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Lübeck Schuppen 9: Mieter halten nichts von Hostel-Plänen der Stadt
Lokales Lübeck Schuppen 9: Mieter halten nichts von Hostel-Plänen der Stadt
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20:19 27.02.2016
Sie lieben Schuppen 9 (v. l.): Eventmanagerin Hülya Tac (28), Veranstaltungskauffrau Vera Herkenberg (42) und Bauunternehmer Stefan Beuch (51) arbeiten in dem denkmalgeschützten Gebäude an der Kaikante. Sie stellen sich dort beispielsweise ein Hansezentrum vor — statt eines Hostels.

. Dieses Bild kennt jeder. Der Mann mit der Mütze und dem Rauschebart, er sitzt auf einem Stuhl vor dem Schuppen — um ihn herum stehen alte Holzkisten mit der Aufschrift Hanse-Kurier Lübeck, ein nahezu historisch anmutender Kinderwagen, ein antiker Schrank. Kurz Trödel. Jan Styemann sitzt vor Schuppen 9 an der Untertrave, bis 2008 saß er vor Schuppen 11 an der Hafenstraße. Aus Schuppen 11 hat die Stadt eine Top-Adresse direkt an der Kaikante gemacht. Dort wird jetzt Sport getrieben und Latte Macchiato getrunken. Styemann siedelte um in den Schuppen 9. Jetzt muss er vielleicht wieder seine Sachen packen. Denn die Stadt will aus dem Schuppen 9 gegenüber vom Hansemuseum ein Hostel machen — günstig und für junge Leute. Das Gebäude liegt direkt am Wasser.

„Was soll denn ein Hostel hier?“, sagt der 56-Jährige. Künstler, Ateliers, kleine Läden — dafür wäre das Gebäude ideal, meint Styemann. Seit mehr als 25 Jahren verkauft er Antikes, Altes und Vergessenes. Seit das Hansemuseum eröffnet hat, laufen die Geschäfte schlecht. „Die Leute können hier nirgends mehr parken.“ Wenn er einem Hostel weichen muss, „dann geh ich woanders hin“, sieht er die Sache mit Gelassenheit. Aber Styemann glaubt nicht daran, dass sich ein Hostel rechnet. Nach einer Sanierung würde man in dem denkmalgeschützten Schuppen keinesfalls billig übernachten können.

So sieht es auch seine Nachbarin Vera Herkenberg von Cruise Art. Die Veranstaltungskauffrau betreibt den Großen Saal und den Blauen Salon im Schuppen 9 — als Event-Location. „Die Kosten einer Sanierung des denkmalgeschützten Schuppens wären sehr hoch“, so Herkenberg. Ihrer Ansicht nach wäre es daher sinnvoller, zwischen Schuppen 6 und Schuppen 9 ein Hostel neu zu bauen. Die 42-Jährige hat einen ungekündigten Mietvertrag mit der Lübeck Port Authority (LPA) über rund 1000 Quadratmeter — und damit fast die Hälfte des 2500 Quadratmeter großen Schuppens. Sie macht klar: „Bei uns kann weiter gefeiert und getagt werden.“ Hundert Veranstaltungen pro Jahr finden bei ihr statt — Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern, Tagungen. Meistens ist die Location am Wochenende belegt. „Wir haben mehr Anfragen, als wir unterbringen können“, sagt ihre Eventmanagerin Hülya Tac (28). Daher sieht sie weder die neue Kulturwerft auf der Roddenkoppel noch die geplante Veranstaltungshalle in Schuppen C auf der Nördlichen Wallhalbinsel als Konkurrenz an. Herkenberg: „Das ergänzt sich wunderbar.“ Sie will den Schuppen 9 in der Woche und tagsüber mehr beleben, kann sich Kongresse an diesem exklusiven Ort mit traumhaftem Wasserblick vorstellen.

Ein Hansezentrum — das stellt sich Stefan Beuch vor, Chef der Firma Lünitz, Institut für Bautenschutz. Er hat sein Büro seit 2001 in Schuppen 9. Denn er hat den Dachstuhl des Bauwerks saniert, da bot ihm die Stadt an, einzuziehen. „Als das Hansemuseum gebaut wurde, wusste ich, dass es Begehrlichkeiten für Schuppen 9 geben würde“, meint der 51-Jährige. Daher hat er sich Gedanken gemacht. Seine Idee: Städte des Neuen Hansebundes präsentieren sich dauerhaft im Schuppen 9 — und werben um Touristen. Beispielsweise könnte das belgische Brügge seine berühmte Schokolade feilbieten oder das norwegische Bergen die dicken Norwegerpullis. Zugleich würde Beuch die Event-Location von Herkenberg erhalten. Sie stimmt zu und meint: „Bei einem Hostel haben nur die Touristen etwas davon.“ Sie plädiert dafür, dass Schuppen 9 auch für die Lübecker offen bleibt. Dann könnten ihn sowohl Einheimische als auch Gäste nutzen. „Schuppen 9 gehört zu Lübeck wie das Holstentor.“

Der historische Hafenschuppen

7 Mieter gibt es im Schuppen 9. Das Fraunhofer-Institut und das Hansemuseum haben dort Räumlichkeiten. Es gibt die Event-Location im Schuppen 9 mit dem Großen Saal und dem Blauen Salon, den Vera Herkenberg von Cruise Art betreut. Zudem gibt es die Zeugnerei, in der Arne Zeugner beispielsweise Flohmärkte oder die Celtic Folk Night veranstaltet. Die Firma Lünitz hat dort ihren Sitz, Jan Styemann verkauft dort seinen Trödel — zudem dient ein weiterer Raum als Lager.

Schuppen 9 gehört der Stadt, betreut wird er von der städtischen Hafenbehörde, der Lübeck Port Authority (LPA). In Kombination mit dem Hansemuseum könnte aus Schuppen 9 ein „Jugend-Hostel mit bezahlbaren Preisen“ werden, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Es gebe Interesse an solchen Plänen. Noch ist unklar, wie und wann die Idee realisiert wird.

Josephine von Zastrow
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