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Lübeck Schmuddelecke soll zum Vorzeigeplatz werden
Lokales Lübeck Schmuddelecke soll zum Vorzeigeplatz werden
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22:01 28.10.2016
Baugerüste, Absperrungen, Stolperfallen: Rund um den Marienkirchhof gibt es viel zu tun. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Klassische B-Seite: Am Markt leuchtet die Fassade des altehrwürdigen Rathauses – dahinter ist es schäbig. Das soll sich ändern. Das Areal im Herzen der Altstadt erhält eine Frischzellenkur. Dabei geht es um das Gelände rund um den Marienkirchhof und den benachbarten Rathaushof. Die Gemeinde St. Marien will den Kirchhof für 1,2 Millionen Euro auf Vordermann bringen. Der Rathaushof soll ebenfalls schöner werden.

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Mit Kiosk, Bänken und WC werden Marienkirchhof und Rathaushof aufgewertet.

„Das ist eine Hauptachse der Touristen“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. „Wir wollen, dass es dort wieder ein frisches Flair gibt.“ Er hat die Schönheitskur vor drei Jahren angeschoben. Jetzt kommt das Projekt in Gang. Dabei geht es vor allem um das Gelände zwischen Marienkirche und Rathaushof. Das 2123 Quadratmeter große Grundstück gehört der Stadt. Es ist derzeit eher verdreckter Hinterhof und vernachlässigte Schmuddelecke. Das Areal wird als öffentliches Klo missbraucht. Außerdem werden dort immer wieder Autos abgestellt. Ein Stromaggregat steht mitten auf dem Gehweg. Der Boden ist teils gepflastert, teils geteert. Kein schöner Anblick.

Für St. Marien ist dieser Platz ebenfalls ein Touristenmagnet, hat gut 400000 Besuchern im Jahr. „Dafür lohnt es sich wirklich“, sagt Pastorin Annegret Wegner-Braun, die Vorsitzende des Bauausschusses von St. Marien ist. Die Gemeinde will das Gelände auf 99 Jahre für einen Euro von der Stadt pachten. Dafür verpflichtet sich die Kirche, 1,2 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren zu investieren. Die Bürgerschaft hat den Pachtvertrag noch nicht abgesegnet. Die Details werden gerade verhandelt. „Ich bin sicher, dass wir das in diesem Jahr abschließen“, erklärt Wegner-Braun. So darf der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt weiter dort stattfinden, auch dürfen Staatskarossen mit Würdenträgern dort halten, wenn sie im Rathaus empfangen werden.

Aber klar ist: „Wir wollen aus dem Platz ein Schmuckstück machen“, sagt Wegner-Braun. Für die Neugestaltung soll es einen Wettbewerb geben, alles wird öffentlich vorgestellt. „Die Aufenthaltsqualität soll steigen“, so die Pastorin. Einen Bereich für Ruhe und Besinnung soll es geben, einen für Aktivitäten. Die Gemeinde will das Gotteshaus künftig frei von Kommerz halten – und solche Angebote nach draußen auf den Kirchhof in Richtung Rathaus verlagern. Dort soll ein Kiosk für den Verkauf von Postkarten und Büchern gebaut werden. Derzeit ist er direkt an der Eingangstür in der Kirche. Außerdem sollen im Kirchhof die Empfänge nach Hochzeiten, Konfirmationen und Taufen stattfinden.

Ein Café auf dem Platz steht ebenfalls auf der Wunschliste. Da im angrenzenden Rathausanbau bereits ein Restaurant ist, könnten beide Seiten profitieren. Die Idee: Bislang stehen Tische und Stühle im Innenhof des Rathauses. Das Café könnte sich aber auch zum Marienkirchhof erweitern. Der Rathaus-Anbau aus den 50er-Jahren steht unter Denkmalschutz und gehört der Stadt. Sie hat die Fläche im Erdgeschoss verpachtet. Jetzt hat sie dem Pächter zur Auflage gemacht, sein Café vom Charme der 70er-Jahre zu befreien – und neue Tische, Stühle und Schirme nach draußen zu stellen.

Rund um dieses Areal wird aber ebenfalls kräftig investiert. So wird seit Herbst auf dem benachbarten Stadthaus-Gelände das neue Motel One gebaut. Kosten: acht Millionen Euro. Das 122-Zimmer-Hotel soll Anfang 2018 eröffnet werden. Außerdem soll auf der anderen Seite von St. Marien das neue Buddenbrookhaus entstehen. Das Museum wird für 18 Millionen Euro runderneuert und teils neu gebaut.

Eröffnung könnte 2020 sein.

Mittelalterlicher Markt

Bald wird es auf dem Marienkirchhof wieder mittelalterlich: Mägde, Gaukler und Musiker in historischen Gewändern, auch Holzschnitzer oder Zinngießer sind unter dem Volk, das dort jedes Jahr zu Weihnachten zu finden ist. Vom 21. November bis zum 23. Dezember gibt es auf dem Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt täglich ab 11 Uhr die Gelegenheit, Brot aus historischem Ofen zu probieren oder Lautenmusik zu lauschen.

 Josephine von Zastrow

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