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Lübeck Schönheitskur für Lübecks schäbige Ecken
Lokales Lübeck Schönheitskur für Lübecks schäbige Ecken
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10:27 13.10.2016
Pergamentmachergang: Der Straßenname klingt verwunschen, doch der Ort selbst ist es nicht. Deshalb will die Stadt den Südosten der Altstadt jetzt verschönern – und hofft auf Fördergelder. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

„Das ist eine sehr entscheidende Anstoßwirkung“, sagt Chef-Stadtplaner Karsten Schröder.

Der Südosten der Altstadt soll Sanierungsgebiet werden – Das Land entscheidet im kommenden Jahr darüber – Betroffen sind gut 1000 Grundstückseigentümer.

In einem so ausgewiesenen Gebiet „ergeben sich Impulse, die sonst nicht in dem Maße oder der Qualität da wären“. Denn nicht nur die Stadt profitiert von den Fördergeldern, sondern auch Privatleute.

Aktuell geht es um den Bereich von Hundestraße bis zur Mühlenstraße sowie den Markt und den Marienkirchhof. Denn in diesem Gebiet sind Lübecks schäbige Altstadtecken. Beispiele: der Platz an der Krähenstraße, der Bereich rund um die Rehderbrücke oder der Pergamentmachergang. Dort würde die Stadt selbst investieren. Aber es geht auch um Privathäuser, die auf Vordermann gebracht werden.

Betroffen sind 1000 Eigentümer, die Fördergelder für die Sanierung ihrer Häuser erhalten können.

Allerdings: Die Grenzen des Sanierungsgebietes sind noch nicht festgezurrt. Sie können sich ändern. Derzeit untersucht die Stadt das Gebiet und hat bereits zwei öffentliche Veranstaltungen dazu organisiert. Anfang 2017 soll dann ein Konzept für den Südosten der Altstadt stehen. Darin muss die Stadt darlegen, welche Straßen und Plätze anders gestaltet werden sollen – und vor allem wie. Das Land muss den Plan absegnen. Mitte des Jahres könnte die Bürgerschaft dann darüber entscheiden. Damit hätte die Hansestadt ein neues Sanierungsgebiet; meist für eine Dauer von zehn bis 15 Jahren.

Das Ziel: Mit den Millionen soll das Niveau des gesamten Wohnviertels angehoben werden.„Mit dem Programm wird vor allem der Wohnstandort deutlich gefördert“, erklärt Projektleiterin Birgit Maaß von der Stadtplanung. So hat die Stadt durch ausgewiesene Sanierungsgebiete seit den 70er-Jahren mittlerweile fast die Hälfte der Altstadt verschönert. Dort, wo einst Ratten die Innenhöfe bevölkerten, gibt es heute Spielplätze, Bänke, lauschige Ecken. Außerdem haben etliche Privatleute ihr Haus saniert. Dadurch hat sich das Flair in der Altstadt positiv verändert und die Aufenthaltsqualität erhöht.

Für den Südosten der Altstadtinsel will die Stadt möglichst viele Millionen Euro aus dem Fördertopf bekommen. Allerdings: Wie viel Geld Bund und Land genau dafür ausgeben, steht noch nicht fest. Sie finanzieren das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz jeweils zu einem Drittel, ein weiteres Drittel muss die Stadt dazugeben. Das Geld fließt auf ein Treuhandkonto bei der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“. Sie zahlt das Geld dann für Sanierungsprojekte in dem Gebiet an die Stadt und die Grundstückseigentümer aus.

Vor-und Nachteile für Grundstückseigentümer im Sanierungsgebiet

Vorteile: Saniert der Grundstückseigentümer sein Haus, gibt es Geld vom Staat. In der Vergangenheit waren das in etwa 20 Prozent der Sanierungskosten. Wer ein denkmalgeschütztes Haus hatte, konnte sogar mit 30 Prozent rechnen. Wie hoch der Zuschuss diesmal ausfällt, ist noch offen. Denn das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz ist neu, das alte Förderprogramm Sanierung und Entwicklung läuft aus. Doch die Grundstückseigentümer erhalten nicht nur extra Geld, sie genießen auch steuerliche Vorteile. Nachteile: Ins Grundbuch wird eingetragen, dass das Grundstück Teil eines Sanierungsgebietes ist. Das heißt: Will der Eigentümer einen Kredit bei einer Bank aufnehmen, hat die Stadt dabei ein Wort mitzureden. Der Gutachterausschuss legt den Wert für das Grundstück fest – viel höher darf der Kredit dann auch nicht ausfallen. Auch beim Verkauf eines solchen Grundstücks darf der Eigentümer nicht machen, was er will. Maximal zehn Prozent über dem festgelegten Wert darf er das Grundstück veräußern. Damit soll verhindert werden, dass das Haus zum Spekulationsobjekt wird. Wenn das Grundstück aus dem Sanierungsgebiet entlassen wird, muss der Grundstückseigentümer Geld an die Stadt zahlen. Denn Grund und Boden sind mehr wert, da die Stadt Straßen und Plätze im Sanierungsgebiet attraktiver macht. Damit erhöht sich der Bodenwert auch für Grundstückseigentümer. Diese Erhöhung muss der Grundstückseigentümer bezahlen. Allerdings: Von diesem Anteil wird das Geld abgezogen, was der Eigentümer selbst investiert hat.

 Josephine von Zastrow

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