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Schlachthof unter Denkmalschutz gestellt

Lübeck Schlachthof unter Denkmalschutz gestellt

Dicke Überraschung: Die Denkmalpflege hat den gesamten ehemaligen Schlachthof unter Denkmalschutz gestellt – als Ensemble. Bauvorhaben müssen jetzt mit der Behörde abgestimmt werden – Investor Thorsten Schulze macht weiter.

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Die Denkmalpflege hat den ehemaligen Schlachthof unter Denkmalschutz gestellt. Ab sofort müssen alle Baumaßnahmen abgesprochen werden.

LN-Bild

St. Lorenz Nord. Bauvorhaben müssen jetzt mit der Behörde abgestimmt werden – Investor Thorsten Schulze macht weiter.

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Davon betroffen ist nicht nur das viel diskutierte Schlachthof-Gelände direkt an der Schwartauer Allee, sondern ein weitaus größeres Areal bis hinunter zum Wallhafen. Denn: „Es handelt sich um ein städtebauliches Phänomen“, erläutert Denkmalpfleger Christoph Reinhart im Bauausschuss. Im Fachjargon heißt das Sachgesamtheit. Lübecks Schlachthof von 1928 ist einer von fünf ehemaligen Seegrenzschlachthöfen und als einziger erhalten. Die komplexe Anlage zum Schlachten von Tieren ist zwar recht verbaut und versteckt – aber dennoch ein architektonischer Zeuge des Industriezeitalters. Zudem sind einzelne Gebäude noch einmal extra unter Schutz gestellt: die beiden Torgebäude, die Viehtrift und die Hafenkante.

Das heißt konkret: Ab sofort müssen alle Baumaßnahmen auf dem Areal mit der Denkmalpflege abgesprochen werden. Das betrifft vor allem das Projekt von Investor Thorsten Schulze. „In dem Umfang habe ich nicht mit Denkmalschutz gerechnet“, sagt Schulze auf LN-Anfrage. Aber: „Ich gebe mein Projekt nicht auf.“ Er werde seine Pläne wieder überarbeiten. Schulze will auf dem 31000 Quadratmeter großen Schlachthof-Gelände an der Schwartauer Allee einen Kaufland mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten sowie 130 Wohnungen. Die Stadtplanung ist gegen den Supermarkt und will, dass dort nur Wohnungen gebaut werden. Der Streit zwischen Schulze und Stadt schwelt seit mehr als sieben Jahren. Jetzt sollte ein neuer Bebauungplan für das Gelände aufgestellt werden. Daher musste die Denkmalpflege ihr Urteil über den Schutz der Gebäude fällen.

„Der Denkmalschutz macht die Entwicklung des Geländes nicht einfacher – und wahrscheinlich auch teurer“, sagt Gregor Voht (Freie Wähler). Er kritisiert: „Die Stadt hat das Projekt von Schulze verschleppt.“ Daher sei der Schlachthof eine „Industrieanlage, die man nicht rechtzeitig abgerissen hat“. Durch die Änderung des Denkmalschutzgesetzes ist sie jetzt unter Schutz gestellt. Seit 2015 fällt die Unterscheidung zwischen einem einfachen und einem besonderen Denkmal weg. Jetzt gilt: Entweder ein Gebäude ist ein Denkmal, oder es ist kein Denkmal. Gegen die Entscheidung der Denkmalpfleger kann sich der Eigentümer nicht wehren – nur indem er Klage vor Gericht einreicht. Voht ist verärgert: „Das Ganze stimmt mich traurig.“

Unklar ist für die Politiker, ob auf dem Schlachthof-Gelände nun etwas gebaut werden kann oder nicht. „Wir haben auch ein Interesse daran, dass dort etwas passiert“, sagt Reinhart. Es müsste nicht alles erhalten werden. „Das muss man je nach Zustand der Objekte abwägen“, so Reinhart. Er regt an, dass sich Neubauten beispielsweise an die alten Gebäudekanten der Großschlachthalle orientieren.

„Man muss Kompromisse finden“, sagt er. Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) ergänzt: „Man legt einen städtebaulichen Entwurf über die Abmessungen des alten Schlachthofs.“ Aber eine neue Bebauung des Schlachthof-Geländes müsse an den konkreten Plänen geprüft werden. Boden: „Alles andere ist Kaffeesatzleserei.“ Damit kann Oliver Prieur (CDU) nichts anfangen: „Für mich ist das nicht in Ordnung.“

Wenn auf dem Gelände gebaut wird, „dann kann man als Laie doch sowieso nicht erkennen, dass das mal ein Schlachthof war“.

Historie der Anlage

1884 wurde der Schlachthof gegründet. Damals waren die hygienischen Verhältnisse in den privaten Schlachthäusern der Hansestadt desaströs, es kursierten Lebensmittelvergiftungen. Der Senat beschloss nach langem Streit, einen städtischen Schlachthof zu bauen.

Der letzte Gang für die Tiere begann am Wallhafen. Dort wurden die Tiere von den Schiffen getrieben und durch einen tunnelartigen Gang unter den Hafenbahngleisen entlang geschleust – bis zur Quarantänestation. Die wurde 1895 errichtet. Dort, wo früher bis zu 1000 Schweine gehalten wurden, stehen heute Autos. Die Ställe sind zu Garagen umgebaut worden. Die Ställe für 660 Rinder und die Pferde brannten 2011 ab.

Dann ging es weiter zu einer mächtigen Eisenbeton-Brücke – der Viehtrift. Sie ist drei Meter breit und hat 1,60 Meter hohe Wände, damit die Tiere nicht ausbüxen konnten. Ehemals ging diese 235 Meter lange Querung über die Bahngleise und die Katharinenstraße hinweg – bis direkt auf das Schlachthofgelände. Sie verrottet langsam, ist aber teilweise erhalten. Die Trift endet auf dem Schlachthof-Areal. Die Großschlachthalle aus den 20er-Jahren wurde am 1. Oktober 1929 eröffnet. Das einst stolze Bauwerk ist heute ziemlich versteckt hinter etlichen Anbauten. Im Verwaltungsgebäude lassen sich noch die Kacheln der Kantine erkennen. In Gänze erhalten sind nur noch die beiden Pförtnerhäuschen. Schwungvoll rahmen sie den Eingang ein. jvz

 Josephine von Zastrow

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