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Lübeck Schon wieder! Lübecker Flughafen meldet Insolvenz an
Lokales Lübeck Schon wieder! Lübecker Flughafen meldet Insolvenz an
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10:03 01.10.2015
St. Jürgen

Pleite in Blankensee: Flughafen-Chef Peter Steppe hat gestern beim Amtsgericht Lübeck Insolvenz beantragt. Das Amtsgericht hat das Verfahren über die PuRen Germany GmbH eröffnet. Der vorläufige Insolvenzverwalter ist der Hamburger Anwalt Klaus Pannen. Er hat bereits die erste Insolvenz des Airports begleitet. Der Grund für die neuerliche Pleite: Es kommt kein Geld mehr aus China. Der Flughafen braucht im Schnitt aber einen Zuschuss von sechs Millionen Euro im Jahr. „Leider hat sich das seit einiger Zeit auf Talfahrt befindliche Wirtschaftswachstum in China nun auch auf den norddeutschen Flughafen ausgewirkt“, sagt Steppe. Eine nähere Erklärung des Investors Yongqiang Chen habe er nicht erhalten.

Mehr zum Thema: Ausgejubelt: Flughafen ohne Zukunft?

„Wir können nur hoffen, dass im Rahmen der Insolvenz eine gute Nachfolgelösung gefunden wird“, sagt Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). „Ich bedaure die Entwicklung sehr und hoffe, dass der Insolvenzverwalter einen Weg zur Fortführung des Betriebes findet“, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). „Das ist eine schlechte Meldung für den Luftverkehrsstandort Lübeck“, so IHK-Sprecher Can Özren. Aus Sicht der Wirtschaft sei es vorrangig, diese wichtige Infrastruktur zu erhalten. „Geschichte wiederholt sich. In diesem Fall negativ“, ist FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke ernüchtert. 

Die Flughafen-Gegner sehen sich indes bestätigt. „Das war zu erwarten“, sagt Eckhard Graf, Groß Grönaus Bürgermeister (SPD). Die vorgestellten Geschäftsmodelle seien „undurchsichtig und nicht nachvollziehbar“ gewesen. Für Grüne und Linke ist klar, dass die Insolvenz das Aus des Flughafens bedeutet. „Die Flughafenfreunde um Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) sollten das Scheitern ihrer Träume einräumen“, macht Fraktionschef Thorsten Fürter (Grüne) klar. Der Regionalflughafen sei wirtschaftlich nicht zu betreiben, „sondern bleibt ein Millionengrab“. Jetzt bleibe nur noch die Abwicklung des Airports. Fürter: „Ein Weiterbetrieb des Millionenlochs durch die Stadt ist undenkbar.“ Die Fraktionschefin der Linken, Antje Jansen, stimmt zu: „Alle Pläne des Investors waren nur Luftbuchungen.“ Sie fordert „die sofortige Schließung des Flughafens und die Rückzahlung der ausstehenden Pacht“. Der Flughafen hatte seit Mai die Pacht an die Stadt reduziert. Nach LN-Schätzungen handelt es sich um bis zu 150 000 Euro. Josephine von Zastrow

Im April 2014 musste die Yasmina Flughafengesellschaft Insolvenz anmelden, deren Inhaber der Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar war. Auch damals fungierte Pannen als Insolvenzverwalter.

Klicken Sie hier, um einen interaktiven Zeitstrahl zur Geschichte des Flughafens zu sehen.

Damals stieg der chinesischen Investor Yongquiang Chen am 1. August ein und gründete die PuRen Germany GmbH. Auch sein Engagement ist nach nur einem guten Jahr wieder vorbei. Das vorläufige Insolvenzverfahren dauert drei Monate. In dieser Zeit muss Pannen jetzt wieder einen Käufer finden. Ansonsten wird die Betreibergesellschaft abgewickelt.

Umfrage: Aus und vorbei – Braucht Lübeck seinen Flughafen?

 

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Drei private Investoren sind gescheitert

Der Flughafen Lübeck gehört der Hansestadt. Doch da der Airport Millionen Euro im Jahr verschlingt, hat sich die Stadt private Investoren als Betreiber gesucht. Alle sind gescheitert. Zunächst stiegen die Neuseeländer Infratil ein – von 2005 bis 2009. Sie verloren die Lust und gaben den Flughafen an die Stadt zurück. Das war vertraglich möglich. Zum 1. Januar 2013 stieg der Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar ein, verschwand aber ein gutes Jahr später. Da musste der Airport das erste Mal Insolvenz anmelden. Der Chinese Yongqiang Chen stieg ein – und ist nach einem guten Jahr ebenfalls pleite. 

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