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Lübeck Schuldach-Attacke: „Wie konnte so etwas hier passieren?“
Lokales Lübeck Schuldach-Attacke: „Wie konnte so etwas hier passieren?“
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14:12 19.08.2017
Quelle: Lutz Roessler

Torge ist zu Fuß aaf einem gepflasterten Weg zwischen den großzügigen Grünflächen unterwegs. Er ist 15 - genauso alt wie das Opfer der brutalen Attacke, die sich am Mittwoch hier in Buntekuh abgespielt hat. Mit seinem Vater und seinem besten Freund hat er über das Ereignis gesprochen – und kann es noch immer nicht fassen: „Wie kann man auf so eine Idee kommen? Was muss man dafür genommen haben?“. Er vermutet, dass Drogen im Spiel waren. „Anders kann ich mir das nicht erklären.“ An sich, sagt er, fühle er sich in Buntekuh sicher. „Aber wenn ich eine große Gruppe von Jugendlichen sehe, versuch’ ich, denen aus dem Weg zu gehen.“

Buntekuhs Bewohner diskutieren über Gewalt von Jugendlichen.

Der Spielplatz, auf dem alles anfing, gehört zu dem Gebiet, das mit dem Programm „Soziale Stadt“ neu gestaltet wurde. Große, bunte Ringe, senkrecht aufgestellt, dienen als Sitzgelegenheit. Hier versammeln sich oft Jugendliche – worüber sich nicht alle freuen. Jessica Czerwinski (34) ist Mutter von sieben Kindern. Sie wohne gern in Buntekuh, sagt sie – aber wie früher, als sie hier aufwuchs, sei es nicht mehr. Ihre Kleinen dürfen nicht ohne Begleitung der ältesten Geschwister nach draußen. „Ab 17 Uhr sitzen die Jugendlichen immer da vorne, wo die Kreise sind, und ärgern die Kleinen“, sagt sie. Sogar eine Heroin-Spritze habe sie schon auf dem Spielplatz gefunden.

Ahmed Abdelhady (18), höflich und zugewandt, ist einer von den Jugendlichen, die sich dort regelmäßig aufhalten. „Meine Freunde und ich, wir sind öfters hier, wir chillen, trainieren ein bisschen, hören Musik“, sagt er. „Wenn Ferien sind, haben wir nichts zu tun. Wir fahren nicht in Urlaub. In der Heimat ist ja überall Krieg.“ Mit Kindern kämen er und seine Freunde dabei gar nicht in Kontakt. Ahmed weiß nicht, wer die Täter vom Mittwochabend sind, „aber ich werd’ die schon auf jeden Fall kennen.“

Dass sie aus seinem Freundeskreis kommen, schließt er aus: „Bei uns sind alle ab 17 aufwärts. Ich würde zu gern wissen, wer das war.“ Vor einigen Monaten wurde er am Zob mit Messerstichen schwer verletzt. Er zeigt die Narben am Oberkörper. „Das ist noch immer nicht vor Gericht“, sagt er. Auch deshalb beschäftigt ihn der aktuelle Fall. „Wenn ich sowas hör’, dann würde ich am liebsten Selbstjustiz üben“, sagt er. „Aber dann würde ich mich ja selber strafbar machen.“

Ist es in Buntekuh unsicherer als früher? Knut Huser (59) winkt ab. Er ist Hausmeister der Baltic-Schule und wuchs in Buntekuh auf. „Die Jugendlichen sitzen da immer, aber ich hab’ da kein Problem mit“, sagt er. „Die sind voller Hormone.“ Wenn es Stress gebe, gehe es immer um Mädchen. „Oder es geht um die Tüten, die sie rauchen.“ Mehr Probleme als früher gebe es aber nicht, sagt er und erinnert an die Zeit seiner Jugend: „In den 70ern war es schlimmer.“

Die Polizei ermittelt weiter gegen die mutmaßlichen, zwischen 14 und 16 Jahre alten Täter. „Erste Hinweise zu Angreifern und Tathergang sind eingetroffen“, sagte Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach am Freitag. „Es sind gute dabei.“

 Hanno Kabel

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