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Lübeck Schnäppchenjagd auf herrenlose Drahtesel
Lokales Lübeck Schnäppchenjagd auf herrenlose Drahtesel
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08:52 23.10.2013
Insgesamt 209 Fahrräder sind gestern bei der Auktion auf dem Lübecker Markt am Rathaus versteigert worden. Auktionatorin Silke Döhring bringt die Fundstücke unter den Hammer. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die Sonne strahlt gestern auf den Lübecker Markt am Rathaus, als wolle sie die Fahrräder in besonders gutem Licht erscheinen lassen. Eine Menschenmenge hat sich dort gebildet, Schnäppchenjäger begutachten die Fundräder, ehe es ans Eingemachte geht. Ab 14 Uhr sollen bei der Auktion 209 Herren-, Damen- und Kinderräder, Rennräder und Mountainbikes verscherbelt werden, die in den vergangenen zwölf Monaten in Lübeck und Travemünde vom Ordnungsamt aufgefunden worden sind und deren Besitzer nicht ausfindig gemacht werden konnten.

Je nach Zustand werden für die Zweiräder zwischen einem und 350 Euro bezahlt. Im Schnitt kommen sie für etwa 50 Euro unter den Hammer. „Manche sind wie nagelneu“, sagt Silke Döhring, Mitarbeiterin der Hanseatischen Auktionatoren mit Sitz in Ratekau (Ostholstein). Sie ist die Nachfolgerin des beliebten Auktionators Wolfgang Mutz, der im Juli im Alter von 66

Jahren verstorben ist.

Silke Döhring steigt auf die Bühne und begrüßt die rund 200 Schaulustigen und Kaufwilligen. Mütter, Väter, Senioren, Schüler und Studenten hoffen, hier ein Schnäppchen zu machen. Doch die Konkurrenz schläft nicht, wie Thomas Jürs feststellt. Der 18-Jährige, der gerade erst für sein Studium nach Lübeck gezogen ist und dringend ein neues Rad braucht, bietet gerade auf ein Herrenrad. Noch etwas unentschlossen hebt er die Hand. „26 Euro, zum Ersten — 28 Euro — 30 — 32 zum Ersten, zum Zweiten . . . “ Bei 38 Euro steigt der Student aus, das Fahrrad geht an einen anderen. Noch ist die Auswahl groß, noch bieten sich viele Chancen, einen schönen Drahtesel zu finden. Schon preist Silke Döhring das nächste Exemplar an. „Ich muss richtig Tempo machen. Bei über 200 Fahrrädern sollte jedes innerhalb von zwei Minuten versteigert sein“, erklärt sie. Schließlich sollen bis zur Dunkelheit alle Räder an den Mann gebracht werden.

Nora Kiolbassa (20) hat ihr Lieblingsstück schon gefunden. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt die Medizinstudentin, die mit ihrer Clique im Auktionsfieber ist. Sie hat 65 Euro bezahlt. Die junge Frau war nicht die einzige, die ein Auge auf das grüne Damenrad geworfen hatte. „Es gab fünf Mitbieter“, sagt sie. Das Rad der Marke Sparta wäre ihr auch noch mehr wert gewesen. „Aber bei 80 Euro wäre Schluss gewesen.“ Mit ihrer Wahl ist sie auch bei näherer Betrachtung zufrieden: „Es hat einen total schönen Rahmen, eine schöne Lampe, und die Farbe gefällt mir auch richtig gut.“ Auch Kommilitonin Julia Hansen (20) hat ein Schnäppchen erbeutet: „Mir wurde am Freitag mein Rad geklaut“, erzählt sie. Für 40 Euro hat sie jetzt ein schönes Damenrad erstanden, das den ersten Test schon einmal besteht: „Die Bremse funktioniert.“ An dem Rad, das Medizinstudent Martin Meyer (28) ergattert hat, gibt es noch einiges zu tun. „Die Reifen sind platt, und es ist nicht verkehrssicher, aber ich habe Lust, etwas daran zu machen“, sagt er. In Lübeck sei es wegen der vielen Fahrraddiebstähle sinnvoll, ein gebrauchtes Rad zu ersteigern.

Mit jedem Hammerschlag werden es weniger Räder auf dem Markt. Dafür werden die Menschen mehr, die glücklich davonradeln. Mancher schiebt auch, wird zu Hause in Ruhe seine Beute inspizieren. Und auch Räder, die nicht fahrtüchtig sind, die kaum einer haben will, finden Interessenten. „Ich habe das Rad gesehen und mir gedacht: Das kann ich für den Kunstunterricht verwenden“, sagt Jonas Tönse (16).

Das Kunstobjekt hat ihn 2,36 Euro gekostet.

Fundbüro: Alles muss raus
Heute geht es weiter mit der Versteigerung. Ab 14 Uhr kommen im Gemeinschaftshaus Karlshof, Hofweg 11a, in Karlshof Brillen, Uhren, Schmuck, Kleidung, Spielzeug, Kinderwagen, Regenschirme, Fahrradhelme, Bücher und diverse andere Alltagsgegenstände aus dem Fundbüro unter den Hammer.
• Die Liste der Objekte kann im Internet auf der Seite www.hanseatische-auktionatoren.de unter „Auktionstermine“ eingesehen werden.

Melina Ulbrich

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