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Lübeck Schulfreunde halten sich seit 70 Jahren die Treue
Lokales Lübeck Schulfreunde halten sich seit 70 Jahren die Treue
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22:25 28.09.2016
Ein ganz besonderes Klassentreffen: OzD-Schulleiter Oliver Schaefer (v. l.), Rolf Boorz, Karl-Günther Stöver, Prof. Dr. Hans Cordts, Dr. Gustav Freytag, Wolfgang Boldt, Hans Evers, Kurt Heinrich Schumacher und Hauke Wegner. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Es war ein großes Versprechen, fast schon ein Schwur: Als die Primaner der Oberschule zum Dom (OzD) 1944 zur Wehrmacht eingezogen wurden, sagten sie: „Wenn der Krieg vorbei ist, treffen wir uns wieder.“ Dieses Vermächtnis hält bis heute. Verblieben sind zehn Männer im Alter von 89 und 90 Jahren: Kurt Heinrich Schumacher, Rolf Boorz, Wolfgang Boldt, Prof.

„Wir versprechen uns: Wenn der Krieg vorbei ist, treffen

wir uns wieder.“Schüler der OzD 1944

„Der tägliche Kübel mit Kekssuppe war hilfreich beim Lernen

für das Abitur.“Kurt Heinrich Schumacher

Dr. Hans Cordts, Dr. Gustav Freytag, Karl-Günther Stöver, Hans Evers, Hans Kallies, Hans Kranz und Dr. Harro Tilse. Sie sind das berufliche Spiegelbild unserer Gesellschaft: Kaufleute, Lehrer, Ärzte, Juristen, Biologen, Landwirte, Journalisten, Bauingenieure, Agrarwissenschaftler, Beamte. Sieben von ihnen kamen gestern im Ringhotel Jensen, An der Obertrave, zum 70. Klassentreffen zusammen. Mit dabei waren auch die Ehefrauen und Lebensgefährten sowie OzD-Schulleiter Oliver Schaefer und Geschichtslehrer und Schularchivar Hauke Wegner.

Oliver Schaefer zeigte sich „höchst beeindruckt“ von dieser unverbrüchlichen Treue von Schulkameraden: „So etwas wird es nicht wiedergeben,“ weil sich heutzutage „Verbundenheit in der großen weiten Welt verliert“.

Schwere Zeiten schweißen zusammen: Das Notabitur, das die jungen Männer 1944 machten, bevor sie in den Krieg ziehen mussten, war „nur ein Reifemerk“, erzählt Kurt Heinrich Schumacher. Studieren konnte man damit nicht. Das richtige Abitur wurde in einem halbjährigen Crashkurs (wie man heute sagt) im Juli 1946 gemacht, aber nicht in der OzD (die lag in Trümmern), sondern im Katharineum. Der 89-jährige Schumacher, der in seiner Berufslaufbahn zum Ministerialdirigenten im Kultusministerium aufstieg, erinnert sich. „Nach der Abiturprüfung ging ich gemeinsam mit zwei Kollegen in eine kleine Kneipe in der Holstenstraße.“ Als der Wirt erfuhr, dass die drei jungen Männer ihr Abitur bestanden hatten, ließ er sich nicht lumpen. Er kramte eine Dose mit Heringen hervor, die er den ganzen Krieg über wie einen Schatz aufbewahrt hatte. Das Festmahl wird Schumacher niemals vergessen. Auch nicht, wie hart es war, für das Abitur zu büffeln, „ausgepowert vom Krieg.“ Und er fügt hinzu: „Was für uns sehr hilfreich war, war der Kübel mit Kekssuppe, den die Engländer uns täglich in die Schule brachten.“

Wie schicksalhaft sich das Leben zum Guten wenden kann, erzählt Rolf Boorz. Und er beichtet eine kleine Lüge. Er gab sich in englischer Kriegsgefangenschaft als „landwirtschaftlicher Gehilfe“ aus.

Denn die wurden dringend für den Wiederaufbau benötigt. „Dann hau’ mal ab“, sagte ein englischer Offizier zu ihm, und Boorz war frei. Das war im September 1945. Im Juli 1946 hatte Boorz sein richtiges Abitur in der Tasche. Er wandte sich dem Kaufmännischen zu, machte eine Lehre bei Possehl und hielt Lübeck die Treue – und seinen Schulkameraden.

Torsten Teichmann

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