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Lübeck Schlechte Luft: Wallstraße sehr stark belastet
Lokales Lübeck Schlechte Luft: Wallstraße sehr stark belastet
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22:46 23.06.2017
Stau in der südlichen Wallstraße zwischen Possehlstraße und Mühlendamm – so sah es über Monate aus, weil die Possehlbrücke nur in eine Richtung befahrbar war. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, Michael Hollinde
Innenstadt

 An einem Messpunkt in der Wallstraße wurden höhere Stickstoffdioxid-Werte gemessen als in der Fackenburger Allee. Die ist die am meisten belastete Straße in Lübeck. Stickstoffdioxid ist ein schädliches Gas, das die Atemwege angreifen kann. „Verglichen mit anderen Lübecker Werten ist die Belastung in der Wallstraße relativ hoch“, sagt Barbara Schäfers vom Umweltamt.

Im September 2016 installierte die Umweltbehörde vier Passivsammler, die Röhrchen enthalten, in denen sich die Schadstoffe sammeln. Drei Sammler hängen auf der Seite mit den Häusern, einer auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit der Vegetation. Am 28. September starteten die Messungen. Einmal im Monat wurden die Röhrchen eingesammelt und zur Lufthygienischen Überwachung Schleswig-Holstein geschickt. Dort wurden die Proben analysiert. Bis Mai gibt es jetzt Monatsmittelwerte. Und die zeigen, dass die Stickstoffdioxid-Belastung auf der Häuserseite höher ist als gegenüber. In drei Sammlern waren die Konzentrationen vor allem in den Wintermonaten hoch. Spitzenwerte von 47 Mikrogramm je Kubikmeter Luft erzielte ein Messgerät, das an der engsten Stelle der Wallstraße steht. Die Werte liegen höher als die Monatsmittelwerte in der Fackenburger Allee. Barbara Schäfers führt das auf die Staus zurück: „Das ständige Anfahren und Abbremsen haut die Schadstoffe nur so raus.“

Hauptverursacher seien alte Dieselfahrzeuge.

„Die Wintermonate bereiten mir Sorgen“, erklärte FDP-Umweltpolitiker Rolf Müller, der die Messungen beantragt hatte, „wir sollten den Anwohnern sagen, dass sie die Fenster zur Straße geschlossen halten sollten.“ SPD-Umweltpolitiker Marek Lengen: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Werte höher liegen als die in der Fackenburger Allee.“ Lufthygiene-Experten messen den Werten nur eine begrenzte Aussagekraft zu. „In der Wallstraße herrschte eine Zeitlang eine ungewöhnliche Situation“, erklärt Heike Mayer von der Lufthygienischen Überwachung in Itzehoe. Außerdem sei die hohe Konzentration nur an einem Sammler aufgetreten, nicht über den ganzen Straßenzug hinweg. Für amtliche Maßnahmen wie Luftreinhaltepläne würden die Werte nicht ausreichen. Eine Sperrung der Wallstraße für den Autoverkehr würde das Problem nur in andere Straßen wie beispielsweise den Moislinger Berg oder die Baltische Allee verlagern, sagt Verkehrsplaner Nils Weiland.

Alle Behördenvertreter gehen davon aus, dass die Werte weiter heruntergehen, weil seit Ende April die Possehlbrücke wieder beidseitig befahrbar ist. „Durch die Einrichtung der Baustellenampel an der Possehlbrücke hat sich die Verkehrssituation in der Wallstraße merklich entspannt“, bestätigt Weiland.

Für Umwelt- und Klimaexpertin Schäfers ergeben sich drei Schlussfolgerungen: Der Autoverkehr müsse reduziert werden, neue Wohngebiete dürften nicht zu dicht bebaut werden, und Umleitungen sollten nicht durch Wohnstraßen führen. Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) wird die Erkenntnisse aus der südlichen Wallstraße in die Diskussion einbringen, ob die Ampelschaltung an der Possehlbrücke beibehalten oder wieder aufgegeben wird. Hinsen kündigte zudem an, dass es eine grundsätzliche Debatte über weniger Autoverkehr geben werde.

Weiter viel Verkehr

40 Mikrogramm pro Kubikmeter Außenluft ist der gesetzliche Grenzwert für Stickstoffdioxid. Das ist ein Jahresmittelwert. Wird der überschritten, müssen Kommunen reagieren.

14000 Kraftfahrzeuge wurden vor der Brückensanierung in der südlichen Wallstraße gezählt, im November 2016 waren es 15280 und im Mai 2017 genau 15700. Die Zahl in Richtung Mühlenteller hat abgenommen, die in der Gegenrichtung seit der Ampelschaltung an der Possehlbrücke noch zugenommen.

 Kai Dordowsky

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