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Lübeck Schlutuper bauen Wohnbox für Obdachlosen
Lokales Lübeck Schlutuper bauen Wohnbox für Obdachlosen
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15:34 22.12.2018
Nicole Drostel und Christopher Hoseit (Eventagentur DDT) präsentieren die erste fertige Box. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Schlutup

Noch steht die kleine Holzbox auf der Auffahrt von Nicole Drostel. Es ist Kiste aus Sperrholzplatten auf Rädern, dazu kleine Fenster, ein Linoleumdach und ein mit PVC beschichteter Fußboden. Die kleine Box kann im Zweifel Leben retten. Denn die Schlutuper wollen das Zuhause auf Rädern einem Obdachlosen schenken, der darin in kalten Winternächten schlafen kann.

So sieht die Wohnbox aus. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Angefangen hat alles vor rund zwei Monaten. Am Hafen hat Nicole Drostel einen Obdachlosen bemerkt, der auf einer Bank geschlafen hat. „Da habe ich sofort gedacht, da muss sich doch einer kümmern.“ Wenn die Drostels Pizza bestellt haben, haben sie dem Obdachlosen auch eine liefern lassen. Hin und wieder brachten sie ihm Essen vorbei. „Andere Anwohner haben das ebenfalls gemacht. Wir haben dem Mann auch ein Zelt geschenkt und eine Folie, die es etwas windsicher machen soll“, erzählt die Schlutuperin.

Wohnbox für den Winter

Doch wenn die Nächte kälter werden, haben die Schlutuper trotzdem kein gutes Gefühl. Deshalb hat das Ehepaar Drostel im Internet nach einer Lösung gesucht und ist dabei auf eine Wohnbox auf Rollen gestoßen. Die Kiste aus Holz ist 2,50 Meter lang und je 1,50 Meter hoch und breit. „So kann der Mann sie im Zweifel noch selbst fortbewegen“, sagt Drostel. Schnell hat sie nach Mitstreitern gesucht, um das Projekt in die Tat umzusetzen. Und sie wurde fündig. Die Diskothek Seh-Sie, die Eventagentur DDT, die Tischlerei Tom’s Design, der Glasermeister Kath, City Plott, Der Kfz-Handel Leferenko, der Dackdecker Thomas Timmermann, das Lackierzentrum Chris Concepts, die Fischräucherei Peter Steffen, Fair Car, der Baumarkt Obi und das Blumengeschäft Immergrün unterstützen das Vorhaben. „Ich hoffe, dass unser Beispiel Schule macht“, will Drostel ein Vorbild für andere Stadtteile sein.

2000 Euro pro Box

Mittlerweile ist der Prototyp fertig und soll bald in der Praxis getestet werden. „Der Mann, für den sie eigentlich gedacht war, ist leider mittlerweile in eine geschlossene Einrichtung gekommen“, erzählt Nicole Drostel. Sie hat aber bereits Kontakt zur Vorwerker Diakonie aufgenommen. „Hauptsache, irgendjemand profitiert davon“, sagt sie. „Wir freuen uns sehr, dass die erste Box nun fertig ist und es so viele Menschen gibt, die geholfen haben.“ Im Januar soll ein Verein gegründet werden, er soll „Ein Dach mit Herz“ heißen. Dann wollen die Drostels auch Spenden akquirieren. 2000 Euro kostet die Herstellung einer Box. „Immer wenn wir den Betrag haben, wollen wir eine neue Wohnbox in Angriff nehmen“, sagt die Lübeckerin.

„Menschen, die etwas bewegen“

Auch Kai Schäfer, Pastor in der Fischerkirche, freut sich über das große Engagement. „Ich finde es schön, wenn Menschen aus Nächstenliebe helfen. Es ist toll, dass die Leute in Schlutup hinschauen“, sagt er. „So wird etwas bewegt. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen das tun.“ Und die Hilfe soll nachhaltig sein. Denn die Ehrenamtler haben sich auch Gedanken gemacht, wie die Kiste Regen und Schnee übersteht. „Sie steht auf Rollen und rottet daher nicht durch. Außerdem ist für eine ausreichende Belüftung gesorgt“, erklärt Nicole Drostel. Rechtlich wird sie als Gebäude ohne Aufenthaltsraum, Toilette und Feuerstätte gewertet. Sie darf laut der Stadt verfahrensfrei aufgestellt werden.

Maike Wegner

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