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Lübeck Schüler als Politiker in Höchstform
Lokales Lübeck Schüler als Politiker in Höchstform
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21:18 17.09.2013
Jedes Wort sitzt — und der Funke springt über, als Karo Heider (vorne im Bild) eine leidenschaftliche Rede vorträgt. Die anderen Parteien und Moderator Lasse Nielsen (links) überzeugen ebenso. Quelle: Fotos: Roeßler

Solche Debatten wünscht man sich in den echten Talkshows: Bei der Bundestagswahlsimulation traten gestern fünf Gymnasien mit jeweils fünfköpfigen Schülerteams in der Aula der Thomas-Mann- Schule (TMS) gegeneinander an. Jedes Team musste die Rolle einer Partei übernehmen. Die Verteilung war schon vor Wochen per Los entschieden worden. So musste mancher Schüler politische Meinungen vertreten, die gar nicht seine waren. Die Bundestagswahlsimulation ist von der TMS entwickelt worden und fand dort bereits intern dreimal statt. Erstmals traten jetzt nicht TMS-Teams sondern Lübecker Schulen gegeneinander an. Bei der Auswahl der Siegermannschaften sollten vor allem die rhetorischen Fähigkeiten und die Glaubwürdigkeit der Darstellung bewertet werden.

Das hatte was. Vor 150 Besuchern ging es mächtig zur Sache. Die Gymnasiasten hatten sich auf ihre politische Rolle intensiv vorbereitet und Parteiprogramme inhaliert. Die Schüler bestachen mit großem Faktenwissen, argumentierten geschliffen, zuweilen süffisant und häufig knochenhart und ließen das Plattitüden-Gefasel vieler politischer Fernsehrunden vergessen. Die Besucher durften am Schluss der Veranstaltung abstimmen, wer sich am besten geschlagen hatte. Die Thomas-Mann-Schule (Piratenpartei) siegte mit 35,9 Prozent vor der Oberschule zum Dom (SPD), die 30,3 Prozent erhielt. Es folgten gleichauf die Ernestinenschule (Grüne) und das Johanneum (Linke) mit jeweils 11,7 Prozent. Das Katharineum (CDU) erhielt 10,3 Prozent.

Der politische Schlagabtausch fand auf den Themenfeldern Jugendarbeitslosigkeit, Energiewende und Betreuungsgeld statt. Jedes Team bot einen Spitzenkandidaten, einen Generalsekretär und drei Experten auf. Nicht mit von der Partie war die Geschwister-Prenski-Schule, die den Part der FDP übernehmen sollte. Die Gymnasiasten mussten, wie es die TMS-Oberstufenschülerin Annika Liebmann bei ihrer Begrüßung betonte, wegen eines plötzlichen Personalengpasses absagen. TMS- Oberstufenschüler Lasse Nielsen, der die Diskussionsrunde moderierte, zeigte ein wenig Mitleid mit Niels Peekhaus vom Katharineum, der in die Rolle des CDU-Energieexperten schlüpfte und sich der Angriffe der Opposition ohne Rückendeckung erwehren musste. Lasse Nielsen mit feiner Ironie: „Die CDU steht allein. Die FDP ist nicht da.“ Manchmal ist eine Simulation verdammt nah am wirklichen Leben.

Doch Niels Peekhaus brauchte kein Mitleid. Mit lässig vorgetragenen Argumenten konterte er staatstragend und ein wenig von oben herab die Angriffe der politischen Gegner. Die Diskussionsrunde über die Energiewende war der Höhepunkt der Bundestagswahlsimulation. „Das war absolute Spitzenklasse“, schwärmte ein Zuhörer. Und es war höchst unterhaltsam, wie sich Theresa Raasch (TMS/Piraten), Niels Peekhaus, Peer Simon (Johanneum/Linke), Kim Dudde (Ernestinenschule/Grüne) und Manuel Kropp (OzD/SPD) mit Argumenten ein giftiges und wortgewaltiges Gefecht lieferten.

Zu Beginn der Diskussionsrunde hatte Annika Liebmann das Ziel der Veranstaltung betont: „Wir wollen das politische Interesse wecken.“ Eröffnet worden war die Bundestagswahlsimulation vom Kieler Landtagspräsidenten Klaus Schlie (CDU). Er würdigte die Wahlsimulation mit ihren drei „scharf umstrittenen Themen“ als einen Beitrag gegen die Wahlmüdigkeit der Bürger. Dass bei der letzten Kommunalwahl die Gruppe der Nichtwähler größer gewesen sei als die der Wähler, sei erschreckend. An die Schüler gewandt betonte Schlie: „Wir brauchen Sie als junge Generation, um die Demokratie am Leben zu erhalten. Und der Landtagspräsident fügte hinzu: „Ich bin sehr stolz auf Ihr politisches Engagement.“

LN in der Schule
Die Bundestagswahlsimulation der TMS wurde unterstützt von den Lübecker Nachrichten. Es gibt eine Vielzahl weiterer Kooperationen mit Schulen.


Zeitung in der Schule : Mit Unterstützung von Wirtschaftspartnern werden die LN vier Monate lang täglich in die Klassen geliefert und in den Unterricht eingebunden. Die Schüler werden auch selbst zu Reportern, recherchieren ein Thema und verfassen einen Artikel, der in den LN erscheint.


Leselounge: Sechs Schulen im Verbreitungsgebiet bekommen mit Unterstützung ansässiger Wirtschaftsunternehmen täglich die Zeitung in die Schule, wo gemütliche Sitzecken zum Lesen eingerichtet wurden.

Torsten Teichmann

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