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Lübeck Schlägereien und Drogen: Polizeikonzept zeigt Wirkung
Lokales Lübeck Schlägereien und Drogen: Polizeikonzept zeigt Wirkung
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20:38 19.09.2017
14 Einsätze bei Schlägereien, zu denen mehr als zwei Streifenwagen zugezogen wurden, zählte die Polizei in drei Monaten. Quelle: FELIX KÖNIG
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Lübeck

Zwischen dem 7. Mai und 18. Juni mussten die Beamten zu zwölf Massenschlägereien ausrücken – zwei Einsätze waren in Eutin. „Ostholstein ist inzwischen unauffällig“, sagt Polizeidirektor Bernd Olbrich. Die Polizei erklärte den Bereich um den Zob und den Bereich um den Krähenteich Anfang Juli zu gefährlichen Orten, an denen ohne Anlass Personen kontrolliert werden dürfen. Dann intensivierte sie ihre Kontrollen und ihre Zusammenarbeit mit Streetworkern, Schulleitern, Jugendarbeitern und Drogenberatern.

Zwischen dem 1. Juni und dem 1. September wurden 100 Personen überprüft und 15 Strafverfahren eingeleitet. Die Schlägereien gibt es weiterhin – 14 zählten die Beamten in den drei Monaten. Polizeidirektor Olbrich: „Es sind weniger als im Frühsommer – und sie sind durch polizeitaktische Maßnahmen beherrschbar.“

Die anfängliche Vermutung, dass es sich bei diesen Auseinandersetzungen um ethnische Konflikte handelt, wurde nicht bestätigt. „Wir haben bisher keine Hinweise auf strukturelle Konflikte zwischen verschiedenen Volksgruppen“, sagt Olbrich. Die Vermutung war aufgekommen, weil an den Massenschlägereien auffällig viele Flüchtlinge beteiligt waren. Eine Beobachtung, die auch andere machten. Reiner Christ vom Internationalen Bund und Chef von Streetworkern: „Junge Menschen mit Fluchterfahrungen sind zum Teil mit in den Auseinandersetzungen eingebunden gewesen.“

Mittlerweile wissen die Beamten aber, dass in mehreren Fällen zwar viele Menschen bei den Auseinandersetzungen zugegen waren, sich aber nur wenige prügelten oder mit Hieb- und Stichwaffen bedrohten. Von den 15 Strafverfahren – zumeist wegen Körperverletzung – betreffen sechs Nicht-Deutsche. „Wir sind froh, dass es augenscheinlich zu keinen weiteren Steigerungen gewalttätiger Auseinandersetzungen gekommen ist, sondern es vielmehr im Verlauf des Sommers wieder entspannter und ruhiger geworden ist“, sagt Christ.

Parallel zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen veränderte sich plötzlich die Drogenszene. Der Treffpunkt an der Krähenstraße ist etabliert, doch die Polizei stellte neue Treffpunkte fest – in der Moislinger Allee, am Zob und sogar am Kaufhof. Die wurden durch ständige Kontrollen aufgelöst. „Wir haben in den drei Monaten 350 Personen aus der Drogenszene kontrolliert“, berichtet Polizeidirektor Olbrich. In 157 Fällen wurden Strafverfahren eingeleitet und Drogen – hauptsächlich Haschisch, Marihuana und Heroin – sichergestellt. Die Hälfte der Kontrollierten waren Deutsche, die andere Hälfte Nicht-Deutsche. Und von diesen 30 Prozent Flüchtlinge aus dem Irak, Iran, Afghanistan und Syrien. Die Annahme, dass es zwischen der ausufernden Drogenszene und den Massenschlägereien einen Zusammenhang geben könnte, habe sich nicht bestätigt, sagt Olbrich.

Die Awo-Drogenhilfe hat sich die neuen Treffpunkte ebenfalls angeschaut. Für den Zob kann Karin Mechnich, Leiterin der Awo-Drogenhilfe, Entwarnung geben. „Meine Kollegen sind mehrfach im Bereich des Zob gewesen. Von den Mitarbeitern des Lübecker Stadtverkehrs wurde mitgeteilt, dass es dort deutlich ruhiger geworden sei“, berichtet Mechnich: „Wir werden weiterhin Kontakt halten und die Situation beobachten.“

Die Polizei wird ihr Konzept fortsetzen und beide Entwicklungen genau beobachten. Bei der Drogenszene in der Innenstadt sei die Stimmung unruhig und angespannt, berichtet Mechnich: „Unklar ist jedoch, ob das wirklich mit den Kontrollen zusammenhängt oder auch andere Dinge eine Rolle spielen.“

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