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Lübeck Schlimmer Verdacht: Zehnjährige auf Kleingartengelände vergewaltigt
Lokales Lübeck Schlimmer Verdacht: Zehnjährige auf Kleingartengelände vergewaltigt
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21:26 18.08.2015
Die Tat ereignete sich offenbar in der Kleingartenanlage Rothenhausen.
Lübeck

Es ist eine grausame Tat. Ein zehnjähriges Mädchen ist im Kleingartengelände Rothenhausen missbraucht worden. Der Vergewaltiger zog das Kind in eine seit drei Jahren verlassene, zugewucherte Parzelle voller Büsche, Hecken und schlecht einsehbarer Winkel. Der Täter schlug am helllichten Tag zu, trotzdem scheint keiner von dem Übergriff etwas mitbekommen zu haben.

Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach dem mutmaßlichen Täter. Phantombild: Polize

Der schreckliche Vorfall ereignete sich bereits am Mittwoch, 5. August, gegen 15 Uhr — also heute vor zwei Wochen. Doch erst gestern ging die Polizei damit an die Öffentlichkeit. „Wir haben zunächst normal ermittelt“, begründet Behördensprecher Ulli Fritz Gerlach die lange Verzögerung. „Es wurden Zeugen befragt, dann wurde noch der richterliche Beschluss zur Veröffentlichung des Phantomfotos benötigt.“

Der Täter soll „relativ klein und sehr schlank“ sein, konkreter werden die Ermittler in dem Punkt nicht — auch zum Alter hüllen sie sich in Schweigen. Allerdings soll der Vergewaltiger eine Tätowierung an einem der beiden Oberarme haben, außerdem hatte er Wunden an Stirn und Ohr. Gerlach: „Diese könnten aber inzwischen verheilt sein.“ Während des Übergriffs trug der Vergewaltiger eine blaue Jeans und graue Schuhe. Auf dem Phantombild trägt er zudem ein T-Shirt mit Stierschädel und dem Schriftzug „HOM“. Die Kriminalpolizei nimmt Hinweise unter Telefon 0451/1310 entgegen.

Wie groß der Erfolg des verspäteten Zeugenaufrufs ist, bleibt offen.

Detailliertere Angaben zum Gesundheitszustand der Zehnjährigen oder wie es zu dem Überfall kam, macht die Polizei derzeit nicht. Sie ermittelt wegen „des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes“. Nach LN-Informationen konnten bereits DNA-Spuren des Täters sichergestellt werden. Die Behörde will dies nicht bestätigen.

Detlef Hardt, Lübecks Vorsitzender der Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring, nennt die Vergewaltigung der Zehnjährigen „widerlich, abscheulich und menschenverachtend“. Die Familie des Mädchens hat sich bereits an sein Team gewandt, der Zehnjährigen gehe es den Umständen entsprechend. „Dankenswerterweise hat die Kripo sofort den Kontakt hergestellt“, sagt Hardt. So erhalte das Kind professionelle Hilfe in Form einer intensiven Psychotherapie.

Innerhalb des Kleingartengeländes zwischen Schönböckener und Ziegelstraße sind die Parzellen-Besitzer erschüttert. „Das ist einfach nur eklig“, sagt Haydar Elban (58). „Jemand, der so etwas macht, ist kein Mensch.“ Petra Spitzkat sagt, jetzt sei „nichts mehr wie vorher“. Klar, Einbrüche habe es hin und wieder gegeben, aber eine Vergewaltigung könne sie nicht fassen. „Sehr beängstigend“, sagt die 55-Jährige. Das Gelände hat mehr als 320 Parzellen und steht rund um die Uhr offen. „Vielleicht sind die beiden sich zufällig begegnet“, sagt Kleingärtner Alfred Gnatkowski. Es sei „ein seltsames Gefühl“, wenn er daran denke, dass er vielleicht im Garten war, während nur einige Meter entfernt eine Zehnjährige vergewaltigt wurde. „Hoffentlich finden sie ihn.“

Auch Opferschützer Hardt hofft auf eine zügige Aufklärung. „Dazu sind wir alle aufgerufen.“ Wer wegschaue, „macht sich mitschuldig“. Zu oft würden Vergewaltigungen verschwiegen, bloß fünf bis sieben Prozent der Fälle angezeigt. Hardt: „Das Dunkelfeld dürfte weitaus höher sein.“ 2014 wurden in Lübeck 32 Vergewaltigungen und 29 Mal sexueller Missbrauch von Kindern registriert — die Aufklärungsquote lag bei 72 und knapp 52 Prozent.

Peer Hellerling

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