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Lübeck Schwarzbau statt Traumhaus
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21:28 16.12.2017
Maja Hartwig und Ansgar Dunker vor ihrem Haus in Groß Steinrade. Für den angebauten Bungalow gibt es keine Baugenehmigung. Beim Kauf haben sie das nicht erfahren. Das junge Paar weiß nicht, wie es weitergehen soll. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
St. Lorenz Nord

Ihr Traum von einem Mehrgenerationenhaus ist erst einmal auf Eis gelegt. Dabei hatten es sich Maja Hartwig und Ansgar Dunker so schön vorgestellt, als sie im Oktober vergangenen Jahres eine Doppelhaushälfte in Groß Steinrade gekauft haben. „Auf dem Grundstück steht auch noch ein Bungalow. Da sollten unsere Schwiegereltern einziehen“, sagt Hartwig. „Eigentlich wollten wir Weihnachten schon in dem neuen Haus feiern. Aber das wird wohl nichts.“

Denn nachdem sie den Kaufvertrag unterschrieben haben, kam die böse Überraschung. „Das Dach des Bungalows war kaputter als gedacht. Als wir beim Bauamt fragen wollten, ob man eine Genehmigung für die Erneuerung des Daches braucht, wurde uns gesagt, dass es für den ganzen Bungalow gar keine Baugenehmigung gibt“, sagt Maja Hartwig. Ein Schwarzbau, illegal errichtet. Das sei beim Verkauf aber nicht gesagt worden. „Seitdem ist Baustopp. Was sollen wir denn jetzt tun. Wir haben doch so viel Geld für das Haus ausgegeben?“, fragt die Erzieherin.

Ein Gutachter, der den Wert des Grundstücks samt Bebauung ermittelt hatte, sowie der Notar hätten sie nicht auf den Schwarzbau aufmerksam gemacht. Auch die Verkäuferin des Hauses beteuert über ihre Anwälte, nichts davon gewusst zu haben, dass der Bungalow illegal errichtet wurde. Hartwig und Dunker versuchen nun, eine nachträgliche Genehmigung beim Bauamt zu bekommen. „Wir können nur hoffen.

Beim Bauamt wurde schon vom Abriss des Bungalows gesprochen. Das wäre schrecklich“, sagt die 28-Jährige.

Aber soweit ist es noch nicht. „Die Besitzer wurden in persönlichen Gesprächen wie auch per Mail über verschiedene Vorgehensweisen informiert“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. „Unter anderem ging es auch um die Möglichkeit eines Rückbaus. Ein aktives Bestreben des Rückbaus, etwa durch die Androhung einer Abrissverfügung, hat es aber nie gegeben.“

Laut Hartwig haben Mitarbeiter des Bauamtes die nachträgliche Legalisierung des Bungalows zwar ebenfalls in Aussicht gestellt, allerdings dürfte er dann zu großen Teilen nicht als Wohnfläche, sondern lediglich als Abstellkammer genutzt werden. „Das hilft uns nicht weiter. Wir haben fest damit gerechnet, dass in den Bungalow unsere Schwiegereltern einziehen“, sagt Hartwig. Mit den Mieteinnahmen der Schwiegereltern wollten sie ihre Kreditraten abstottern. „Warum haben wir bloß dem Gutachter und dem Notar einfach so vertraut? Es sah alles so seriös aus.“

Probleme mit einem Schwarzbau kommen Wolfgang Gaessler, Grundstückswertermittler und IHK-Sachverständiger aus Lübeck, nur sehr selten vor. „Die einfachste Methode, wie man sich vor Schwarzbau schützen kann, ist mit den Bauplänen selbst zum Bauamt zu gehen und dort Einsicht ins Bauaktenarchiv zu nehmen. Dann ist man auf der sicheren Seite“, sagt Gaessler. „Wenn man dazu keine Zeit hat, dann sollte man zumindest darauf achten, dass zu den Bauplänen des Objektes auch Bauanträge vorliegen, die mit einem Stempel des Bauamtes versehen sind.“

Hartwig und Dunker haben beides nicht gemacht. Bisher haben sie 230000 Euro ausgegeben. „Für nichts“, sagt Maja Hartwig traurig. „In der eigentlichen Doppelhaushälfte können wir auch noch nicht wohnen, weil sie aufwendiger saniert werden muss, als wir angenommen haben.“ Sie leben momentan in einer Mietwohnung in Lübeck. Wenn sie ihr Haus samt Schwarzbau wieder verkaufen würden, dann würden sie etwa 100000 Euro verlieren. „Das geht nicht. Wir laufen finanziell schon auf letzter Rille und hoffen auf die Genehmigung. Vielleicht kriegt die Verkäuferin ja auch noch ein schlechtes Gewissen und kommt uns wegen des illegalen Bungalows etwas entgegen“, hoffen sie.

Hoffen auf die Milde der Stadt

Die meisten Fälle von Schwarzbau werden dem Bauamt durch Nachbarn und Dritte gemeldet. Allerdings gibt es auch bauaufsichtliche Kontrollen zur Ermittlung von Schwarzbau.

Zu Schwarzbau zählt das Bauamt auch die Schwarznutzung von Gebäuden, ein klassischer Fall ist Wohnen im Gewerbegebiet. Unter Schwarzbau fällt es auch, wenn Eigentümer beispielsweise in der Innenstadt ihre Fenster austauschen und dies nicht offiziell anmelden. „ Wir sind in solchen Fällen aber meist sehr kulant und erteilen rückwirkend eine Baugenehmigung“, so Stadtsprecherin Nicole Dorel.

 Hannes Lintschnig

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