der Kaufvertrag ist bis Ende 2017 befristet, aber schon zwei Mal verlängert worden.

„Einige Teile der Verwaltung sehen meine Pläne nicht so gerne“, sagte der gelernte Schlachter. In der Bürgerschaft, die letztlich über die Baugenehmigung abstimmt, sieht der Investor die Hälfte der Abgeordneten auf seiner Seite, die andere Hälfte bei der Verwaltung. Die Stadtplanung hat den Politikern drei Varianten für das Gebiet vorgeschlagen – eine davon sind die Pläne von Schulze. Am 19.

September werden die Varianten im Bauausschuss diskutiert. Dann treten dort auch die Gutachter von Lademann und Cima auf, die zu entgegengesetzten Aussagen über die Auswirkungen der Kaufland-Ansiedlung gekommen sind (LN berichteten). Wenn der Bauausschuss eine Empfehlung abgibt, könnte die Bürgerschaft Ende September entscheiden.

„Gute Standorte brauchen ihre Zeit“, sagte Kaufland-Expansionschef Brauer. Das schwäbische Unternehmen, das zur Schwartz-Gruppe (Lidl) gehört, will sich in Norddeutschland ausbreiten. Bisher betreibt Kaufland drei Standorte: in Kiel, Henstedt-Ulzburg und Bad Segeberg. Außerdem hat Kaufland die Coop-Märkte in Bad Oldesloe und Itzehoe übernommen. Coop betreibt auch einen kleinen Sky-Markt an der Schwartauer Allee, der durch einen Kaufland in der Nachbarschaft akut gefährdet wäre. Brauer räumte ein: „In Lübeck findet Coop unsere Konkurrenz nicht so witzig.“

Die Verwaltung drängt auf einen kleineren Einzelhandel auf dem ehemaligen Schlachthof. Das ist mit Kaufland nicht zu machen. „Wir haben zuerst mit 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant“, sagte Brauer, „jetzt sind wir bei 3000, kleiner können wir den Vollsortimenter nicht machen.“ In Bad Oldesloe wird der Kaufland ebenfalls 3000 Quadratmeter groß, die gleiche Größe hat der Standort in Bad Segeberg. Brauer: „Richtig wohl fühlen wir uns zwischen 4000 und 5000 Quadratmetern.“

Investor Schulze will alle Bauten auf dem Gelände abreißen und 50 Prozent der Fläche entsiegeln. Allerdings war die Denkmalschutzbehörde vor Ort. Investor Schulze weiß nicht, was daraus folgt: „Ich kann dazu nichts sagen, es gibt nichts Schriftliches.“

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Lindenbündnis spricht von einer 27-monatigen Vollsperrung. Der Projektleiter widerspricht: Die Brücke wird maximal acht Wochen gesperrt.

09.09.2016

Drei Mitarbeiter aus dem Betriebshof des Stadtverkehrs im Ratekauer Weg werden zusätzlich bis Ende Oktober an der Priwallfähre eingesetzt.

09.09.2016

Am Sonntag ist für Freunde alter Bauten Wandertag in Lübeck: Historische Häuser, Kirchen und Industriedenkmale öffnen ihre Türen und Tore – Das Programm im Überblick.

11.09.2016
Anzeige