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Lübeck Schlachthof: Showdown im September
Lokales Lübeck Schlachthof: Showdown im September
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21:18 28.07.2016
Kein schöner Anblick: Der Schlachthof an der Schwartauer Allee wurde 2006 geschlossen. Seither passiert dort nichts. Investor Thorsten Schulze hat das Areal 2009 gekauft. Er will dort Wohnungen bauen und einen Kaufland ansiedeln. Doch der ist der Stadt viel zu groß. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

. Die Schlacht um den Schlachthof: Sie könnte am 4. September in die entscheidende Runde gehen. Dann wird das Thema im Bauausschuss neu diskutiert.

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Ist der geplante Kaufland auf dem brachliegenden Areal zu groß? – Zwei Gutachter-Büros kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen – Auch die Politik ist gespalten – Investor hofft auf eine Entscheidung.

Der Knackpunkt dabei ist die Ansiedlung eines Kauflandes mit 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Da stehen sich zwei Seiten unversöhnlich gegenüber. Die Gefechtslage ist klar: Auf der einen Seite der Investor Thorsten Schulze – auf der anderen Seite die Stadt. Dieser Kampf wird nun stellvertretend auch von zwei Gutachter-Büros geführt. Pro Kaufland spricht sich die Lübecker Beratungsfirma Cima aus. Dieses Gutachten aus 2009 hat der Investor Thorsten Schulze im vergangenen Jahr aktualisieren lassen. Contra Kaufland spricht sich indes die Hamburger Unternehmensberatung Lademann & Partner aus. Diese Expertise hat die Stadt in diesem Jahr beauftragt. Seit 2010 streiten sich Investor und Stadt über das 31000 Quadratmeter große und brachliegende Schlachthof-Areal.

„Ich würde mich freuen, wenn im September eine Entscheidung fällt“, so Schulze. Der Hintergrund: Er will auf dem Gelände 25 bis 26 Millionen Euro investieren und 130 Wohnungen bauen. Streitpunkt:

Dort will er außerdem einen Kaufland mit 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche inklusive Getränkemarkt, Apotheke, Frisör und Bäcker ansiedeln. Nach Schulzes Aussage muss der Kaufland so groß sein, damit er sein Projekt finanzieren kann. Doch 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche will die Stadt nicht. Sie hält das für viel zu groß. Daher gibt es nun zwei Gutachten zum Schlachthof – beide kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Ein Gutachter hat seine Sicht der Dinge im vergangenen Bauausschuss dargestellt – und die Haltung der Stadt unterstützt. „Der Kaufland hat eine Größenordnung, die es selten in der Hansestadt gibt“, argumentiert Gutachter Boris Böhm von der Firma Lademann. Für ihn ist klar, dass die Ansiedlung von Kaufland nicht nur zu mehr Wettbewerb führt, sondern: „Uns geht es um die städtebaulichen Folgen.“

In diesem Punkt unterscheide man sich vom Cima-Gutachten. Dabei sei man sich bei den Untersuchungen weitestgehend einig. Doch Böhm macht klar: „Cima und wir haben eine unterschiedliche Interpretation der Ergebnisse.“ Denn mit 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche sei der Kaufland deutlich mehr als ein Lebensmittelmarkt der Nahversorgung – und habe ein viel größeres Einzugsgebiet. In dieser Hinsicht sei Kaufland mit dem Citti-Markt vergleichbar. Damit wieder Gleichstand herrscht im Kampf der Experten, kommen die Gegengutachter von Cima am 4. September in den Bauausschuss.

Doch auch die politische Landschaft ist entzweit, wenn es um das Schlachthof-Areal geht. Pro Kaufland sind FDP und BfL. „Die Stadt hat eine Verhinderungsmaschinerie auf den Weg gebracht“, ärgert sich BfL-Fraktionschef Marcel Niewöhner. Dabei sei sie plötzlich erstaunlich rege. Es scheine jedes Mittel recht zu sein, „um den benachbarten Sky-Markt zu stärken und Kaufland in Lübeck zu verhindern“, wettert Niewöhner. Zudem gehöre der Sky-Markt „zur SPD-nahen Coop-Gruppe“. Die CDU ist ebenfalls für die Ansiedlung – wenn das Thema Verkehrs-Anbindung geregelt ist. Contra Kaufland sind SPD und GAL.

„Das ist doch eine bestellte Aussage“, sagt Ulrich Pluschkell zum Cima-Gutachten des Investors. Carl Howe macht klar: „Wir wollen keinen Kaufland verhindern, aber der Investor hält sich nicht an das Konzept der Stadt.“ Demnach dürfe dort kein großer Einzelhandel angesiedelt werden. Die Grünen sind unentschieden, wollen sich nach der Sommerpause positionieren.

Petitesse am Rande: Die beiden Gutachter-Büros standen sich schon 2010 gegenüber – im Streit um das Luv-Center bei Ikea. Allerdings damals mit vertauschten Rollen: Cima war für weniger Verkaufsfläche, Lademann für mehr. Die Stadt beauftragte Lademann. Das Gutachten befürwortete die zusätzlichen 24500 Quadratmeter Verkaufsflächen im geplanten Luv-Einkaufszentrum. Es würde die Region stärken, so die Experten. Das Cima-Gutachten lehnte das Shopping-Center hingegen als viel zu groß ab. Es gefährde die Innenstadt Bad Schwartaus. Die Studie hatten Wirtschaftsverbände der Region bezahlt.

Zehn Jahre Leerstand

125 Jahre lang wurden auf dem Areal Tiere geschlachtet. Zuletzt im Auftrag des niederländischen Konzerns Vion. Der schloss den Schlachthof allerdings 2006. Seither liegt die Fläche brach, die Gebäude verfallen. Investor Thorsten Schulze aus Nordfriesland hat das Areal 2009 erworben. Es gibt einen Kaufvertrag, bei dem er den Preis von drei Millionen Euro zahlt, wenn es innerhalb einer bestimmten Frist Baurecht gibt. Wie lange die geht, sagt Schulze nicht. Denn es könnte sein, dass die Stadt auf Zeit spielt – und wartet, bis die Frist ausläuft.

Josephine von Zastrow

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