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Lübeck Schlafen wie die Nomaden
Lokales Lübeck Schlafen wie die Nomaden
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21:15 18.08.2017
Eine Familie aus der Mongolei ist fasziniert von Luisa Rische und ihrem Drahtesel „Anton“. Sofort teilen sie ihr Fleisch mit der Weltradlerin. Quelle: Foto: Privat

Auf den Straßen Ulan Bators regiert der Stärkere. Als Radlerin gehöre ich nicht dazu. Dennoch schaffe ich es lebend an allen drängelnden Autos vorbei und über eine Straße hinweg, die mehr mit einem Schweizer Käse gemein hat als mit einer Straße. Auf meinem Weg aus der Zivilisation heraus treffe ich auf einen französischen Radfahrer. Wir fahren einige Kilometer zusammen, lassen uns von einem Kleinlaster ziehen, bevor sich unsere Wege in Nalaich wieder trennen.

Nach ein paar ruhigen Tagen geht es für Weltradlerin Luisa Rische jetzt in die Wüste Gobi.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Ich verbringe die erste Nacht im Freien am Fluss Tuul im Gorchi-Tereldsch-Nationalpark. Nach dreieinhalb Wochen im Stillstand oder in Zügen und einer Magen-Darm- Grippe haut mich der erste Tag zurück im Sattel völlig aus den Socken. 13 Stunden verbringe ich erschöpft im Land der Träume, bis ich unter die Lebenden zurückkehre. Kaum hängt mein Haushalt am Fahrrad, fängt mich eine mongolische Familie ab. Sie staunen über das vollgepackte Fahrrad und halten mir eine Plastiktüte mit Fleisch und Knochen entgegen. Ich zögere kurz, weil ich mir nicht sicher bin, ob mein Magen das schon wieder verkraftet, aber abzulehnen wäre ziemlich unhöflich. Ich greife zu. Das Fleisch schmeckt köstlich. Um mich zu bedanken, schenke ich den Kindern eine Packung deutscher Kekse.

Es geht wieder aus dem Nationalpark heraus, über Geröllwege und asphaltierte Straßen zur größten Reiterstatue der Welt. 30 Meter hoch thront Dschingis Khan ganz in Silber auf einem zehn Meter hohen Gebäude. Ein Fahrstuhl führt zum Kopf des Pferdes, dessen Aussichtsplattform einen Blick über Steppe, Täler und Berge bietet.

Weil ich in drei Tagen mein Visum für China in Ulan Bator abholen muss, kehre ich zum Nationalpark zurück. Auf dem Weg treffe ich Bert, der mit seinem Geländewagen neben mir hält. Der ausgewanderte Holländer betreibt ein Ger-Camp – so heißen die Zelte der Nomaden – im Nationalpark und lädt mich ein, dort zu übernachten. Weil er erst am nächsten Tag zum Camp zurückfährt, verabreden wir, dass ich der Straße folge und er mich irgendwann einsammelt. Am folgenden Tag halte ich zunächst am Turtle Rock an, am Schildkrötenfelsen. Die Touristen, die gerade noch vor dem Stein posierten, stürzen sich plötzlich auf ein neues Ziel: mich. Das radelnde Rundauge lässt Koreaner, Chinesen und Mongolen staunen, der Turtle Rock ist schnell vergessen.

Am Nachmittag holt Bert mich ein. Gepäck und Fahrrad landen im Geländewagen, dann fahren wir zu einem Fluss. Ohne Brücke. Ohne Fahrspur. Bert verriegelt den Wagen, ich nehme meinen Helm aus dem Fußraum auf meinen Schoß – als ob das helfen würde – dann geht es durch den Fluss.

Das Camp ist eine Oase der Ruhe und der Sicherheit mitten in der Einsamkeit des Nationalparks. Zwei Tage verweile ich in dieser Oase, klettere mit Yorick, einem Reisenden aus Holland, auf die Gipfel ringsum, schlafe wie die Nomaden im Ger und lerne ein Pärchen aus Leipzig kennen. Es gibt Unmengen an Essen: Joghurt, Hähnchen, Melone, Käse, Brokkoli, Kartoffeln, Spiegelei, Gemüsesuppe. Ich könnte ewig im Camp bleiben, doch am Montag bringt Bert mich zurück nach Ulan Bator. Dann breche mit „Anton“ auf zur Wüste Gobi.

Luisa Rische

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